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Eine „Never-Ending-Story“?

Am Anfang waren die Seitenlappen - oder auch nicht...

Wie und vor allem woraus sind Insektenflügel entstanden? Die Suche nach der Antwort auf diese Frage wächst sich langsam zu einer der „Never-Ending-Stories“ der Biologie aus: Schon seit mehr als einem Jahrhundert dauert sie an. Immer wieder sind es vor allem zwei Theorien, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Beide werden immer wieder von den Entomologen vorgetragen, verworfen, wieder hervorgeholt, verändert und erneut diskutiert – doch eine endgültige Antwort gibt es bis heute nicht.

Der Kanal an der Schelfeis-Unterseite ist so hoch wie der Eiffelturm und so breit wie die Tower Bridge © Anne Le Brocq

Lange Zeit war die „Seitenlappen“ -Theorie der unangefochtene Favorit. Die 1875 postulierte Idee basiert auf der Beobachtung der so genannten Urinsekten – primitiven Insektengruppen, die den Sprung in die Luft nicht mitgemacht haben und bis heute flügellos geblieben sind. Im Gegensatz zu Läusen, Ameisen und anderen erst nachträglich wieder flugunfähig gewordenen Gruppen ähneln die Urinsekten in ihrer Anatomie noch am ehesten ihren fernen Vorfahren vor rund 300 Millionen Jahren. Einige von ihnen, darunter auch die Silberfischchen, tragen an den Seiten ihres Körpers flache Ausstülpungen der Körperwand, die so genannten Paranota oder Seitenlappen. Sie dient den Insekten als Schutz für die Beine, zur Thermoregulation oder als Signalgeber in der Partnerwerbung.

Besonders bei fossilen Formen deutlich ausgebildet, galten diese unbeweglichen starren Auswüchse lange Zeit als mögliche Vorläufer der Flügel. Vor Millionen von Jahren, so das Szenario, könnten baumbewohnende Urinsekten diese zunächst kleinen „Tragflächen“ dazu genutzt haben, bei einem Sturz aus dem Blätterdach ihren Fall zu dämpfen und zu einer Art Gleitflug zu stabilisieren. Weil Insekten mit etwas größeren Lappen eher überlebten als Tiere mit kleineren, wuchsen die „Protoflügel“ im Laufe der Zeit immer mehr. Erst später, in einem zweiten Schritt, wurden die starren Lappen beweglich und das Gleiten ging in echtes, aktives Fliegen über.

Doch dieses Szenario, so einleuchtend es auf den ersten Blick scheinen mag, lässt einige entscheidende Fragen offen: Wenn diese Seitenlappen wirklich so vorteilhaft bei einem Fall sind, warum gibt es heute kein einziges Insekt, dass diese Art von Gleitflug praktiziert? Und wie und wann soll sich der unbewegliche Chitinauswuchs in einen beweglichen, von Adern durchzogenen und mit Nerven und Muskeln verbundenen Flügel verwandelt haben? Schon die ersten Fossilien von fliegenden Insekten aus den Karbon, vor rund 360 Millionen Jahren, zeigen Tiere mit vollausgebildeten beweglichen Flügeln, von Übergangsformen mit starren „Gleitern“ fehlt jede Spur.

Den – wahrscheinlich endgültigen – Todesstoß erhielt die Theorie vor gut zehn Jahren, als die Paläontologin Jarmila Kukalova-Peck nicht nur nachwies, dass auch mit seitlichen Ausstülpungen Insekten bei einem Fall wahrscheinlich hart auf „die Schnauze“ gefallen wären, sondern gleichzeitig auch entscheidende Indizien für eine Konkurrenztheorie lieferte.

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Stand: 12.06.2001

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