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Arten halten sich nicht an traditionelle Einteilungen

Anders als im Bestimmungsbuch

Wasserfloh © Klaus Schwenk

Ein weiterer Grund, weshalb es schwierig ist, Arten voneinander zu unterscheiden, ist, dass wir dazu tendieren, optische Unterschiede – oder deren Fehlen – bei der Arteinteilung übermäßig stark zu bewerten. Das wird besonders bei den so genannten „kryptischen Arten“ deutlich, bei denen es sich um zwei oder mehr eigentlich gut voneinander abgegrenzte Arten handelt, die aber aufgrund ihres ähnlichen oder identischen Erscheinungsbildes als eine einzige Art klassifiziert worden sind.

Auch Darwin beschäftigte sich in seinen Arbeiten über die Entenmuscheln – eine Gruppe der Krebstiere – mit diesem Phänomen. Wie Wissenschaftler um Professor Bruno Streit, Klaus Schwenk und Markus Pfenninger vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität Frankfurt kürzlich in einer Literaturstudie zeigen konnten, sind kryptische Arten entgegen aller Erwartungen in allen Tiergruppen und Lebensräumen etwa gleich häufig.

Wie können die Forscher Arten und die Artbildung erforschen, obwohl es keine allgemein akzeptierte Definition dafür gibt? Da sie insbesondere am Verständnis der evolutionären und ökologischen Prozesse interessiert sind, die zur Entstehung und Verbreitung von Biodiversität führen, verfolgen sie einen integrierten, pragmatischen Ansatz. Dazu sammeln die Wissenschaftler viele Individuen der fraglichen Art(en) über das gesamte Verbreitungsgebiet und charakterisieren sie genetisch, morphologisch und anatomisch.

Artgrenzen fundiert erfasst

Je nach Fall erheben sie relevante ökologische, klimatische und/oder edaphische – den Boden betreffende – Informationen über die Fundorte und führen gegebenenfalls ökologische und Fortpflanzungsexperimente durch. Nach einer komplexen statistischen und populationsgenetischen Auswertung der Daten werden für gewöhnlich die Grenzen zwischen den unabhängig voneinander evoluierenden Arten deutlich.

Radix balthica © Moritz Salinger

Zum Leidwesen der Taxonomen stimmen diese aber vielfach nicht mit den traditionellen Einteilungen überein, die auch in Bestimmungswerken zu finden sind. Dafür erlauben die umfassenden Untersuchungen aber unter Umständen, dass die Wissenschaftler auf die evolutionären und ökologischen Prozesse schließen können, die zur Aufspaltung der Art geführt haben. Zusätzlich können sie abschätzen, wann und wo sich die Artbildung abgespielt hat. Auf diese Weise haben die Frankfurter Forscher die Artgrenzen bei mehreren systematisch umstrittenen Gruppen von Land- und Süßwasserschnecken, Muscheln, Wasserflöhen, Zuckmücken und Süßwasserkrabben fundiert erfasst.

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Bruno Streit, Markus Pfenninger und Klaus Schwenk / Forschung Frankfurt
Stand: 27.03.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Eine Erde voller Arten
Darwins Vermächtnis in der heutigen Evolutionsbiologie

Leben ist Veränderung
Streit um die Definition der Art

Anders als im Bestimmungsbuch
Arten halten sich nicht an traditionelle Einteilungen

Wie Strichcodes im Supermarkt...
Schnelle Artenerkennung durch DNA-Barcoding

Evolutionäre Reise durch Zeit und Raum
Wie Arten auf Klimaveränderungen reagieren

On the Origin of Species by Means of Natural Selection
Charles Darwin und die Evolutionstheorie

Diaschauen zum Thema

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Auch schwache Arten können gewinnen
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