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Freitag, 10.02.2012
Bald elfter Deutscher im All?
Deutscher Kandidat ins Europäische Astronauten-Team berufen
Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat jetzt die neuen europäischen Astronauten vorgestellt. Aus 8.413 Kandidaten ist auch ein Deutscher, Alexander Gerst, in das sechsköpfige Team berufen worden. Gerst wurde 1977 geboren, hat an der Universität Karlsruhe Physik studiert und stammt ursprünglich aus der baden-württembergischen Stadt Künzelsau.

Die Welt der Sterne
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© NASA
Zusammen mit dem Deutschen werden demnächst Thomas Pesquet aus Frankreich, Samantha Cristoforetti und Luca Parmitano aus Italien, Timothy Peake aus Großbritannien und Andreas Mogensen aus Dänemark mit der Ausbildung beginnen, die im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln durchgeführt wird.

ISS und bemannte Missionen
Die Entscheidung für sechs Kandidaten fiel unter Berücksichtigung nicht nur der im Rahmen der ESA-Programme und -Tätigkeiten geplanten Fluggelegenheiten, sondern auch der Vereinbarung zwischen der italienischen Raumfahrtagentur ASI und der NASA.

Die Astronauten des europäischen Astronautenkorps werden für Einsätze auf der Internationalen Raumstation ISS geschult, dort vor allem im europäischen Forschungslabor Columbus, und für spätere bemannte Missionen.

Ausgewählt: deutscher ESA-Astronaut Alexander Gerst
Ausgewählt: deutscher ESA-Astronaut Alexander Gerst
© ESA Ausgewählt: deutscher ESA-Astronaut Alexander Gerst
„Ein sehr guter Tag für die deutsche Raumfahrt“
„Ich freue mich über die Auswahl von Alexander Gerst als Mitglied des europäischen Astronautenteams. Für die deutsche Raumfahrt ist das ein sehr guter Tag“, sagte Professor Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR.

„Damit steht Alexander Gerst als deutscher ESA-Astronaut in der langen Tradition erfolgreicher deutscher Kosmonauten und Astronauten. Von Sigmund Jähn bis Thomas Reiter haben die Deutschen im All immer ihren Anteil bei der Realisierung nationaler und internationaler bemannter Raumfahrtmissionen erbracht. Missionen, die an die Grenzen des technologisch Machbaren gegangen sind und immer einen Nutzen für den Menschen erbracht haben“, so Wörner weiter.

Erfreut zeigte sich auch Peter Hintze, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und Koordinator der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt: „Die Wahl von Alexander Gerst in das neue europäische Astronautencorps würdigt in besonderer Weise das starke deutsche Engagement in der Raumfahrt. Die Zukunft wird zeigen, ob unser Astronaut auf der ISS eingesetzt oder gar einen Fuß auf Mond oder Mars setzen wird.“

Die Suche nach den neuen Astronauten hatte genau vor einem Jahr, am 19. Mai 2008, begonnen. Das Verfahren stand Bewerberinnen und Bewerbern aus allen 18 ESA-Mitgliedstaaten offen.

Der erste war Sigmund Jähn...
Seit 1976 wurden 13 Deutsche für die Ausbildung zum Astronauten oder Kosmonauten ausgewählt. Zehn von ihnen waren seither auf 14 Missionen in der Erdumlaufbahn. Der erste war Sigmund Jähn, der - als Bürger der DDR - im August 1978 mit der Mission Soyuz 31 zur sowjetischen Raumstation Salyut 6 flog. Der bislang letzte deutsche Astronaut im All war im Jahr 2008 Hans Schlegel, der mit seinem Flug STS-122 das europäische Weltraumlabor Columbus zur Internationalen Raumstation ISS brachte.

Die meisten Aufenthalte in der Erdumlaufbahn kann Ulf Merbold verzeichnen, der drei Mal ins All geflogen ist. Mit zwei Langzeitmissionen kann Thomas Reiter, heute DLR-Vorstand für Raumfahrtforschung und -entwicklung, auf den längsten Aufenthalt zurückblicken. Er war sowohl auf der russischen Mir-Station als auch auf der ISS.

Sechs Deutsche waren an einer Mission ins All beteiligt: Gerhard Thiele, heute Leiter des europäischen Astronautenteams, Ernst Messerschmid und Ulrich Walter, heute Professoren an den Universitäten Stuttgart beziehungsweise München, Klaus-Dietrich Flade derzeit Testpilot bei Airbus und Reinhold Ewald, heute Leiter des Columbusteams im Columbus-Kontrollzentrum im Deutsche Raumfahrt-Kontrollzentrum am DLR-Standort in Oberpfaffenhofen. Der Astronaut Reinhard Furrer kam 1995 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Zehn Deutsche im All
Sigmund Jähn: Soyuz 31/Soyuz 29 (1978),
Ulf Merbold: STS-9 (1983), STS-42 (1992), Euromir94 (Soyuz TM-20/Soyuz TM-19),
Reinhard Furrer: STS-61A (1985)
Ernst Messerschmid: STS-61A (1985)
Hans Schlegel: STS-55 (1993), STS-122 (2008)
Ulrich Walter: STS-55 (1993)
Klaus-Dietrich Flade: Mir92 (Soyuz TM-14/Soyuz TM-24)
Thomas Reiter: Euromir95 (Soyuz-TM 22), ISS-Expedition 13/14 - STS-121/116 (2006)
Reinhold Ewald Mir97 (Soyuz TM-25/Soyuz TM-24)
Gerhard Thiele STS-99 SRTM (2000)
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