Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Fußball: Drei-Punkte-Regel ohne Wirkung
Niederlagen vermeiden steht weiterhin im Vordergrund
Die Einführung der Drei-Punkte-Regel in der Fußballbundesliga hat nicht zu den ursprünglich erhofften positiven Wirkungen führt. Dies hat eine Analyse der Spielergebnisse über 44 Saisons von 1963/64 bis 2006/2007 ergeben. Statt des erwarteten offensiveren und attraktiveren Spiels, steht nach wie vor das Vermeiden von Niederlagen im Vordergrund, so die Münsteraner Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Sportwissenschaft“.

Fußball-Fans
Fußball-Fans
© Fritz Duras / GNU FDL Fußball-Fans
Die FIFA hatte allen ihren Mitgliedsverbänden vorgeschrieben, spätestens zur Saison 1995/96 die so genannte Drei-Punkte-Regel einzuführen. Das bedeutet, dass der Sieger einer Fußballpartie drei Punkte erhält (vorher zwei Punkte). Die Punktevergabe für Unentschieden (ein Punkt) wurde nicht geändert. Ziel war es, ein offensiveres und attraktiveres Spiel zu fördern. Der Anreiz, ein Spiel für sich zu entscheiden, sollte höher sein als sich mit einem Unentschieden zu begnügen.

Damit sollte eigentlich der Anteil der Unentschieden im Fußball nach der Einführung der Drei-Punkte-Regel deutlich sinken oder auch die Anzahl der geschossenen Tore deutlich steigen - würde man einer solchen ökonomischen Argumentation folgen. Nun ist Fußball aber nicht nur Ökonomie, sondern auch Psychologie.

Zweifel bestätigt
Es hat in den vergangenen Jahren einige nationale und internationale Studien gegeben, die bereits früh Zweifel an den positiven Effekten der Drei-Punkte-Regel aufkommen ließen. Demgegenüber standen und stehen aber auch Studien, die zu einer positiveren Bewertung kommen.

Die Sportpsychologen Professor Bernd Strauß, Norbert Hagemann und Florian Loffing vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Münster haben in ihrer neuen Studie die Ergebnisse von 13.406 Spielen analysiert. Sie ermittelten dabei unter anderem dass es vor der Einführung einen Anteil an Unentschieden von 25,89 Prozent und danach unter der Drei-Punkte-Regel 26,23 Prozent Unentschieden gegeben hat. Wenn man beispielsweise nur die torlosen Unentschieden betrachtet - als typischen Ausdruck eines besonders defensiven Spiels - ergibt sich kein anderes Bild. Auch hier ist kein relevanter Unterschied erkennbar: 6,37 Prozent vorher zu 7,08 Prozent torloser Spiele nachher.

Niederlagenserie führt zu Entlassungen
Der erhofften Wirkungen der Drei-Punkte Regel bleiben nach Angaben der Forscher in der ersten Bundesliga aus. Praktisch bedeutsame Veränderungen - jedenfalls für die Ergebnisse - sind damit nicht verbunden. „Man darf nicht vergessen, dass es beim Fußball aus sportpsychologischer Sicht nicht nur um den Gewinn, sondern Trainern und Spielern insbesondere auch um die Vermeidung von Niederlagen geht - allemal in einem so öffentlichen Mediensport wie Fußball“, so Strauß.

Und weiter: „Ein Beispiel: Trainer werden typischerweise nicht nach einer Serie von Unentschieden entlassen, wohl aber nach einer Serie von Niederlagen. Und an dem Prinzip, Niederlagen zu vermeiden, hat sich nichts geändert, ob nun mit oder ohne Drei-Punkte-Regel“.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Fußball, Sieg, Niederlage, Unentschieden, Remis, Trainer, Spiel, Sport, Spannung
Weitere News zum Thema
Artenschutz: Nashorn und Grauwal als Verlierer des Jahres (20.12.2011)
Menschenverursachtes Artensterben und Waldzerstörung schreiten auch 2011 ungebremst voran
Nanofußbälle inkognito im Weltall (05.09.2011)
Forscher: Fullerene verstecken sich unter Wasserstoffmantel
Rohstoffabbau bedroht Tiefsee-Leben (02.08.2011)
Menschlicher Einfluss reicht bis in tiefste Meeresgebiete
Fußball-WM: Fliegenorakel statt Krake Paul (29.06.2011)
Fruchtfliegen-Spiel in virtueller Arena prophezeit Spielergebnisse für Deutschlands Fußball- Frauen
Frauen-Fußball-WM: Deutschland gewinnt (22.06.2011)
Wissenschaftler berechnet Ergebnisse mittels „WM-Formel“
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Faszination Fußball
Dossiers zum Thema
Fußball für Besserwisser
Ein Sport im Spiegel der Wissenschaft
Doping
Siege, Rekorde und Medaillen um jeden Preis?
Egoismus schafft Gemeinsinn
Auf der Suche nach den Triebkräften der Kooperation
Olympische Spiele in China
Wie gesund ist Olympia für die Athleten?
Die Angst nach dem Terror
Wie gehen wir mit Bedrohungen um?
„Der kleine Unterschied“ im menschlichen Gehirn
Wie Östrogen und Co. die kognitiven Leistungen beeinflussen
News des Tages
Mensch stammt nicht vom Schwamm ab
Wie Hawaii um die Ecke gebracht wurde
Antarktis: Wilkins-Schelfeis verliert seinen Halt
Forscher spielen bio-chemisches Origami
Was Stammzellen zu Stammzellen macht
Fußball: Drei-Punkte-Regel ohne Wirkung
Bücher zum Thema
Wissen hoch 12
Ergebnisse und Trends in Forschung und Technik von Harald Frater, Nadja Podbregar und Dieter Lohmann
Das Murmeltier-Buch
Und täglich grüßt die Wissenschaft von Sylvia Borchardt, Erika Schow und Jens Simon
Irrwitziges aus der Wissenschaft
Von Dunkelbirnen und Leuchtkaninchen von Heinrich Zankl
Das Ziegenproblem
Denken in Wahrscheinlich- keiten von Gero von Randow
Das Angstbuch
Woher sie kommen und wie man sie bekämpfen kann von Borwin Bandelow
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes