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Samstag, 25.06.2016
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Biotreibstoffe erhöhen Ölabhängigkeit

Probleme von erneuerbaren Energiealternativen aufgedeckt

Die Nutzung von wertvollem Land zum Anbau von essbarem Getreide, aus dem Biotreibstoffe hergestellt werden, ist für Viele ein Dilemma. Ist es ethisch vertretbar, erneuerbare Energien auf Kosten einer ohnehin unterversorgten Bevölkerung zu produzieren? US-Forscher weisen jetzt zudem auf Probleme hin, die mit der Umwandlung einer Reihe von Getreidesorten in Biotreibstoffe verbunden sind.
Mais

Mais

Diese erneuerbaren Energien sind nicht nur ineffizient, sondern auch wirtschaftlich kostenaufwändig und belastend für die Umwelt und nicht annähernd so produktiv wie erwartet, so die Forscher um David Pimentel, Professor für Ökologie und Landwirtschaft an der Cornell University in New York, in der Fachzeitschrift „Human Ecology“.

Biotreibstoffe als erneuerbare Energiealternativen


Angesichts der weltweiten Verknappung an fossiler Energie - insbesondere von Öl und Erdgas - konzentrieren sich die Regierungen auf die Produktion von Biotreibstoffen als erneuerbare Energiealternativen. Gleichzeitig sind 60 Prozent der Weltbevölkerung unterernährt und es besteht ein erhöhter Bedarf an Getreide und sonstigen Grundnahrungsmitteln. Für den Anbau von Getreidesorten wie Mais, Zuckerrohr und Sojabohnen zur Treibstoffproduktion sind Wasser- und Energieressourcen erforderlich, die für die Herstellung von Lebensmitteln zum menschlichen Verzehr lebenswichtig sind.

Pimentel und sein Team prüften weltweit die Verfügbarkeit und die Nutzung von Land, Wasser und derzeitigen Energiequellen und betrachten in einem weiteren Schritt die spezifische Situation in den Vereinigten Staaten. Sie analysierten auch die Biomasseressourcen und wiesen nach, dass die Vereinigten Staaten über eine unzureichende Menge an Biomasse zur Ethanol- und Biodieselproduktion verfügen, um das Land vom Öl unabhängig zu machen.


Ineffizient und umweltschädlich


In ihrer Studie untersuchten sie zudem die Effizienz und Kosten, die mit der Umwandlung einer Reihe von Getreidearten in Energie zusammenhängen und zeigten, dass in jedem Fall mehr Energie für diesen Prozess erforderlich ist als tatsächlich an Treibstoff produziert wird. Die Forschungsarbeit belegt eine negative Energiebilanz von 46 Prozent für Maisethanol, 50 Prozent für Switchgrass (Rutenhirse), 63 Prozent für Sojabohnen-Biodiesel und 58 Prozent für Rapsöl. Selbst die vielversprechende Palmölproduktion ergibt einen Nettoenergiegewinn von minus acht Prozent.

Ferner gibt es eine Reihe von Umweltproblemen, die mit der Umwandlung von Getreide in Biotreibstoffe verbunden sind. So beispielsweise Wasserverschmutzung durch Dünger und Pestizide, globale Erwärmung, Bodenerosion und Luftverschmutzung.

Nach Auffassung der Wissenschaftler steht einfach nicht genügend Land, Wasser und Energie zur Verfügung, um Biotreibstoffe zu produzieren. Sie argumentieren ferner, dass sich die USA ironischerweise stärker vom Öl abhängig machen und nicht weniger, wie dies durch die Produktion von Biotreibstoffen beabsichtigt war.

Mehr Energie benötigt als produziert


In den meisten Fällen wird zur Produktion einer Einheit Biotreibstoff mehr fossile Energie benötigt als die Energie, die durch den Treibstoff bereitgestellt wird. Folglich werden in den USA mehr Öl und Erdgas importiert, um Biotreibstoffe herzustellen.

Die Forscher schließen daraus, dass „mit dem Anbau von Getreide für Biotreibstoffe nicht nur die Notwendigkeit zur Reduzierung des Verbrauchs natürlicher Ressourcen außer Acht gelassen wird, sondern dass sich das Problem der weltweiten Unterernährung durch die Umwandlung von Nahrungsmittelgetreide in Biotreibstoffe verschärft. Durch eine vermehrte Nutzung von Biotreibstoffen wird die Umwelt weltweit und insbesondere die globale Nahrungsmittelkette stärker belastet.“
(Springer-Verlag Heidelberg, 30.01.2009 - DLO)