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Donnerstag, 23.03.2017
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Neue Hoffnung für HIV-Infizierte?

Wirkstoff verhindert erfolgreich das Eindringen des Virus in die Zelle

Wissenschaftler haben ein neues Aids-Medikament vorgestellt, das auf einem neuen Wirkungsmechanismus beruht: Es greift nicht das HI-Virus direkt an, sondern schützt die menschlichen Zellen vor dem Befall mit dem Virus, indem es dessen Eindringen verhindert. Zwei Studien ergaben eine hohe Wirksamkeit bei HIV-Infizierten, bei denen andere Mittel versagt hatten.
Aids-Virus

Aids-Virus

Das neue Mittel hindert das Virus am Eintritt in die Zelle, indem es eine Schlüsselstelle auf der Zellmembran, den Korezeptor R5 (CCR5) blockiert. Für dieses Wirkprinzip gibt es ein Modell der Natur: Man weiß seit längerem, dass Menschen, bei denen CCR5 fehlt, nicht mit HIV infiziert werden, sondern gewissermaßen einen natürlichen Schutz besitzen. Das Fehlen des Korezeptors scheint keine negativen Folgen zu haben, denn diese Menschen führen ein normales Leben und zeigen keine Auffälligkeiten.

Viruslast erfolgreich gesenkt


In den beiden Studien wird die Wirksamkeit von Maracviroc bei HIV- Patienten nachgewiesen, die bereits intensiv vorbehandelt waren und bei denen die herkömmlichen Medikamente nicht mehr anschlugen.Insgesamt 1.049 Patienten wurden entweder mit Maraviroc (in zwei Dosierungen) oder mit Placebo behandelt, wobei alle Patienten zusätzlich eine individuell abgestimmte Kombination bereits zugelassener Medikamente erhielten. Während in den beiden Maraviroc- Gruppen zwischen 42 und 47 Prozent der Patienten nach 48 Wochen keine nachweisbare Viruslast hatten (HIV- RNA kleiner als 50 Kopien pro Milliliter), war dies in den Placebogruppen nur bei 16 bis 18 Prozent der Fall.

In verschiedenen Untergruppen von Patienten, die ein besonders hohes Risiko für ein Therapieversagen aufweisen, zeigte sich Maraviroc eindeutig überlegen. Auch die Verträglichkeit von Maraviroc war sehr gut, es gab keinen Unterschied in den Nebenwirkungen zu Placebo. Die vorläufigen Daten aus den beiden heute veröffentichten MOTIVATE- Studien hatten bereits Ende 2007 zur Zulassung von Maraviroc in Deutschland geführt.


Auch zur Prophylaxe geeignet?


Bisher ist die Substanz nur zur Behandlung von HIV- Patienten zugelassen, die bereits vielfach vorbehandelt sind. Ein anderes Einsatzgebiet liegt aber in Zukunft möglicherweise in ganz anderen Bereichen. Man weiß zum Beispiel, dass CCR5 eine ganz zentrale Rolle bei der Neuinfektion mit HIV spielt. Derzeit laufen weltweit große Studien, in denen das Prinzip der Präexpositionsprophylaxe (auch PREP genannt) geprüft wird.

Durch die Gabe von Medikamenten soll hier eine Infektion bei vorhandenem Risiko verhindert werden. Das Prinzip ist zum Beispiel aus der Malaria- Prophylaxe bekannt. Falls sich die grundlegende Wirksamkeit einer PREP bei HIV zeigen lässt, böte sich Maraviroc hier als ideales Medikament an: es hemmt einen zentralen Übertragungsmechanismus, es ist sehr gut verträglich und es gibt nicht die Gefahr einer Resistenzentwicklung gegen andere HIV- Medikamente.
(Uniklinik Köln, 06.10.2008 - NPO)
 
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