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Freitag, 10.02.2012
Auch Menschenaffen denken voraus
Planung mit Selbstkontrolle und Vorstellungskraft
Nicht nur wir Menschen, auch Menschenaffen können vorausschauend denken. Eine Studie beweist jetzt erstmals, dass die Tiere sich in ihre zukünftigen Bedürfnisse hineinversetzen und für diese Situation planen können. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Animal Cognition“ berichten, geschieht dies ebenso wie beim Menschen mit Hilfe von Selbstkontrolle und Vorstellungskraft.

Schimpanse
Schimpanse
© Thomas Lersch/GNU FDL Schimpanse
Bislang galt die Lehrmeinung, dass die komplexe Fähigkeit, vorausschauend zu denken, dem Menschen vorbehalten ist. Bei keiner anderen lebenden Primatenspezies konnte diese Eigenschaft bisher überzeugend nachgewiesen werden. Beim Menschen beruht die Planung zukünftiger Bedürfnisse im Wesentlichen auf zwei mentalen Fähigkeiten: der Selbstkontrolle beziehungsweise der Unterdrückung von Trieben zugunsten späterer Belohnung, sowie einer mentalen Zeitreise oder einer mentalen Erfahrung in Zusammenhang mit einem vergangenen oder zukünftigen Ereignis.

Im Rahmen einer aus vier Experimenten bestehenden Versuchsreihe lieferten Mathias und Helena Osvath von der Lund Universität für Kognitive Wissenschaften in Schweden nun die ersten schlüssigen Beweise, dass auch die nicht-menschliche Spezies die Fähigkeit zu vorausschauendem Denken besitzt. Die beiden Forscher prüften, ob Schimpansen und Orang Utans in der Lage sind, ihre aktuellen Triebe zugunsten zukünftiger Bedürfnisse zu unterdrücken. Diese Experimente sollten den Beweis liefern, dass Menschenaffen zur Selbstkontrolle fähig sind und vorausschauend denken können, anstatt einfach ihren unmittelbaren Bedürfnissen durch impulsives Verhalten nachzugeben.

Frucht jetzt oder Fruchtsuppe später?
Die Forscher zeigten zwei weiblichen Schimpansen und einem männlichen Orang Utan von der Primaten-Forschungsstation der Lund Universität im Furuvik Zoo einen Schlauch und demonstrierten, wie dieser eingesetzt werden kann, um Fruchtsuppe herauszusaugen. Zusammen mit dem Schlauch boten sie den Affen ihre Lieblingsfrucht an, um zu testen, ob diese ihren Trieb nach sofortiger Belohnung, also ihre Lieblingsfrucht, zugunsten der Möglichkeit auf eine größere Belohnung in Form des Schlauchs unterdrückten.

Die größere Belohnung - die Fruchtsuppe - erhielten die Menschenaffen mit einer zeitlichen Verzögerung von 70 Minuten. Die Affen entschieden sich häufiger für den Schlauch als für ihre Lieblingsfrucht. Hierdurch konnte nachgewiesen werden, dass sie durchaus in der Lage sind, zukünftigen Bedürfnissen den Vorrang vor einer unmittelbaren Belohnung zu geben, selbst wenn sie direkt mit dieser konfrontiert werden.

Es wurden daraufhin neue Gegenstände eingeführt, die den Affen bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt waren: ein Gegenstand, der ähnlich wie der Schlauch funktionierte, und zwei völlig andere Objekte. Die Affen entschieden sich bewusst öfter den neuen funktionalen Gegenstand und brachten diesen später in den Belohnungsraum, wo sie ihn entsprechend nutzten. Diese Tatsache beweist, dass sie den neuen Gegenstand aufgrund seiner funktionalen Eigenschaften ausgewählt haben.

Echtes Vorausplanen statt assoziativem Lernen
Nach Ansicht der Forscher ist dieses Verhalten ein Hinweis darauf, dass Menschenaffen ein zukünftiges Ereignis vorwegnehmen können, das heißt, dass sie in der Lage sind, sich vorzustellen, dass dieser neue Gegenstand ihnen zur Fruchtsuppe verhilft. Assoziatives Lernen als Erklärung der Ergebnisse konnte mit Hilfe eines entscheidenden Experiments ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse früherer Tierstudien an Rabenvögeln und Menschenaffen wurden häufig mit assoziativem Lernen begründet und fanden aus diesem Grund keine generelle Akzeptanz als Beweis dafür, dass die nicht-menschliche Spezies durchaus die Fähigkeit zu vorausschauendem Denken besitzt.

Die neuen Forschungserkenntnisse legen dagegen die Vermutung nahe, dass Menschenaffen tatsächlich in der Lage sind, vorauszuplanen. Die Autoren schließen daraus, dass "die Ergebnisse dieser Studie ein Hinweis darauf sind, dass zentrale, dem Menschen zugeordnete Fähigkeiten sich bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt herausgebildet haben, als bisher angenommen.“
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