• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 23.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Fledermäuse: Lehm fressen entgiftet

Mineralienhaltiges Substrat puffert gefährliche sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe ab

Fledermausweibchen in den Tropen fressen Lehm, um Gifte in ihrer Lieblingsnahrung – vor allem Früchte - weitgehend zu neutralisieren. Sie wollen damit ihre Jungtiere und Embryonen vor der schädlichen Wirkung der sekundären Pflanzeninhaltsstoffe schützen. Dies haben jetzt Berliner Wissenschaftler in einer neuen Studie herausgefunden über die sie in der Online-Fachzeitschrift „PLoS ONE“ berichten.
Fledermaus

Fledermaus

Jedes Kind weiß, dass wir die grünen Stielansätze der Tomaten nicht mitessen sollten, dass wir Keimstellen aus den Kartoffeln entfernen und die Enden der Mohrrüben vor dem Essen abschneiden. Der Grund sind die in den Pflanzen enthaltenen sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, die gefährlich für den Konsumenten sein können.

Früchte satt


Früchtefressende Fledermäuse der Tropen nehmen aber jeden Tag Unmengen an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen mit ihrer Nahrung auf. Dies kann besonders für trächtige oder säugende Fledermausmütter zu einem Problem werden, da sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe auch den Embryo oder das heranwachsende Jungtier schädigen können.

Wie Fledermausmütter mit diesem Problem umgehen, hat nun eine Studie von Wissenschaftlern des Berliner Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Zusammenarbeit mit amerikanischen Forschern der Boston University untersucht.


Vor allem Mütter bevölkern Salzlecken


Fledermäuse gehören mit weltweit über 1.200 Arten zu den artenreichsten Säugetiergruppen und besitzen in den tropischen Regenwäldern eine herausragende ökologische Stellung bei der Ausbreitung von Samen. Bei ihren Untersuchungen im Amazonasregenwald von Ecuador fand die Forschergruppe heraus, dass hauptsächlich trächtige und säugende Fledermausmütter so genannte Salzlecken besuchen, um dort mineralienhaltiges Substrat aufzunehmen.

„Es war nahe liegend anzunehmen, dass Fledermäuse so wie andere Säugetiere aber auch Vögel ihren Mineralbedarf an den Salzlecken decken“, beschreibt der Verhaltensbiologie Christian Voigt die ersten Überlegungen am Beginn ihrer Studie. Säugende Fledermausmütter haben einen besonders hohen Mineralienbedarf, da ihre Jungtiere eine besonders lange Stillzeit haben.

„Allerdings fanden wir einen relativ hohen Mineraliengehalt in Früchten. Insekten hingegen waren relativ arm an Mineralien“, so Voigt. In ihrer neuen Studie untersuchten sie an einer Fledermausart mit einer Mischkost aus Früchten und Insekten, ob Individuen, die vorzugsweise Insekten fressen, mit größerer Wahrscheinlichkeit an den Salzlecken anzutreffen sind als solche, die vorzugsweise Früchte fressen.

Mineralienarmut nicht ausschlaggebend


Das Ergebnis der Studie belegt, dass die Mineralienarmut in der Nahrung nicht ausschlaggebend für den Besuch von Salzlecken ist. Vielmehr besuchen hauptsächlich Fledermäuse, die sehr viele Früchte fressen, die Salzlecken. Die Forscher vermuten, dass trächtige und säugende Fledermäuse auf Grund ihres höheren Energiebedarfs mehr Früchte als gewöhnlich verzehren und somit größeren Mengen an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen ausgesetzt sind.

Fledermäuse scheinen die Wirkung dieser Stoffe durch den gleichzeitigen Verzehr von mineralienhaltigem Substrat abpuffern zu können. Auch die Ureinwohner Südamerikas oder Afrikas wissen um die entgiftende Funktion des Lehmes und nehmen während der Schwangerschaft und in der Stillzeit mineralienhaltigen Bodens zu sich. Mensch und Fledermaus haben demnach eine ähnliche Strategie entwickelt, um ihren Körper zu entgiften.
(idw - Forschungsverbund Berlin, 24.04.2008 - DLO,)
 
Printer IconShare Icon