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Dienstag, 28.03.2017
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Gicht-Gen entdeckt

Erbgutbaustein mit starkem Einfluss auf den Harnsäurespiegel identifiziert

Gicht-Patienten werden häufig durch Schmerzattacken gequält. Ursache der Krankheit ist ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut. Münchener Wissenschaftler haben jetzt Varianten im Genom identifiziert, die bei Menschen mit niedrigen Harnsäurespiegeln häufiger sind als in der Normalbevölkerung.
DNA-Analyse mittels Elektrophorese

DNA-Analyse mittels Elektrophorese

Wenn zu viel Harnsäure im Blutserum vorhanden ist, kann sie in Form kleiner Kristalle in den Gelenken und Weichteilen ausfallen. Bereits bei Spiegeln zwischen sechs bis sieben Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beobachten Mediziner Gichtanfälle. In der Augsburger Bevölkerung zum Beispiel findet man aber bei über 15 Prozent (%) der 25- bis 64-jährigen Männer Harnsäurespiegel über sieben mg/dl, während nur ein % der Frauen so hohe Harnsäurespiegel aufweisen.

Gichtanfälle bei jüngeren Frauen seltener


Generell sind jüngere Frauen sehr viel seltener von Gichtanfällen betroffen als Männer. Nach der Menopause nimmt aber die Häufigkeit auch bei ihnen zu. Beim akuten Gichtanfall kommt es zu einer rasch einsetzenden Entzündung (Arthritis) eines oder mehrerer Gelenke, die von stärksten Schmerzen begleitet ist. Bei fehlender oder unzureichender Therapie ist ein chronischer Verlauf die Folge, der durch häufigere, oft weniger ausgeprägte Anfälle gekennzeichnet ist, bei dem aber weitere Gelenke befallen sein können. Es bilden sich dabei Knötchen in den Weichteilen, und es kann zu Knorpel- und Knochendefekten in den befallenen Gelenken kommen, die im schlimmsten Fall zur Gelenkzerstörung führen.

Bekannt ist seit längerem auch, dass ein erhöhter Harnsäurespiegel häufig mit Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Übergewicht oder metabolischem Syndrom vergesellschaftet ist. Ursachen für erhöhte Harnsäurespiegel sind zum einen Lebensstilfaktoren wie Alkoholkonsum oder ein hoher Fleischverzehr. Erkrankungen oder die Einnahme von Medikamenten, die mit einem erhöhten Zellabbau bzw. einer verminderten Harnsäureausscheidung in der Niere verbunden sind, können ebenfalls mit erhöhten Harnsäurespiegeln einhergehen. Auch eine erhöhte Aufnahme von Fruchtzucker (Fruktose) bewirkt einen deutlichen Anstieg der Harnsäure.

In den letzten Jahrzehnten haben Wissenschaftler eine Zunahme der Gicht, der Hyperurikämie und auch des Übergewichts beobachtet. Dies wird von einigen Forschern mit dem Anstieg des Fruktosekonsums in Beziehung gebracht. Da die Gicht familiär gehäuft auftritt, ging man aber schon früh auch von einer genetischen Komponente bei der Entstehung der Erkrankung aus.


DNA-Chips analysiert


Ein Wissenschaftler-Team aus den Instituten für Epidemiologie und Humangenetik des Helmholtz Zentrums München, sowie den Universitäten Innsbruck und Greifswald hat nun ein Gen entdeckt, das an der Regulation des Harnsäurespiegels entscheidend beteiligt ist. Die Forscher um Angela Döring, Dr. Christian Gieger und Dr. Christa Meisinger untersuchten die Assoziation zwischen Genvarianten und Harnsäurespiegel bei Probanden aus der Normalbevölkerung.

Sie analysierten hierfür an den Instituten für Humangenetik und Epidemiologie unter Leitung von Professor Dr. Thomas Meitinger DNA-Chips, die es erlauben, 500.000 der häufigsten Varianten des menschlichen Genoms zu bestimmen. Dieser genomweite Abgleich häufiger Varianten - auch genomweite Assoziationsstudie genannt – wurde bei 1.644 Probanden aus der so genannten KORA-Studie untersucht. Die Rolle des Gens konnte in weiteren KORA-Daten, sowie der SAPHIR-Studie (Universität Salzburg und Medizinische Universität Innsbruck) und der SHIP-Studie (Universität Greifswald) bestätigt werden.

Über die Funktion des identifizierten Gens SLC2A9 war bisher relativ wenig bekannt. Die Genprodukte gehören aufgrund ihrer Sequenzähnlichkeiten zur Familie der Glukosetransporter und transportieren Fruktose durch die Zellmembran. Personen, die Träger der selteneren Varianten sind, weisen niedrigere Harnsäurespiegel auf; der Effekt ist bei Frauen deutlich ausgeprägter ist als bei Männern.

Schon bald neue Therapien?


Studien in der Arbeitsgruppe von Dr. Holger Prokisch konnten zeigen, dass die Expression einer bestimmten Isoform von SLC2A9 15% der Varianz des Harnsäurespiegels bei Frauen erklärt. Welche Rolle dieses Gen in der komplexen Regulation der Ausscheidung in der Niere beziehungsweise bei der Produktion der Harnsäure in der Zelle beim Nukleinsäureabbau genau spielt, soll nun in einem nächsten Schritt intensiv untersucht werden.

Wie schnell das Wissen um die genetischen Risikofaktoren in Behandlungskonzepte umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. Für die Forschung bieten sich auf jeden Fall neue Perspektiven, die zellbiologischen Zusammenhänge bei der Entstehung der Hyperurikämie zu verstehen.
(Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, 20.03.2008 - DLO)
 
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