Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Mittwoch, 08.02.2012
Nanoröhrchen als Drucksensoren
Lineares Verhältnis zwischen Druck und Widerstand
Winzige, nur drei Millimeter große Blöckchen aus Kohlenstoffnanoröhrchen haben sich im Test als ideale Drucksensoren entpuppt. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Materialien behielten sie auch bei starkem und mehrfachem Druck immer ein konstantes lineares Verhältnis zwischen Druck und elektrischem Widerstand bei. Das berichten amerikanische Forscher jetzt im Fachmagazin „Applied Physics Letters“.

Obwohl die mechanischen Eigenschaften von Nanoröhrchen in den letzten Jahren intensiv erforscht worden sind, haben sich Wissenschaftler des Rensselaer Polytechnic Institute jetzt zum ersten Mal der Reaktion der winzigen Kohlenstoffröhren auf Druck angenommen. Ihnen ging es dabei in erster Linie darum, das Verhältnis zu untersuchen, in dem sich der elektrische Widerstand der Röhrchen bei unterschiedlichen Drücken verändert.

Lineares Verhältnis zwischen Druck und Widerstand
Für ihre Versuche spannten die Forscher einen drei Millimeter großen Block aus Kohlenstoffnanoröhrchen in eine Art Schraubzwinge ein und applizierten von oben unterschiedlich starken Druck. Gleichzeitig schickten sie Strom durch den Block und maßen seinen elektrischen Widerstand.

Nanoröhrchen im Block unter Druck
Nanoröhrchen im Block unter Druck
© Rensselaer Polytechnic Institute
Es zeigte sich, dass der Block mit einer Veränderung des Widerstands auf den ausgeübten Druck reagierte. Beide Faktoren standen dabei in einem linearen Verhältnis: Je stärker der Block zusammengepresst wurde, desto mehr stieg der Widerstand an. Ein solches in einem Diagramm durch eine gerade Linie repräsentiertes Verhältnis ist für Materialforscher geradezu Gold wert, denn es erlaubt es, sehr einfach und verlässlich vorherzusagen, wie sich der Widerstand des Blocks unter bestimmten Umständen verhalten wird.

Anwendung als Drucksensor
„Wegen der linearen Beziehung zwischen Last und Stress, eignet sich das Material sehr gut als Drucksensor”, erklärt Subbalakshmi Sreekala, Hauptautor der Studie. Der Sensor funktioniert dann im Prinzip wie eine einfache Waage: Wird ein Objekt mit einem unbekannten Gewicht auf dem Nanoröhrchenblock platziert, wird dieser zusammengedrückt und sein elektrischer Widerstand steigt. Ein kurzer Stromstoß misst diesen Widerstand und das exakte Gewicht wird daraus ermittelt.

Ein Sensor aus einem Nanoröhrchenblock könnte auf diese Weise schon sehr geringe Druckunterschiede zuverlässig registrieren und daher in zahlreichen praktischen und industriellen Anwendungen zum Einsatz kommen. So könnte er beispielsweise als Druckmesser in Autoreifen oder aber als mikroelektronischer Drucksensor in der Produktion von Halbleitern eingesetzt werden.

In den Tests der Forscher zeigte sich, dass die Belastungsgrenze des Nanoröhrchenblocks bei ungefähr 65 Prozent seiner ursprünglichen Höhe liegt. Wird er noch weiter zusammengedrückt, verliert er seine strukturelle Integrität und auch das lineare Verhältnis zu Widerstand geht verloren. Doch die Wissenschaftler arbeiten bereits daran, die Stabilität des Blocks zu erhöhen, indem sie beispielsweise Polymerverbindungen untermischen. „Die Herausforderung wird sein, die richtigen Polymere zu wählen, damit wir nicht an Effizienz verlieren, aber trotzdem unter allen Umständen die gleiche Reaktion erhalten“, erklärt Sreekala.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Nanoröhrchen, Kohlenstoffnanoröhrchen, Druck, Widerstand, Sensor, Materialforschung, Strom, Drucksensor, Nanotechnologie, Nanotube
Weitere News zum Thema
Nano-Endoskop ermöglicht Blick in die lebende Zelle (28.12.2011)
Neues Verfahren kann Wirkstoffe gezielt ins Zellinnere einschleusen
Leichtestes Metall der Welt besteht zu 99,99 Prozent aus Luft (21.11.2011)
Gitter aus hohlen Metallröhrchen macht Material leicht und stabil zugleich
Nanoröhrchen „stehlen“ Grünalgen Licht (07.11.2011)
Forscher untersuchen Auswirkungen von Nanopartikeln auf Ökosysteme in Gewässern
Nanoröhrchen täuschen Zellen (19.09.2011)
Ursache für gesundheitsschädliche Wirkung von Asbest und Nanofasern auf Gewebe aufgeklärt
Nanoröhrchen als Gas-Sensoren (17.08.2011)
Wissenschaftler des TRM Leipzig entdecken neue Eigenschaft von Nanoröhrchen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Dossiers zum Thema
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Wohnen der Zukunft
Was können die Häuser von morgen?
News des Tages
Blick auf das stellare Leben nach dem Tod
Nanoröhrchen als Drucksensoren
Streit um streitbaren Klimaforscher
Wie gesund isst Europa?
Stoppuhr für Elektronen-Wettrennen
Sommerzeit bringt die Innere Uhr durcheinander
Bücher zum Thema
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
QED
Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie von Richard P. Feynman
Skurrile Quantenwelt
von Silvia Arroyo Camejo
Wissen Hoch 12
von Harald Frater und Christina Beck
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn
5. Tempolimit auf dem Quanten-Highway