Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Nanoinseln als Datenspeicher?
Magnetische Speichertechnik der Zukunft vorgestellt
Ein völlig neues Verfahren zur magnetischen Speicherung von digitalen Informationen haben jetzt Hamburger Wissenschaftler vorgestellt. Es verzichtet komplett auf magnetische Felder und ermöglicht damit extrem hohe Speicherdichten, so die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.

Nanoinseln
Nanoinseln
© Stefan Krause / Universität Hamburg Nanoinseln
Den Hamburger Forschern gelang es dabei weltweit erstmalig, die Magnetisierung von winzigen Nanoinseln durch den Einsatz von Spinströmen gezielt und berührungsfrei zu schalten. Diese bahnbrechenden Forschungsergebnisse könnten zur Entwicklung neuartiger Festplatten führen, die eine gegenüber aktuellen Systemen zehntausendfach höhere Datenkapazität besitzen.

Das heutige Informationszeitalter sorgt für immer größere Datenfluten. Komplette Fotoalben, Videos und Musiksammlungen werden heute wie selbstverständlich auf Handys und Medien-Playern verstaut, die in jede Hosentasche passen. Immer mehr Daten werden auf immer kleinerem Raum gespeichert. Doch diese stetige Miniaturisierung erfordert immer ausgeklügeltere Technologien, will sie nicht irgendwann an ihre physikalischen Grenzen stoßen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Festplatte: Das seit Jahrzehnten fortschreitende Wachstum der Festplattenkapazitäten ist nur möglich durch die ständige Erhöhung der Speicherdichte und damit der Miniaturisierung jedes einzelnen Bits, der kleinsten Informationseinheit. In konventionellen Festplatten wird das Schreiben von Informationen über magnetische Felder realisiert. Wird die Datendichte jedoch zu hoch, beeinflusst das Magnetfeld beim Schreiben eines Bits auch benachbarte Bits, was unweigerlich zum Datenverlust führt.

Wie die Zeitschrift "Science" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, haben Forscher der Gruppe "Rastersondenmethoden" am Institut für Angewandte Physik der Universität Hamburg nun ein neues Verfahren zum Schreiben von Informationen vorgestellt, das komplett auf magnetische Felder verzichtet und gleichzeitig höchste Speicherdichten ermöglicht.

Nanotechnologie als Helfer
Hierfür wird ein Werkzeug aus der Nanotechnologie genutzt - das so genannte spinpolarisierte Rastertunnelmikroskop, bei dem durch Verwendung einer metallischen Sondenspitze mittels Tunnelstrom berührungsfrei eine magnetische Oberfläche lokal untersucht werden kann. Dieses Verfahren ermöglicht eine extrem hohe Auflösung bis hin zur Abbildung der magnetischen Eigenschaften einzelner Atome.

Erstmals gelang es nun den Forschern um Professor Roland Wiesendanger, die magnetischen Zustände nicht nur atomgenau abzubilden, sondern auch gezielt auf der Nanometerskala zu schalten. Die Wissenschaftler untersuchten dafür kleinste Nanoinseln, die aus gerade mal einhundert Atomen bestehen. Während bei niedrigen Tunnelströmen von einigen Nanoampere zwischen Sondenspitze und Insel die untersuchten Nanoinseln thermisch schalten, ermöglicht ein tausendfach erhöhter Strom, die Inseln mit derselben Sondenspitze in eine bestimmte Magnetisierungsrichtung zu zwingen. Durch gleichzeitige Variation der angelegten Spannung kann die Magnetisierung dann gezielt in die Bitzustände "0" und "1" geschaltet werden.

Dieses "strominduziertes Schalten der Magnetisierung" könnte in absehbarer Zukunft das Speichern und Auslesen von Informationen in einzelne magnetische Atome ermöglichen und zu neuen, revolutionären Festplattentechnologien führen, deren Speicherdichte bis zu zehntausendfach höher ist als die heutiger Festplatten.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Nanotechnologie, Computer, Daten, Speicherung, Informationen, Magnet, Ströme, Bits
Weitere News zum Thema
Erster Röntgenlaser auf Atom-Basis (26.01.2012)
Neue Technologie ermöglicht noch schärfere Bilder aus der Nanowelt
Nano-Antenne ermöglicht Terahertz-Scanner im Handyformat (24.01.2012)
Nanotechnologie und Nanofabrikation sorgen für Durchbruch bei der Erzeugung von Terahertzstrahlen
Forscher kreieren molekulares Legospiel (23.01.2012)
Komplexe Nanostrukturen bilden sich in gesteuerter Selbstorganisation
Weniger Tierversuche durch Nanosensoren (03.01.2012)
Nano-Partikel vereinfachen Zellkulturtests als Alternative zu Chemikalientests an Tieren
Nano-Endoskop ermöglicht Blick in die lebende Zelle (28.12.2011)
Neues Verfahren kann Wirkstoffe gezielt ins Zellinnere einschleusen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Dossiers zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
News des Tages
Ur-Reptilien hörten besser als gedacht
Nanoinseln als Datenspeicher?
Lockiges Haar hat weniger Knoten
Wie Stammzellen gesteuert werden
Meereis schmilzt rasant
Gesundheitsgefahr aus der Keksdose
Bücher zum Thema
Die Wunder maschine
Die unendliche Geschichte der Daten- verarbeitung von Herbert Matis
Das informative Universum
Das neue Weltbild der Physik von Hans Chr. von Baeyer
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Nanotechnologie und Nanoprozesse
Einführung, Bewertung von Wolfgang Fahrner
Projekt Zukunft
Die Megatrends in Wissenschaft und Technik von Hans-Jürgen Warnecke
Das Affenpuzzle
Und weitere bad news aus der Computerwelt von David Harel
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes