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Samstag, 16.12.2017
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Antikörper stoppen Lymphdrüsenkrebs

Transplantierte erfolgreich vor krebsauslösender Wirkung des Epstein-Barr-Virus geschützt

Transplantierte Patienten erkranken sehr viel häufiger an aggressivem Lymphdrüsenkrebs als gesunde. Auslöser dafür ist eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus. Jetzt haben Forscher herausfgefunden, dass eine vorbeugende Behandlung mit Antikörpern gegen einen anderen Virus die Transplantierten vor dem Krebs schützen kann.

Lymphkrebs als Transplantationsrisiko


Transplantierte Patienten haben ein hohes Risiko, an einer sehr aggressiven Form von Lymphdrüsenkrebs, dem so genannten Non-Hodgkin- Lymphom (NHL), zu erkranken; etwa die Hälfte der erkrankten Patienten stirbt daran. Das Lymphom wird durch eine Infektion mit dem Epstein- Barr-Virus verursacht, das mit dem Spenderorgan auf den Empfänger übertragen werden kann. Das Virus löst bei Jugendlichen das Pfeiffersche Drüsenfieber aus, bei gesunden Erwachsenen mit intaktem Immunsystem verläuft eine Infektion jedoch meist ohne gesundheitliche Beschwerden; 80 bis 90 Prozent aller Erwachsenen sind Virus-Träger.

Epstein-Barr-Viren (oben links und unten rechts)

Epstein-Barr-Viren (oben links und unten rechts)

Nach einer Transplantation jedoch muss das Immunsystem durch Medikamente unterdrückt werden, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Die geschwächte Abwehr kann das übertragene Epstein- Barr-Virus nicht bekämpfen. Die Folge: Weiße Blutzellen (Lymphozyten) wuchern unkontrolliert, ein Lymphom entsteht. Etwa zwei Prozent der Patienten nach einer Nierentransplantation entwickeln im Verlauf von zehn Jahren ein NHL. Das erste Jahr nach der Transplantation ist besonders kritisch. Eine zuverlässige Vorbeugung steht bisher jedoch nicht zur Verfügung. Die Entwicklung eines Impfstoffs befindet sich noch in einem frühen Stadium.

„Nierenempfänger entwickeln im Vergleich zur Normalbevölkerung circa zehn Mal häufiger, Herzempfänger sogar etwa 20 Mal häufiger ein Lymphom", erläutert Professor Gerhard Opelz vom Institut für Immunologie am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter der aktuelle Studie. Er und sein Team
gingen der Frage nach, ob eine vorbeugend verabreichte Therapie mit Antikörpern oder anderen Medikamenten gegen das Cytomegalie-Virus (CMS) möglicherweise auch das Epstein-Barr-Virus unterdrücken - und damit das Lymphom verhindern. Das Cytomegalievirus verursacht eine fiebrige Erkrankung, die tödlich ausgehen kann. Mit „Antivirals" lässt sich das Virus wirksam in Schach halten. Das gelingt ebenfalls durch die Gabe von Antikörper- Präparaten, die allerdings wegen der hohen Kosten bisher nur selten eingesetzt werden.


Antivirals wirkungslos, Antikörper dagegen erfolgreich


In Rahmen der Studie werteten Professor die Wissenschaftler die Daten von mehr als 44.000 Empfängern von Nierentransplantaten aus, die Antivirals oder Antikörper erhalten hatten. Das Ergebnis: Antivirale Medikamente verringern das Risiko von NHL bei Organempfängern im ersten Jahr nach der Transplantation nicht und bieten daher keinen Schutz vor Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus.

Hoffnungsvoller sah es dagege bei den Antikörpern aus: Die Forscher stellten fest, dass bei mehr als 2.000 Patienten, die Antikörper-Präparate als Vorbeugung gegen das Cytomegalie-Virus erhalten hatten, im ersten Jahr nach der Transplantation kein einziges Lymphom aufgetreten war. "In den Antikörper-Präparaten gegen CMV wurden von uns auch Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus festgestellt. Wahrscheinlich sind diese anti-EBV Antikörper für die Verhinderung der Lymphomentstehung verantwortlich", erklärt Professor Opelz.

Dies könnte auch erklären, warum im zweiten bis sechsten Jahr nach der Transplantation Non-Hodgkin-Lymphome nicht mehr verhindert wurden. Die Wirksamkeit der Antikörper hält nur einige Monate an, sie hatte daher nachgelassen. Deshalb könnte es nach Ansicht der Forscher sinnvoll sein, den Patienten nach einem Jahr eine erneute Dosis zu verabreichen. In einer Langzeitstudie wird die Heidelberger Arbeitsgruppe nun prüfen, ob ihre Interpretation der Ergebnisse richtig ist.
(Universitätsklinikum Heidelberg, 11.07.2007 - NPO)
 
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