Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
G8-Gipfel mit ernüchternder Bilanz?
Ergebnisse schwere Belastung für die Weltklimakonferenz Ende 2007 auf Bali
Der NABU hat am 8. Juni 2007 nach Ende des G8-Gipfels unter deutschem Vorsitz eine ernüchternde Bilanz gezogen. "Angesichts der mageren Ergebnisse kann man nur konstatieren: außer Spesen fast nichts gewesen!", so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Alle notwendigen Entscheidungen zum Klimawandel seien verschoben worden, die angekündigte Hilfe für Afrika nicht über schon mehrfach gebrochene Versprechen hinausgekommen.

CO2-Emittent Kraftwerk
CO2-Emittent Kraftwerk
© BMU/H.G.Oed
Nach Einschätzung des NABU sind die G8-Ergebnisse beim Klimaschutz eine schwere Belastung für die Weltklimakonferenz Ende 2007 auf Bali. Dort werde es schwer, die Weichen für ein internationales Klimaschutzabkommen, unter dem Dach der Vereinten Nationen nach 2012 mit ambitionierten Zielen zu erreichen. Ohne Energieeinsparung, Senkung der Treibhausgas-Emissionen, Steigerung der Energieeffizienz, Erhöhung des Anteils regenerativer Energien, sei aber das Ziel einer Eindämmung der globalen Erwärmung auf zwei Grad Celsius nicht zu erreichen.

"Angesichts der wiederholten Weigerung der Schwellenländer, sich auf verbindliche CO2-Minderungsziele zu verpflichten, wird es auch auf Bali schwer, wirksame Reduktionsziele zu erzielen", so Tschimpke. Entsetzt zeigte sich der NABU über das im Abschlussdokument enthaltene Plädoyer für die Kernenergie. "Wer wie die USA unter dem Deckmantel des Klimaschutzes eine Renaissance der Kernenergie herbeiredet, hat immer noch nicht verstanden, dass diese Technologie keinen Beitrag zur Lösung der Probleme darstellt!", so der NABU-Präsident.

Milliardenprogramm für Afrika
Der NABU begrüßte, dass immerhin die Beschlüsse zum Erhalt der biologischen Vielfalt der Potsdam Initiative im Abschluss-Kommuniqué des G8-Gipfels verankert und ein Milliardenprogramm für Afrika beschlossen wurde. Dennoch hätten die Mehrzahl der Staats- und Regierungschefs den unlösbaren Zusammenhang zwischen Klimawandel, Schutz der biologischen Vielfalt und Armutsbekämpfung und die Notwendigkeit zum schnellen Handeln immer noch nicht verstanden.

"Mehr Hilfe für Afrika ist schon auf dem G8-Gipfel 2005 in Gleneagles vereinbart worden, und bereits 2002 in Johannesburg haben sich die Staaten zur Eindämmung des Artensterbens bis zum Jahr 2010 verpflichtet, doch wir vermissen immer noch die Umsetzung dieser hehren Ziele", sagte Tschimpke. Zudem würden die G8-Staaten zur Bekämpfung der Armut in Afrika immer noch auf Finanzhilfen für naturzerstörende Großprojekte und das Engagement ausländischer Großinvestoren setzen, statt naturverträgliche Projekte im ländlichen Raum zu unterstützen.

"Die G8 haben es erneut vermieden, die westlichen Agrarsubventionen, Zollschranken und Freihandelsabkommen anzusprechen. Gerade diese Regelungen verhindern aber, dass die armen Länder Afrikas echte Chancen für eine eigenständige Versorgung und Beteiligung an einem fairen Handel bekommen!", so Tschimpke.

"Wenn man bedenkt, welche Kosten dieser G8-Gipfel den Steuerzahlern aufbürdet, fällt die Kosten-Nutzen-Bilanz ebenfalls äußerst mager aus", so Tschimpke. Daher müsse für die Zukunft nicht nur die Frage der demokratischen Legitimation dieser Treffen, sondern auch ihre Durchführung überdacht werden. "Langfristig führt kein Weg daran vorbei, das teure `Schaulaufen´ der G8 konsequent durch demokratisch legitimierte Gremien der Vereinten Nationen zu ersetzen!", so der NABU-Präsident.

Greenpeace: Merkel kann noch Klimaschützerin werden
Auch für Greenpeace ist der G8-Gipfel weitgehend gescheitert. Der G8-Gipfel habe keine Aussage zur Begrenzung des Temperaturanstiegs gebracht. Es gebe keine Verständigung auf Emissions-Reduktionen der Industriestaaten und keinen Beschluss die Urwald-Abholzung zu stoppen. Der G8-Gipfel sollte zudem eine Verständigung auf klare Ziele bei der Reduktion von CO2-Emissionen erreichen und sei daran gescheitert. Um als Klimaschützerin zu gelten, müsse Merkel jetzt vorangehen. Für Deutschland heißt das laut Greenpeace: 40 Prozent CO2 bis 2020 einsparen. Dazu gehört auch, dass die Bundesregierung dieses Ziel nicht wie bislang von Verpflichtungen anderer Staaten abhängig macht.

"Vorreiterin ist man nur, wenn man nicht immer auf die Anderen wartet. Das gilt auch für Angela Merkel und ihren Wunsch. Auf die übrigen G8-Länder in Sachen Klimaschutz zu warten, heißt das Problem zu verkennen. Die G8 hat ihre Chance verpasst, zu zeigen, dass sie Verantwortung für den von ihr verschuldeten Klimawandel trägt", sagte Tobias Münchmeyer, Klima-Experte von Greenpeace.

Zu begrüßen ist laut Greenpeace einzig, dass US-Präsident George W. Bushs Initiative von vergangener Woche, die eine Beschädigung des UN-Prozesses zum Ziel hatte, abgewehrt worden ist. Im Schlüsselsatz des so genannten Klima-Durchbruchs heißt es: "(...) wir werden ernsthaft die Entscheidungen der Europäischen Union, Kanadas und Japans, die globalen Emissionen bis 2050 zu halbieren, in Betracht ziehen". "Das ist so, wie wenn's brennt und die Brandstifter sagen, dass sie 'ernsthaft erwägen werden', das Feuer zu löschen", sagt Münchmeyer.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
G8-Gipfel, Klimaschutz, Klimawandel, CO2, Emissionen, Treibhausgase, Energie, Strom
Weitere News zum Thema
G8-Klimaergebnis: Nur Fortschritt oder Durchbruch? (10.07.2009)
Erderwärmung soll bis zum Jahr 2050 auf zwei Grad Celsius begrenzt werden
G8-Staaten verfehlen Klimaziele (02.07.2009)
WWF: Klimapolitische Anstrengungen bisher nicht ausreichend
NABU: G8 im Atomfieber (11.07.2008)
Gipfel-Beschlüsse helfen im Kampf gegen den Klimawandel nicht weiter
G8: Industrieländer wollen CO2-Emissionen halbieren (09.07.2008)
Auch die USA stimmen Reduktionsvereinbarung bis 2050 zu
G8-Staaten zu langsam im Klima-Wettlauf (04.07.2008)
Studie: Klimapolitik reicht nicht aus, um globale Erwärmung einzuschränken
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
Streit ums Klima
Klimawandel unter Beschuss?
Klimakiller Methan
Landwirtschaft als Treibhausgas-Schleuder?
S.O.S. - Ist das Klima noch zu retten?
Klimakonferenz 2006: Zukunft Verhandlungssache
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Bevölkerungsexplosion
Wie viele Menschen kann die Erde noch tragen?
Entwicklungsländer
Gibt es Wege aus dem Labyrinth der Armut?
Rückkehr der Seuchen
Der Krieg gegen die Mikroben geht weiter
AIDS
Auf der Suche nach der Wunderwaffe
News des Tages
Embryonale Stammzellen aus Hautzellen erzeugt
Ötzi starb an Arterienverletzung
Kosmische Kicks verhelfen Schwarzen Löchern zur Flucht
Blattlausspeichel sabotiert pflanzliche Abwehr
G8-Gipfel mit ernüchternder Bilanz?
Klimastress durch Kernkraftwerk
Gehirnaktivität spiegelt Schmerzempfinden wider
Bücher zum Thema
Atmosphäre im Wandel
Die empfindliche Lufthülle unseres Planeten von Thomas E. Graedel, Paul J. Crutzen
Wetter & Klima
Das Spiel der Elemente - Atmosphärische Prozesse verstehen und deuten von Dieter Walch und Harald Frater
Eine unbequeme Wahrheit
von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer
Wetterkatastro- phen und Klimawandel
Sind wir noch zu retten? von Hartmut Grassl u. a.
Der Klimawandel
von Stefan Rahmstorf und Hans J. Schellnhuber
Wir Wettermacher
von Tim Flannery
Atmosphäre im Wandel
Die empfindliche Lufthülle unseres Planeten von Thomas E. Graedel, Paul J. Crutzen
Viren
Grundlagen, Krankheiten, Therapien von Susanne Modrow
Viren. Die heimlichen Herrscher
Wie Grippe, Aids und Hepatitis unsere Welt bedrohen von Ernst-Ludwig Winnacker
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes