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Samstag, 21.01.2017
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Auch Menschen bilden Schwärme

Weltweit größtes Experiment in Köln geglückt

Knapp 300 Personen haben am letzten Wochenende am weltweit größten Schwarmexperiment mit Menschen in Köln teilgenommen. Das Experiment glückte: Beobachtungen der Biologen Jens Krause und John Dyer von der Universität Leeds, die sie zuvor mit Fischschwärmen gemacht hatten, zeigten sich auch bei den Schwarmexperimenten mit Männern und Frauen im Alter von 18 bis 70 Jahren.
Fischschwarm

Fischschwarm

In einem der neun Testläufe hatten 20 Personen die Aufgabe, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Das Besondere: Keiner der 20 wusste, dass sie alle das gleiche Ziel hatten. Sie konnten sich auch nicht untereinander auf eine Richtung einigen, da verbale und nonverbale Kommunikation untersagt war. Die anderen 180 Personen hatten nur die Aufgabe, in Bewegung bleiben. "Ein Ergebnis war, dass es bei 200 Menschen diese 20 Individuen schafften, den ganzen Schwarm innerhalb von einer Minute an das Ziel zu bringen. Dabei wusste von den anderen 180 niemand, dass es überhaupt ein Ziel gibt", sagte Quarks & Co-Autorin Ismeni Walter. Für die WDR-Sendung war das Experiment durchgeführt worden.

Die Schwarmforscher Krause und Dyer sind seit Jahren den Gesetzen des Schwarms auf der Spur und richten ihre Forschungen an folgenden Fragen aus: Was hält den Schwarm zusammen? Wie schafft er es, schnell Entscheidungen zu treffen, ohne dass eine Führungsinstanz Anweisungen gibt? Und wie kommt der Schwarm ans Ziel, selbst wenn die meisten Individuen nicht wissen, wo es lang geht? Am Computer haben die Forscher berechnet, dass es theoretisch genügen müsste, wenn jeder im Schwarm ein paar simple Regeln befolgt.

Zur Überprüfung ihrer Ergebnisse suchte deshalb die Quarks & Co-Redaktion in einem Aufruf hunderte Freiwillige, die nun am Sonntag in einer Halle der Messe Köln erfolgreich das Schwarmverhalten simulierten. Auch Bestsellerautor Frank Schätzing ("Der Schwarm") erschien zu dem Experiment. Quarks & Co-Moderator Ranga Yogeshwar moderierte die mehrstündige Experimentreihe.


Im Schwarm sind alle gleich


Und es zeigte sich: Innerhalb eines Schwarms sind alle gleich: Es gibt keine Hierarchie, kein Leittier, dem alle folgen. Trotzdem agiert ein Schwarm wie ein einzelnes großes Lebewesen. Noch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts glaubten Wissenschaftler, dass sich die Tiere per Gedankenübertragung verständigen. Doch das Schwarmverhalten hat nichts mit übersinnlichen Kräften zu tun. So verfügen beispielsweise die meisten Fische über ein hochempfindliches Seitenlinienorgan, mit dem sie ihre Bewegungen blitzschnell synchronisieren können.

Das Kölner Experiment verdeutlichte nun, dass es bei den Richtungsentscheidungen eines Schwarms darauf ankommt, dass alle in Bewegung bleiben und gleiche Abstände zueinander einhalten. Nur sehr wenige Individuen sind dann dafür notwendig, um die Richtung eines Schwarms zu bestimmen. "Vom Grundprinzip her ist ein Schwarm hochdemokratisch", erklärte Quarks & Co-Autorin Walter.

Die Ergebnisse des Experiments werden in der Quarks & Co-Sendung am 10. April 2007, 21.00 - 21.45 Uhr, im WDR Fernsehen zu sehen sein.
(WDR, 15.03.2007 - DLO)
 
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