• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 24.03.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Pflanzeneiweiß als Virenschleuser

Pflanzenproteine transportieren "sperrige Güter" von Zelle zu Zelle

Viren befallen nicht nur Menschen, sondern auch Tomaten, Kartoffeln, Salat oder Äpfel. Sie stören die Lebensfunktionen der befallenen Pflanzen und führen häufig zu gravierenden Ernteausfällen. Um sich zu vermehren und auszubreiten, nutzen die Viren die Infrastruktur der Wirtspflanzen aus. Ein deutsch-russisches Wissenschaftlerteam hat nun eine neue Familie von Pflanzeneiweißen entdeckt, die maßgeblich an der Ausbreitung der Viren in den Pflanzen beteiligt sind.
Das neu entdeckte At-4/1 genannte Protein ist offenbar für den Transport "sperriger Güter" von einer Zelle in die Nachbarzelle verantwortlich. Anders als für Stoffe geringerer Molekülgröße erfolgt der Transport etwa von Proteinen über spezielle Kanäle der Zellwand, die Plasmodesmen. Diese dünnen, von einer Membran umgebenen Plasmastränge schaffen durch die Zellwand einer Pflanzenzelle eine Verbindung zur Nachbarzelle. Auch Pflanzenviren sind für Zellmaßstäbe große Gebilde. Um sich in der Pflanze auszubreiten, sind sie daher ebenfalls auf diese "Grenzstationen" der Zellwand angewiesen.

Von Pflanzenvirus befallener Weizen (rechts)

Von Pflanzenvirus befallener Weizen (rechts)

Protein erleichtert „Grenzübertritt


Genau hier kommen die neu beschriebenen Transportproteine der Pflanze ins Spiel. "Die Lokalisation des At-4/1 in der Zelle ist hochinteressant. Wir konnten nachweisen, dass es sich zu beiden Seiten der Zellmembran an den Öffnungen der Plasmodesmen anordnet und dort Zwillingsstrukturen ausbildet", erklärt Joachim Schiemann von der Biologischen Bundesanstalt.

Weitere Experimente zeigten, dass sich das pflanzliche Protein mit speziellen Transporteiweißen von Pflanzenviren verbindet. Diese Ergebnisse legen nahe, dass At-4/1 nicht nur eigene "pflanzliche Güter" durch die Plasmodesmen transportieren hilft, sondern auch Viren den Grenzübertritt ermöglicht.


Schlüssel zur Bekämpfung der Virenausbreitung


"Die Entdeckung der neuen Proteinfamilie hilft uns, die innerpflanzlichen Transportprozesse von Makromolekülen besser zu verstehen", so Dr. Schiemann. Dabei sei At-4/1 nur eine Frucht der langjährigen Forschungskooperationen mit den russischen Kollegen, betont der Wissenschaftler aus der BBA. Generell geht es ihm und seinen Partnern darum, die Wechselwirkungen zwischen Wirtspflanze und Pflanzenvirus auf molekularer Ebene zu verstehen. Das Wissen über die beteiligten Proteine liefert letztlich den Schlüssel, um die Ausbreitung der Pflanzenviren zu stoppen oder die Infektion zu verhindern und somit unsere Kulturpflanzen gesund zu erhalten.

Entdeckt wurde das neue Transportprotein in der Pflanze Arabidopsis thaliana, dem "unscheinbaren Haustier" der Pflanzengenetiker und -physiologen. Das Wissenschaftlerteam hat jedoch Gene, die für Mitglieder der neuen Proteinfamilie codieren, in anderen Pflanzen gefunden, z. B. im Tabak. Ein nächster Schritt ist es herauszufinden, mit welchen anderen pflanzlichen Komponenten, vorzugsweise mit welchen anderen Proteinen der Zellwand, das neue entdeckte Protein At-4/1 in Arabidopsis bzw. analoge Proteine in anderen Pflanzen interagieren.

Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), der Universität Moskau, der Wissenschaftsakademie Russlands sowie der Universität Rostock kürzlich in der Fachzeitschrift "Molecular Plant- Microbe Interactions" veröffentlicht.
(Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, 29.11.2006 - NPO)
 
Printer IconShare Icon