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Mittwoch, 26.07.2017
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Wie wir suchen und finden

Gehirn nutzt Merkmal als Suchhilfe

Es ist erstaunlich: Einen bestimmten Gegenstand in einer Masse von Dingen schnell zu finden, ist meist kein Problem. Welche Tricks unser Gehirn beim Suchen anwendet, haben jetzt Neurowissenschaftler aufgeklärt. Der Trick: Unser Gehirn konzentriert sich zunächst auf ein bestimmtes Merkmal des gesuchten Gegenstandes und voraktiviert die Hirnregionen, die dieses Merkmal verarbeiten.
Beachtung bestimmter Reize bewirkt spezifische Hirnaktivität im Hinterkopf.

Beachtung bestimmter Reize bewirkt spezifische Hirnaktivität im Hinterkopf.

Schon lange existieren verschiedenste Theorien darüber, wie es Menschen gelingt, in einer Welt voll von Objekten, ganz bestimmte Dinge zu suchen und auch zu finden. Denn so einfach ist das nicht. Würde man jeden Gegenstand einzeln nacheinander betrachten, bräuchte man beispielsweise Stunden, um in der unordentlichen Wohnung seine rote Mütze wieder zu finden. Leipziger Wissenschaftler bestätigen jetzt eine andere Vorgehensweise: die parallele Suche.

„Leitmerkmal“ als Suchhilfe


"Dabei bedient sich das Gehirn eines Tricks", so Matthias Müller, Professor für Psychologie an der Universität Leipzig. "Es ruft sich Merkmale des Gegenstandes ins Gedächtnis und sucht dann gleichzeitig alle Gegenstände gezielt danach ab."So findet man seine rote Mütze im Chaos nur deshalb, weil man zunächst, mehr oder weniger unterbewusst, nur auf das Merkmal 'rot' achtet.“

Was genau bei dieser parallelen Suche im menschlichen Gehirn abläuft, konnten die Wissenschaftler jetzt erstmals in einer EEG-Studie zeigen: "Sobald sich die Versuchsperson im Experiment nur auf die roten Punkte auf einem Bildschirm konzentrieren sollte, erhöhte sich die Aktivierung der Hirnregionen - in der Sehrinde im Hinterkopf - die das Merkmal 'rot' verarbeiten. Interessanterweise war dabei auch das Hirnareal erregter, das einkommende Sehinformationen als erstes analysiert: die so genannte primäre Sehrinde.“


Gehirn erzeugt Netzwerk


„Unser Gehirn aktiviert also die Bereiche stärker, die für die Verarbeitung des gesuchten Merkmals zuständig sind und meldet es dann der primären Sehrinde. "Damit entsteht ein Netzwerk.", so Müller "Es bewirkt, dass schon die primäre Sehrinde wie ein Filter funktioniert und nur das Merkmal ('rot') hervorhebt, was wir suchen. Der Rest (z.B. 'blau') wird sozusagen ausgeblendet. Dadurch finden wir schneller was wir suchen." In unserer unaufgeräumten Wohnung fallen uns also zunächst nur alle roten Dinge ins Auge. Zwischen einem roten Pullover, einer roten Dose und einem Buch mit rotem Einband ist unsere rote Mütze dann schnell entdeckt.

Veröffentlicht wurden die Erkenntnisse zur visuellen Suche beim Menschen, die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Neurowissenschaften in Havanna/ Cuba und der Universität San Diego/ Kalifornien entstanden, nun in der Fachzeitschrift PNAS.
(Universität Leipzig, 27.09.2006 - NPO)
 
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