• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 23.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Expeditionen zu den Wurzeln der Menschen

Interaktive Weltkarte erlaubt Einblicke in die Evolution der Menschheit

Was haben die afrikanischen Savannen, der undurchdringliche Dschungel Südostasiens oder die bizarren Kalksteinhöhlen Chinas gemeinsam? Sie alle waren die Heimat der frühen Menschen, auch Hominiden genannt. Nun bietet ein neues Lernmodul im Internet die Gelegenheit, all jene geheimnisvollen Orte zu besuchen. Die „Expeditionen zu den Wurzeln der Menschen“ präsentiert die Fossilienfunde zur Evolution der Menschheit in Form einer interaktiven Weltkarte inklusive Zeitleiste, Skizzen und Fotos.
Interaktive Weltkarte

Interaktive Weltkarte

„Der Zugriff auf die Daten und Erläuterungen, die sich in dem Lernmodul verbergen, erfolgt über eine Weltkarte, die mit einer Zeitleiste versehen ist“, erklärt Christine Hertler vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Universität Frankfurt am Main. Sie hat die interaktive Karte zusammen mit Professor Friedemann Schrenk und Ulrike Anders entworfen. „Wählt man an der Zeitleiste einen bestimmten Abschnitt aus, dann werden auf der Karte die Fundstellen eingeblendet, an denen im gewählten Zeitabschnitt Hominiden-Funde gemacht wurden“, beschreibt Hertler die grundlegenden Funktionen. Auf Wunsch lassen sich dann ausführliche Steckbriefe über unsere Vorfahren einschließlich der Skizzen und Fotos wichtiger Fossilien aufrufen.

Weit verzweigter Hominiden-Busch


Doch die Weltkarte bietet mehr als nur die reine Aufzählung der rund einhundert Fundorte. Vielmehr bietet sie eine einmalige Vernetzung aller Urahnen des Menschen und erzählt die Geschichte in ihrer ganzen Vielfalt und Bandbreite. „So lebten vor 2,5 Millionen Jahren in Afrika nicht weniger als sechs verschiedene Hominiden-Arten gleichzeitig, darunter grazile Australopithecinen, Angehörige der Gattung Paranthropus sowie frühe Vertreter der Gattung Homo“, erklärt Hertler die Vielfalt der damaligen Frühmenschen. Auf der Weltkarte wird so hinter der sonst so linear erscheinenden Entwicklung ein weit verzweigter Hominiden-Stammbaum mit unterschiedlichsten Repräsentanten erkennbar.

„Besonders spannend ist zu beobachten, wie sich die Ausbreitung des Menschen und ihrer Vorläufer aus Afrika nach Eurasien und in den Rest der Welt vollzogen hat“, so Hertler. Die erste Ausbreitungswelle fand vor etwa 1,8 Millionen Jahren statt: Angehörige der Art Homo erectus, der typischen pleistozänen Menschenart, verließen erstmals ihre afrikanische Heimat und besiedelten Eurasien. Zwar gelangten diese frühen Menschen offenbar rasch bis nach Ostasien; weiter reichte ihr Verbreitungsgebiet zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht.


Europa kam ganz zum Schluss


Steckbrief Australopithecus

Steckbrief Australopithecus

Erst vor weniger als 100.000 Jahren erreichte schließlich der anatomisch moderne Mensch, Homo sapiens, Australien und Amerika. „Europa hingegen, am entfernten westlichen Rand der riesigen Landmasse Eurasiens gelegen, wurde während des ersten größeren Expansionsvorgangs nur verzögert von Menschen besiedelt“, schränkt Hertler die Bedeutung unseres Kontinents für die Entwicklung der Menschheit ein. So gibt es denn aus Europa auch keine unstrittigen Hominiden-Funde mit einem Alter von mehr als einer Million Jahren.

Die „Expeditionen zu den Wurzeln der Menschen“ eignen sich sowohl für den Einsatz in der Ausbildung zukünftiger Paläoanthropologinnen und Paläoanthropologen, als auch für Forschungsreisen vom heimischen Schreibtisch aus“, beschreibt Hertler die Verwendungsmöglichkeiten. Denn um Zugriff auf alle Fundstellen zu erhalten, müssen Spezialaufgaben gelöst werden. „Auf diese Weise wird der Abenteuergeist geweckt, den sicherlich auch viele Forscher bei ihren Reisen zu den Fundstätten in fernen Ländern verspürt haben dürften“, schmunzelt Hertler.
(Christine Hertler, Universität Frankfurt, 15.09.2006 - Eiszeiten)
 
Printer IconShare Icon