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Donnerstag, 15.11.2018
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Gefälschte Qumran-Fragmente

Fünf in Washington ausgestellte Schriftrollen-Fragmente erweisen sich als Fälschungen

Von wegen biblisches Alter: Fünf vermeintlich von den Schriftrollen vom Toten Meer stammende Fragmente haben sich jetzt als Fälschungen erwiesen. Die angeblich 2.000 Jahre alten Fundstücke mit Bibelzitaten waren im Museum of the Bible in Washington DC ausgestellt, hatten jedoch wegen einiger Merkmale Zweifel an ihrer Authentizität geweckt. Eine überprüfende Analyse an der deutschen Bundesanstalt für Materialforschung bestätigt diesen Verdacht nun.
Dieses in Washington ausgestellte Fragment soll von einer der Schriftrollen vom Toten Meer stammen. Doch neuen Analysen wecken Zweifel daran.

Dieses in Washington ausgestellte Fragment soll von einer der Schriftrollen vom Toten Meer stammen. Doch neuen Analysen wecken Zweifel daran.

Sie gelten bis heute als einzigartige Zeugnisse des jüdischen Glaubenslebens zur Zeit der Urchristen: die Schriftrollen vom Toten Meer. Entdeckt wurden die Schriftrollen aus Pergament und Papyrus vor rund 70 Jahren in mehreren Höhlen nahe Khirbet Qumran. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Rollen und Fragmente aus der Zeit von 250 vor bis 50 nach Christus stammten. Sie enthielten Texte aus dem Alten Testament und Kommentare dazu.

Die meisten fragilen Qumran-Fragmente werden heute in einem eigenen Museum und Forschungszentrum in Israel aufbewahrt und mit modernsten Methoden untersucht. Bis heute finden Wissenschaftler dabei bisher unentdeckte Textpassagen. Doch es gibt auch Fragmente, die noch in den 1950er Jahren von lokalen Händlern an sich genommen und an private Sammlungen verkauft worden waren – heute wäre dies illegal.

Auffälligkeiten im Schriftbild


Aus dieser Quelle stammen auch die 16 Fragmente von biblischen Qumran-Schriftrollen, die seit 2017 im Museum of the Bible in Washington DC ausgestellt sind. Bereits damals äußerten jedoch Forscher den Verdacht, dass zumindest ein Teil dieser Fragmente Fälschungen sein könnten. Als Indizien dafür galten unter anderem die Form der Schriftzeichen und Zeilen, aber auch inhaltliche Aspekte.


"Meine Untersuchungen haben sich primär auf zwei Aspekte der Fragmente in diesem Museum konzentriert: die Qualität und Technik der Schrift und die physikalische Zusammensetzung und der Zustand des Mediums, auf dem sie geschrieben ist", erklärt der Historiker Kipp Davis von Trinity Western University in Canada. Er hatte die Fragmente im Auftrag des Museums untersucht – und kam zu dem Ergebnis, dass mindestens sieben der Fragmente höchstwahrscheinlich moderne Fälschungen sind.

"Mit antikem Ursprung unvereinbar"


Um diesen Verdacht zu überprüfen, hat das Museum letztes Jahr fünf der vermeintlichen Qumran-Fragmente zur näheren Untersuchung nach Deutschland geschickt: Experten an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin unterzogen die Schriftrollen-Stückchen und ihre Tinte einer ganzen Batterie von Tests, darunter der Röntgenfluoreszenz-Analyse, der Röntgenspektroskopie und der digitalen Mikroskopie.

Jetzt ist das Ergebnis da - und bestätigt den Verdacht: Die Analysen ergaben, dass die vermeintlichen Fragmente der Qumran-Schriftrollen wohl keine 2.000 Jahre alt sind. "Die fünf Fragmente zeigen Merkmale, die mit einem antiken Ursprung unvereinbar sind", teilt das Museum mit. Demnach handelt es sich wohl tatsächlich um moderne Fälschungen. "Wir hatten auf ein anderes Ergebnis der Tests gehofft", gibt Kurator Jeffrey Kloha zu.


Das Museum wird die fünf Fragmente nun nicht länger in seiner Ausstellung zeigen. Stattdessen werden drei andere Schriftrollen-Fragmente präsentiert, deren Authentizität jedoch ebenfalls ungesichert ist. Ein erklärender Text in dem Schaukasten weist die Besucher darauf hin. "Wir sehen dies auch als eine Chance, die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, die Authentizität seltener biblischer Artefakte zu verifizieren", sagt Kloha. Gleichzeitig sollen nun weitere Untersuchungen auch die restlichen Fragmente im Sammlungsbestand überprüfen.
(Museum of the Bible, 23.10.2018 - NPO)
 
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