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Freitag, 21.09.2018
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Neandertaler waren doch Feuermacher

Nutzungspuren auf Faustkeilen belegen Beherrschung des "Steinzeit-Feuerzeugs"

Von wegen rückständig: Entgegen bisherigen Annahmen beherrschten schon die Neandertaler das Feuermachen. Sie nutzten ihre Faustkeile als Steinzeit-Feuerzeug, wie Analysen von 50.000 Jahren alten Steinwerkzeugen enthüllen. Forscher haben darauf Nutzungsspuren gefunden, die nur beim Feuerschlagen entstehen, wie sie im Fachmagazin "Scientific Reports" berichten. Unsere eiszeitlichen Vettern standen demnach auch in dieser Technologie unseren Vorfahren in nichts nach.
Feuerschlagen mit Feuerstein und Stahl. Unsere Vorfahren nutzten statt Stahl das eisenhaltige Mineral Pyrit.

Feuerschlagen mit Feuerstein und Stahl. Unsere Vorfahren nutzten statt Stahl das eisenhaltige Mineral Pyrit.

Schon vor mehr als 700.000 Jahren, vielleicht sogar schon vor einer Million Jahren könnten Frühmenschen das Feuer natürlicher Brände für ihre Zwecke genutzt haben. Archäologische Funde belegen zudem, dass die Neandertaler schon vor 170.000 Jahren Holzwerkzeuge im Feuer härteten.

Bloße Nutznießer?


Doch unsere eiszeitlichen Vettern galten bisher als bloße Nutznießer natürlicher Feuer – das gezielte Feuermachen traute man ihnen noch nicht zu. "Sie könnten brennende Äste mitgenommen haben, um dann an ihren Lagerplätzen ihre eigenen Feuer zu entzünden", erklärt Erstautor Andrew Sorensen von der Universität Leiden. "Diese Feuer hielten sie dann möglichst lange am Leben und nahmen vermutlich auch die Glut mit, wenn sie umherwanderten."

Das Feuerschlagen jedoch brachte nach gängiger Theorie erst der Homo sapiens nach Europa mit. Bei dieser Technik schlägt man ein Stück Feuerstein gegen ein Stück des eisenhaltigen Minerals Pyrit – quasi den Vorläufer des späteren Stahls. Dies erzeugt einen Funkenregen, der den bereitgelegten Zunder zum Glühen bringt.


Verräterische Spuren


Jetzt jedoch zeigt sich, dass die Neandertaler doch schon solche "Steinzeit-Feuerzeuge" genutzt haben könnten. Indizien dafür haben Sorensen und seine Kollegen bei Untersuchungen von knapp 30 Faustkeilen der Neandertaler aus Frankreich und den Niederlanden gefunden. Mittels mikroskopischer Verfahren hatten sie die winzigen Nutzungspuren auf den Flächen der Faustkeile analysiert.

Neandertaler-Faustkeil mit Nutzungsspuren vom Feuerschlagen

Neandertaler-Faustkeil mit Nutzungsspuren vom Feuerschlagen

Das Ergebnis: "Man sieht C-förmige Schlagspuren, aber auch parallele Katzer im Längsrichtung der Faustkeile und Reste von Mineralienabrieb auf der Oberfläche", berichtet Sorensen. Doch könnten diese Spuren vom Feuerschlagen stammen? Um das herauszufinden, versuchten sich die Forscher selbst im Feuerschlagen – mit nachgebauten Feuerstein-Faustkeilen und Pyritstücken. Zusätzlich nutzten sie die Steinwerkzeuge aber auch für andere typische Tätigkeiten wie das Schlagen, Schneiden oder Reiben. Anschließend unterzogen sie auch diese Faustkeile einer mikroskopischen Analyse.

Indiz fürs Feuermachen


Das Ergebnis: Nur das das Feuerschlagen erzeugte die gleichen Schlag- und Kratzmuster wie auf den archäologischen Steinwerkzeugen. "Der Faustkeil war das Schweizer Taschenmesser der Neandertaler: Sie nutzten ihn für alles", erklärt Sorensen. "Aber nur das Feuermachen mit Pyrit hätte genau dieses Muster von Nutzungsspuren hinterlassen."


Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass auch die späten Neandertaler vor rund 50.000 Jahren bereits das Feuerschlagen beherrschten. Entgegen bisherigen Annahmen waren unsere eiszeitlichen Vettern demnach mehr als nur Nutznießer natürlicher Feuer. Wie unsere Vorfahren auch konnten sie selbst Feuer machen, wann immer sie es benötigten.

"Diese Fähigkeit des Feuermachens verlieh den Neandertalern eine viel größere Flexibilität in ihrem Leben", sagt Sorensen. "Dies gibt uns auch neue Einblicke in die kognitiven Fähigkeiten der Neandertaler. Denn es zeigt, dass sie bereits ähnliche technische Fähigkeiten besaßen wie die anatomisch modernen Menschen – selbst, wenn sie sich manchmal anders verhielten." (Scientific Reports, 2018; doi: 10.1038/s41598-018-28342-9)
(Leiden University, 20.07.2018 - NPO)
 
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