• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 16.07.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Das sind Europas letzte Urwälder

Karte zeigt noch weitestgehend unberührte Waldflächen des Kontinents

Es gibt sie noch: Forscher haben die letzten weitestgehend unberührten Waldgebiete unseres Kontinents gesucht. Ihre neu veröffentlichte Karte zeigt, wo es in Europa noch solche Urwälder gibt. Demnach verdienen immerhin 1,4 Millionen Hektar Wald dieses Prädikat. Im Verhältnis zur Fläche des Gesamtwaldes machen die Urwälder allerdings nur einen geringen Teil aus - und selbst diese letzten Refugien sind mittlerweile bedroht.
Rund ein Drittel Europas ist mit Wald bedeckt - Urwälder machen nur einen geringen Teil davon aus.

Rund ein Drittel Europas ist mit Wald bedeckt - Urwälder machen nur einen geringen Teil davon aus.

Ob in den Tropen, in gemäßigten Breiten und sogar bis in den hohen Norden: Bäume gibt es fast überall auf der Erde. Satellitenbilder zeigen eindrücklich, dass unser Planet nicht nur ein blauer, sondern auch ein grüner Planet mit vielen ausgedehnten Waldflächen ist. Auch bei uns in Europa ist immerhin ein Drittel der Fläche mit Wald bedeckt.

Dennoch ist heute kaum vorstellbar, dass es über den gesamten Kontinent verteilt einmal einen riesigen Urwald gegeben hat. Durch menschliche Aktivitäten ist in den vergangenen Jahrhunderten ein Großteil der Wälder verloren gegangen - und auch die noch bestehenden Baumansammlungen sind oft deutlich durch den Einfluss des Menschen geprägt.

Die Karte zeigt die letzten Urwälder in Europa.

Die Karte zeigt die letzten Urwälder in Europa.

Weitestgehend unberührt


An wenigen Stellen gibt es sie in Europa trotzdem noch: echte Urwälder. Wo sie liegen und wie groß sie sind, hat nun ein Forscherteam um Francesco Sabatini von der Humboldt-Universität Berlin untersucht. Dafür werteten sie eine Vielzahl von Datensätzen aus. Das Resultat ihrer Arbeit ist die erste Karte der letzten Urwälder unseres Kontinents.


Sie zeigt: 1,4 Millionen Hektar solcher Wälder sind heute noch zu finden, in insgesamt 34 Ländern. "Dass diese Wälder niemals von Menschen betreten wurden, ist in Europa wohl kaum vorstellbar", sagt Sabatini. "Es handelt sich vielmehr um Wälder, in denen der menschliche Einfluss sehr gering ist, in denen ökologische Prozesse also noch weitestgehend natürlich ablaufen."

Hoher Wert für den Naturschutz


Die Fläche, die diese Wälder noch einnehmen, mag auf den ersten Blick groß klingen. Im Vergleich zur Gesamtwaldfläche machen sie jedoch nur einen geringen Teil aus. Zudem offenbaren die Ergebnisse, dass die europäischen Urwälder lediglich noch in entlegenen Regionen zu finden sind und einzeln betrachtet jeweils relativ klein sind.

Trotzdem haben diese Refugien einen außerordentlichen Wert für den Naturschutz, wie Sabatinis Kollege Tobias Kümmerle erklärt: "Weitestgehend unberührte Wälder sind die letzten Orte, wo viele vom Aussterben bedrohte Arten noch vorkommen." Zudem seien solche Wälder auch wichtig, um den menschlichen Einfluss auf das Ökosystem Wald besser zu verstehen.


Gefahr durch illegale Einschläge


89 Prozent der nun identifizierten Wälder liegen in Schutzgebieten. Doch sie sind trotzdem bedroht: "Viele Wälder von hohem Naturschutzwert in den Karpaten Rumäniens oder auch auf dem Balkan werden momentan abgeholzt. Der Bedarf an Bioenergie hat stark zugenommen, gleichzeitig gibt es auch viele illegale Einschläge und beides führt zur Zerstörung dieses unersetzlichen Naturerbes - oft ohne das Wissen darum, dass es sich um Urwälder handelt", sagt Mitautor Miroslav Svoboda von der University of Life Science in Prague.

Die neu entwickelte Karte soll den Forschern zufolge künftig zum Schutz der letzten Urwälder beitragen. Zudem liefert sie wertvolle Hinweise darauf, wo bisher noch nicht entdeckte Urwaldreste zu finden sein könnten. (Diversity & Distributions, 2018; doi: 10.1111/ddi.12778)
(Humboldt-Universität zu Berlin, 28.05.2018 - DAL)
 
Printer IconShare Icon