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Freitag, 21.09.2018
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Pferde erinnern sich an unsere Mimik

Huftiere verstehen menschliche Gesichtsausdrücke - und prägen sie sich ein

Gedächtnis für Emotionen: Pferde können nicht nur erkennen, ob wir sie freundlich oder böse anschauen - sie prägen sich solche Erlebnisse auch ein. Das belegt nun erstmals ein Experiment britischer Forscher. Demnach reagieren die Tiere spürbar negativ auf eine Person, wenn sie diese zuvor mit grimmiger Mimik auf einem Foto gesehen haben. Dank dieser Fähigkeit könnten die Tiere im Alltag zum Beispiel Begegnungen mit potenziell aggressiven Individuen aus dem Weg gehen, wie das Team berichtet.
Pferde erinnern sich an unsere Mimik - und reagieren bei einer späteren Begegnung dementsprechend.

Pferde erinnern sich an unsere Mimik - und reagieren bei einer späteren Begegnung dementsprechend.

Pferde begleiten uns Menschen nun schon seit mindestens 5.000 Jahren. Damals entdeckten unsere Vorfahren die galoppierenden Vierbeiner für sich und domestizierten sie - der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Ob als Transportmittel, Arbeits- und Sporttier oder als tierischer Freund: Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist im Laufe unserer gemeinsamen Geschichte immer enger geworden.

Das zeigt sich auch daran, dass die Tiere uns inzwischen perfekt verstehen. So lernen sie nicht nur schnell, die Hilfen ihres Reiters zu deuten. Studien legen zudem nahe, dass Pferde auch in der Lage sind, gezielt mit ihren menschlichen Besitzern zu kommunizieren und sogar die emotionale Bedeutung unserer Mimik zu verstehen.

Auge in Auge: Pferde können Gesichtsausdrücke sehr genau deuten.

Auge in Auge: Pferde können Gesichtsausdrücke sehr genau deuten.

Fotostunde prägt Begegnung


Leanne Proops von der University of Portsmouth und ihre Kollegen haben nun herausgefunden, dass diese erstaunliche Fähigkeit noch weiter reicht. Demnach verstehen Pferde unseren Gesichtsausdruck nicht nur - sie prägen ihn sich auch ein. Für ihre Experimente zeigten die Verhaltensbiologen 48 Pferden unterschiedlicher Rassen zunächst ein Foto einer lächelnden oder einer böse dreinblickenden Person.


Einige Stunden später begegneten die Pferde entweder dem auf dem Foto abgebildeten oder einem völlig fremden Menschen - diesmal mit neutralem Gesichtsausdruck. Wie würden sich die Tiere verhalten? Es zeigte sich: Die Pferde reagierten spürbar anders, wenn sie die Person zuvor mit bösem Gesichtsausdruck gesehen hatten. Sie bewegten ihren Kopf, um das Gegenüber mit ihrem linken Auge zu mustern - ein deutliches Zeichen dafür, dass sie die Person negativ wahrnahmen.

Gedächtnis für Emotionen


Denn ähnlich wie Hunde neigen Pferde dazu, negative, potenziell bedrohliche Reize verstärkt mit ihrem linken Auge zu beobachten. Wie die Forscher berichten, gelangt die darüber aufgenommene Information direkt in die rechte Hirnhälfte, die auf die Verarbeitung solcher Reize spezialisiert ist. Diese Reaktion zeigten die Tiere bei zuvor als freundlich wahrgenommenen Personen nicht.

Ebenso wenig schienen sie negative Emotionen auf fremde Menschen zu übertragen. Das Foto eines bösen Gesichts hatte keinen Einfluss, wenn die Pferde später einer anderen Person als der auf dem Bild begegneten. Damit ist klar: "Pferde können menschliche Gesichtsausdrücke nicht nur lesen, sie erinnern sich später auch an den früheren Gemütszustand eines Individuums - und passen ihr Verhalten daran an", resümiert Mitautorin Karen McComb von der University of Sussex. "Im Wesentlichen bedeutet das, dass Pferde ein Gedächtnis für Emotionen haben."


Soziale Kompetenz


Dass Pferde über soziale Intelligenz verfügen, ist nichts Neues. Doch diese spezielle Fähigkeit war von den Tieren bisher nicht bekannt, wie das Team betont. "Das Eindrückliche ist, dass die Tiere ihr Verhalten auf Grundlage eines nur kurz gesehenen Fotos anpassten. Sie hatten kein starkes positives oder negatives Erlebnis mit der Person gehabt", sagt Proops.

Sich an emotionale Eindrücke von bestimmten Individuen erinnern zu können, kann für die Tiere im Alltag nützlich sein. Zum Beispiel hilft es ihnen womöglich dabei, soziale Bindungen aufrechtzuerhalten oder aber auch aggressive Auseinandersetzungen zu vermeiden - sei es in Situationen mit Artgenossen oder mit dem Menschen. (Current Biology, 2018; doi: 10.1016/j.cub.2018.03.035)
(University of Sussex, 30.04.2018 - DAL)
 
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