• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 25.09.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Depression der Mutter hemmt Kindesentwicklung

Kinder von depressiven Müttern haben ein geringeres Sprachniveau

Depressionen schlagen Wellen: Die Depression einer Mutter kann die Entwicklung ihres Kindes beeinträchtigen. In einer Langzeitstudie haben Forscher entdeckt, dass Kinder von erkrankten Müttern eine gehemmte Sprachentwicklung und ein kleineres Vokabular besitzen. Die mütterlichen Depressionen entstanden häufig direkt nach der Geburt und könnten sich auch auf andere Lebensbereiche des Kindes auswirken, wie die Autoren berichten.
Die Depression der Mutter kann die Sprachentwicklung ihres Kindes verzögern.

Die Depression der Mutter kann die Sprachentwicklung ihres Kindes verzögern.

Antriebslosigkeit, Energiemangel, Schlaflosigkeit – und das über Wochen. Eine Depression ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die dramatische Folgen für das Leben der Betroffenen haben kann. Allein in den USA entwickelt etwa jede zehnte Frau eine Depression. Ein Grund dafür kann die Geburt eines Kindes sein: So kann sich ein anfängliches Stimmungstief in eine postnatale Depression entwickeln. Ohne Behandlung führt dies wiederum womöglich zu einem chronischen Leiden. Doch welche Auswirkungen hat die Erkrankung der Mutter auf ihr Kind?

Langzeitstudie der Kindesentwicklung


Um den Effekt auf den Nachwuchs zu untersuchen, haben Patricia East von der University of California in San Diego und ihre Kollegen die Entwicklung von 900 Kindern mit depressiven oder gesunden Müttern über 16 Jahre hinweg verfolgt. Im Abstand von fünf Jahren analysierten die Forscher, wie liebevoll und empfänglich die Mütter mit ihren Kindern umgingen und wieviel Lernmaterial sie ihnen zur Verfügung stellten. Die sprachliche Entwicklung der Kinder wurde etwa alle fünf Jahre mit einem IQ-Test untersucht.

Depression mindert sprachliche Entwicklung


Das Ergebnis: Depressive Mütter gingen wie zu erwarten anders mit ihren Kindern um als gesunde Mütter. "Wir haben herausgefunden, dass hoch depressive Mütter sich nicht so emotional eingesetzt oder ihre Kinder mit Lernstoff, wie Spielzeug und Büchern, unterstützt haben, wie gesunde Mütter es taten", sagt East.


Diese Unterschiede wirkten sich offenbar nachhaltig aus: auf den IQ der Kinder. Auf einer Skala von eins bis 19, erzielten die Kinder mit depressiven Müttern demnach einen IQ von 7,3. Kinder mit gesunden Müttern hatten dagegen einen Sprach-IQ von 7,78. "Obwohl dieser Unterschied klein erscheint, sind Unterschiede im IQ zwischen 7,78 und 7,3 höchst bedeutend für die Sprachfähigkeit und das Vokabular von Kindern", so East.

Depressionen häufig direkt nach der Geburt


In der Studie untersuchten die Forscher auch, wann die Mütter an einer Depression erkrankten und was dazu geführt hatte. Innerhalb der Studienzeit wurde etwa die Hälfte der Mütter als depressiv eingestuft. Viele von ihnen erkrankten in den ersten sechs Monaten nach der Geburt, bei einigen von ihnen blieb die Erkrankung jedoch weiter bestehen. Aus ihren Daten schließen die Forscher, dass etwa 20 Prozent der Frauen mit einem einjährigen Kind eine chronische Depression entwickeln.

"Die Mütter der Studie waren vielen Stressfaktoren ausgesetzt", erklärt East. "Die meisten waren zwar gebildet, gingen aber nur neun Jahre zur Schule, waren arbeitslos und lebten häufig mit der ganzen Familie in kleinen, überfüllten Häusern – Faktoren, die wahrscheinlich zu ihrer Depression beitrugen."


Noch mehr Effekte sind möglich


Für die Forscher ist eines klar: Um die Situation für die Kinder zu verbessern, muss den Müttern geholfen werden. "Diese Ergebnisse zeigen, dass die frühe Erkennung und Behandlung von maternalen Depressionen der Schlüssel ist", konstatiert East. Dadurch könne sichergestellt werden, dass die Kinder ihr volles Potential ausschöpfen.

Für die Forscher ist die Langzeitstudie aber noch längst nicht beendet. In der Zukunft wollen sie untersuchen, ob die Depression der Mütter auch in ihren Kindern dieselbe Erkrankung auslöst. Selbst Auswirkungen auf die schulischen Leistungen oder Übergewicht halten die Forscher für möglich. (Child Development, 2018)
(University of California, 17.04.2018 - YBR)
 
Printer IconShare Icon