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Montag, 25.06.2018
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Autonome E-Bikes im Test

Selbstfahrende Fahrräder sollen den Verkehr sicherer und umweltfreundlicher machen

Autonomes Fahren mal anders: Selbstfahrende E-Bikes könnten bald auf Magdeburgs Straßen unterwegs sein. Schon in den nächsten Wochen soll es erste Testfahrten geben – mit ihnen wollen Forscher vor allem die Reaktion der autonomen Räder auf schwierige Situationen testen. Bewähren sich die E-Bikes, soll die umweltfreundliche Alternative zum Auto auf Knopfdruck selbstständig zum Nutzer fahren und ins Depot zurückkehren können. Von dem Projekt versprechen sich die Forscher eine kleine Revolution des Straßenverkehrs.
Das selbstfahrende E-Bike wird sich über eine Smartphone-App zu jedem beliebigen Standort rufen lassen.

Das selbstfahrende E-Bike wird sich über eine Smartphone-App zu jedem beliebigen Standort rufen lassen.

Selbstfahrende Autos, Lieferroboter und Drohnen: Autonome Fahrzeuge sollen zukünftig den Verkehr revolutionieren. Per Knopfdruck könnten fahrerlose Autos einfach herbeigerufen werden und den Verkehr nicht nur reduzieren, sondern auch sicherer machen. Bereits jetzt verfeinern mehrere Firmen ihre Prototypen und führen erste Fahrtests auf den Straßen durch.

Gleichzeitig ziehen immer mehr Menschen in die Städte, der Verkehr wird dichter. Die Folge: Carsharing boomt. Bereits 1,7 Millionen Deutsche sind bei einem Anbieter registriert. Vor allem junge Menschen verzichten lieber auf ein eigenes Auto und teilen eher als zu besitzen. Forscher wollen nun Autonomie und Teilen kombinieren und eine Flotte von autonomen E-Bikes zum Ausleihen auf die Straßen bringen – se wollen eine "Revolution im Kleinen" anstoßen.

Hin und zurück auf Knopfdruck


Dafür haben sich die Forscher von der Universität Magdeburg die Straßen ihrer eigenen Stadt als Testgebiet ausgesucht. Bereits in den nächsten Wochen sollen die dreirädrigen selbstfahrenden Fahrräder dort im realen Verkehr erprobt werden.


So soll das Szenario aussehen: Per Smartphone-App ruft der Nutzer das E-Bike zu sich. Das Rad fährt dann selbstständig zu ihm, an jeden beliebigen Standort in der Stadt. Mit verstellbaren Aufsätzen könnte der Fahrer nun auch Lasten transportieren oder Kinder mitfahren lassen. Ist der Fahrer am Ziel angekommen, schickt er das Rad einfach ins Depot zurück.

Knifflige Entscheidungen für ein Fahrrad


Doch so einfach wie es klingt, ist es natürlich nicht. Zunächst muss die Messtechnik und Sensorik des E-Bikes auf den Prüfstand gestellt werden. „Eine der größten Herausforderungen des Projektes liegt in der fehlertoleranten Umgebungserfassung“, erklärt der Informatiker Sebastian Zug. Wo befindet sich das E-Bike auf der Fahrspur, verstellen Hindernisse oder Personen den Weg? Diese Fragen müssen auch bei schlechtem Wetter oder in kniffligen Situationen beantwortet werden können.

Das Rad könnte im Alltag einer Vielzahl schwieriger Entscheidungen gegenüber stehen. Beispiel: Um zum Nutzer zu gelangen, muss es eine vielbefahrene Straße ohne Ampeln überqueren. Außerdem regnet es. Hier muss das Rad zunächst die Situation richtig erkennen können. Versperrt eine Bordsteinkante den Weg? Nun muss es auf gut sichtbare und verständliche Weise signalisieren, was es vorhat. Falls dann ein Unfall passiert, stellen sich wiederum neue juristische Fragen.


Was halten die Nutzer davon?


Doch nicht nur Bordsteine könnten dem autonomen Fahrrad im Weg stehen. Mit Umfragen soll herausgefunden werden, was die Magdeburger von den Roboterrädern halten. „Besonders spannend ist für uns dabei, wie die Interaktion mit Passanten gestaltet werden kann und welche Faktoren sich auf die Akzeptanz des E-Bikes auswirken“, sagt die Umweltpsychologin Karen Krause. Nutzer rufen zwar das Rad zu sich, steuern es – sitzen sie erst einmal im Sattel – aber selbst. Autonome Fahrräder dürften damit wohl eher akzeptiert werden als selbstfahrende Autos, die bei Unfällen einem moralischen Dilemma unterliegen.

Magdeburg als Vorreiter für autonomes Fahren


Trotz all der Herausforderungen versprechen sich die Wissenschaftler langfristig weniger Unfälle, höheren Komfort und weniger Verkehr. Magdeburg soll so zum Vorreiter für umweltverträgliche, autonome Fahrzeuge werden. „Selbstfahrende Fahrräder, die sich auf dem Breiten Weg eigenständig zwischen Hauptbahnhof und Unicampus bewegen, gehören dann vielleicht wie selbstverständlich zum Stadtbild.“
(Universität Magdeburg, 09.03.2018 - YBR)
 
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