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Montag, 16.07.2018
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Mikroplastik auch in Fischen

Fast drei Viertel der Fische aus mittleren Tiefen des Atlantiks hat Plastik im Bauch

Pappsatt: Drei von vier Fischen aus mittleren Tiefen des Atlantiks haben Mikroplastik im Magen, wie neue Analysen enthüllen. In den Fischbäuchen fanden die Wissenschaftler dabei vor allem Plastikfasern aus Funktionstextilien. Die untersuchte Fischgruppe wandert intensiv zwischen den Meerestiefen und könnte die Kunststoffteilchen damit von der Wasseroberfläche zum Meeresboden bringen. Da diese Fische auch vielen Speisefischen als Nahrung dienen, könnte sich das Mikroplastik weiter in der Nahrungskette und auch bis zum Menschen ausbreiten.
Ökosystem Meer: Raubfische auf der Jagd nach Sardellen

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Wir leben im Zeitalter des Plastiks: Mikroplastik schwimmt in Seen, Flüssen und sogar der Tiefsee. Meeresorganismen nehmen die winzigen Kunststoffteile auf, die anschließend zu Entzündungen und Gewichtsverlust führen und schließlich tödlich wirken können. Während schon viel zum Plastikverzehr von Meeresvögeln bekannt ist, haben sich bisher nur wenige Studien mit den Meeresbewohnern Nummer Eins beschäftigt – den Fischen.

Kollektion mesopelagischer Fische inklusive Borstenmäulern, Laternenfischen und Anglerfischlarven

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Isoliert vom menschlichen Einfluss?


Fische des mesopelagischen Bereiches (200-1000 Meter Tiefe) bilden eine der individuenreichsten Tiergruppen des Meeres. "Diese Fische bewohnen ein abgeschiedenes Gebiet, also sollten sie theoretisch ziemlich isoliert von menschlichen Einflüssen sein, wie etwa Mikroplastik", sagt Erstautorin Alina Wieczorek von der National University of Ireland in Galway. "Da sie jedoch regelmäßig zur Oberfläche wandern, dachten wir, dass sie dort Mikroplastik aufnehmen könnten."

Um das zu untersuchen, fingen die Wissenschaftler im Nordwest-Atlantik, rund 1.200 Kilometer westlich von Neufundland, Fische aus Wassertiefen zwischen 300 und 600 Metern. Zurück im Labor untersuchten sie die Mägen auf Mikroplastik. Spezielle Luftfilter verhinderten, dass dabei Plastikfasern aus der Laborluft die Magen- und Darminhalte verunreinigten.


Drei von vier Fischen betroffen


Das Ergebnis: Das Team fand ein ganzes Spektrum von Plastikteilchen in den Eingeweiden der sieben Fischspezies – insgesamt hatten 73 Prozent der Fische die Schadstoffe aufgenommen. Eine Art aus der Familie der Borstenmäuler (Gonostoma denudatum) hatte sogar in 100 Prozent der Fälle Mikroplastik verschluckt. "Wir registrierten eine der höchsten Häufigkeiten von Mikroplastik unter allen Fischspezies", sagt Wieczorek.

Ein großer Teil des Mikroplastiks im Fischbauch bestand aus Plastikfasern, wie sie auch in Textilien verwendet werden, wie die Forscher berichten. Vor allem Fleece-Pullis sind dafür bekannt beim Waschen viele Mikrofasern zu verlieren.

Quelle der Kontamination unklar


Wie genau die Fische das Mikroplastik aufnehmen, bleibt vorerst unbekannt. "Es wird besonders interessant sein, herauszufinden, ob die Fische das Mikroplastik versehentlich als Beute aufnehmen, oder ob sie es über Beutespezies einnehmen, die vorher das Mikroplastik verschluckten", sagt Wieczorek.


Wie die Analysen ergaben, spielte es für die Ergebnisse keine Rolle, in welcher Tiefe die Fische gefangen wurden: Die Menge an Mikroplastik blieb gleich und entsprach in ihrer Zusammensetzung dem im Oberflächenwasser. Diese Fische scheinen demnach weniger isoliert vom menschlichen Einfluss zu sein als bisher angenommen. Stattdessen sind auch sie stark beeinflusst.


Gefahr für das Ökosystem Meer


Bedenklich sind diese Ergebnisse unter anderem wegen ihrer potenziellen Auswirkungen auf das Ökosystem Meer: In der Nacht wandern die mesopelagischen Fische zur Oberfläche, um zu fressen und kehren tagsüber in größere Tiefen zurück. Deswegen nehmen sie eine essentielle Rolle im Kreislauf von Kohlenstoff und Nährstoffen im Ökosystem Meer ein – auch bekannt als biogeochemischer Kreislauf.

Der Weiße Thun jagt mesopelagische Fische und landet auch auf unserem Teller

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Sie stehen zudem auf der Speisekarte von Thunfisch, Schwertfisch, Delphinen und Seevögeln und könnten das Mikroplastik dadurch großflächig in der Nahrungskette verbreiten. Über Umwege könnte das Mikroplastik damit auch beim Menschen auf dem Teller landen. "Die Verschmutzung mit Mikroplastik war unlängst in den Nachrichten, denn mehrere Regierungen planen ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und Reinigungsmitteln", so Wieczorek.

Doch ein Ende scheint nicht in Sicht. Laut einer Studie des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie wird sich alleine in Deutschland die eingesetzte Kunststoffmenge bis 2030 um ein Drittel erhöhen. Und Meeresorganismen verstärken das Problem sogar. So können Flohkrebse eine einzige Plastiktüte in 1,75 Millionen mikrobielle Einzelteile zerlegen. (Frontiers in Marine Science, 2018; doi: 10.3389/fmars.2018.00039)
(Frontiers, 19.02.2018 - YBR)
 
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