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Donnerstag, 24.08.2017
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Australien: Schon 10.000 Jahre früher besiedelt?

Archäologen entdecken 65.000 Jahre alte Spuren erster Menschen

Frühe Ankunft: Die ersten Menschen könnten Australien deutlich früher besiedelt haben als bisher angenommen. Hinweise darauf liefern 65.000 Jahre alte Steinwerkzeuge und andere Relikte, die Archäologen in Nordaustralien entdeckt haben. Damit könnte der Homo sapiens auf seinem Weg sogar noch den rätselhaften Hobbit-Menschen begegnet sein, wie Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten.
Kopf einer prähistorischen Steinaxt, gefunden bei Ausgrabungen im Felsunterstand Madjedbebe in Nordaustralien.

Kopf einer prähistorischen Steinaxt, gefunden bei Ausgrabungen im Felsunterstand Madjedbebe in Nordaustralien.

Wann kamen die ersten Menschen nach Australien? Diese Frage ist seit Jahren ebenso offen wie umstritten. Nach gängiger Theorie erreichten die Vorfahren der Aborigines Afrika vor rund 60.000 bis 80.000 Jahren und gelangten dann über Asien und Ozeanien etwa vor 45.000 Jahren auch nach Australien. Hinweise darauf liefern unter anderem Faustkeile und Steinäxte, die Archäologen im Westen und Norden Australiens entdeckt haben.

Doch nach Ansicht einiger Forscher könnte der Homo sapiens den australischen Kontinent schon früher erreicht haben. So deuten Genvergleiche darauf hin, dass die Vorfahren der Aborigines schon vor 130.000 Jahren aus Afrika aufbrachen. Im Felsunterstand von Madjedbebe in Nordaustralien entdeckte Steinwerkzeuge erwiesen sich zudem in ersten Datierungen als bis zu 60.000 Jahre alt – diese Werte waren jedoch umstritten.

Tausende neue Funde


Jetzt haben Chris Clarkson von der University of Queensland in Brisbane und seine Kollegen neue Ausgrabungen in Madjedbebe durchgeführt. Dabei entdeckten sie unterhalb des bisherigen Grabungsniveaus eine weitere, noch ältere Schicht mit zehntausenden Relikten menschlicher Besiedlung. Neben tausenden Fragmenten von Faustkeilen und Steinäxten fanden die Archäologen in dieser Fundschicht Mahlsteine, Reste von Ocker und anderen Pigmenten.


Auch Reste einer Feuerstelle sowie Pflanzenreste und Tierknochen waren erhalten. "Diese Fundschicht repräsentiert die erste Phase der Besiedlung dieses Felsunterstands", berichten die Forscher. "Die Artefakte und Fossilien demonstrieren, dass diese Menschen eine Reihe von Pflanzen als Nahrung zubereiteten und Feuerholz nutzen."

Der Fundort: Ausgrabungen in Madjedbebe

Der Fundort: Ausgrabungen in Madjedbebe

Schon 65.000 Jahre alt


Die entscheidende Frage aber war: Wie alt sind diese Funde? Um das herauszufinden, nutzten die Wissenschaftler die Radiokarbondatierung und die optisch stimulierte Lumineszenz (OSL). Bei letzterer werden Quarzkörnchen aus der Fundschicht mit Licht bestrahlt und so angeregt. Sie geben dann im Kristall gespeicherte Energie als Strahlung ab. Die Menge und Art der Strahlung gibt Auskunft darüber, wann die Körnchen zuletzt Tageslicht gesehen haben. Das verrät das Alter der Fundschicht.

Die Datierungen ergaben: Die neuen Funde aus Madjedbebe sind rund 65.000 Jahre alt. Die Menschen, die diese Werkzeuge herstellten, müssen demnach mindestens 10.000 Jahre früher in Australien angekommen sein als nach gängiger Theorie angenommen. "Dies setzt ein neues Minimalalter für die menschliche Kolonialisierung Australiens und für die Verbreitung des Homo sapiens aus Afrika und über Südasien", konstatieren Clarkson und seine Kollegen.

Zeitgenossen der Hobbit-Menschen


Damit wirft diese Datierung ein ganz neues Licht auf die Frühgeschichte der gesamten Region. Denn sie bedeutet unter anderem, dass der Homo sapiens früher Richtung Australien aufbrach. Auf seinem Weg könnte er sogar noch dem rätselhaften Homo floresiensis begegnet sein. Diese zwergenhaften "Hobbit-Menschen" lebten bis vor rund 50.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores.

Die neuen Erkenntnisse sprechen auch gegen die Theorie, dass die ersten Australier das Aussterben der australischen Megafauna vor rund 40.000 Jahren verursachten. "Man dachte bisher, dass die Menschen ankamen und sie so jagten oder aus ihren Habitaten vertrieben, dass sie ausstarben", erklärt Clarkson. "Aber unsere Daten bestätigen, dass diese Menschen lange vorher ankamen." Das spreche eher für eine Koexistenz als für gnadenlose Ausrottung.

Älteste Äxte und Glimmer-Pigmente


Zu guter Letzt verschiebt das hohe Alter der Funde auch einige kulturelle Errungenschaften des Menschen weiter in die Vergangenheit: "Dieser Fundort umfasst die weltweit ältesten Steinäxte mit bearbeiteter Klinge und die ältesten Mahlwerkzeuge Australiens", berichtet Clarkson. "Zudem zeugen sie davon, dass schon die Bewohner dieses Felsunterstands Ocker und andere Farbstoffe nutzten – und es ist das weltweit älteste Beispiel für die Verwendung reflektierender Glimmer-Pigmente." (Nature, 2017; doi: 10.1038/nature22968)
(Nature, University of Washington, 20.07.2017 - NPO)
 
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