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Donnerstag, 21.09.2017
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Dreijährige: Keine Toleranz für "Drückeberger"

Schon Kleinkinder erkennen die Verpflichtungen eines Einzelnen beim Teamwork

Lautstarker Protest gegen Arbeitsverweigerer: Bereits im Alter von drei Jahren erkennen Kinder, wenn sich ein Teampartner absichtlich vor der Arbeit drückt, wie ein Spielexperiment zeigt. Darin waren Kleinkinder besonders sauer, wenn ihr Teampartner plötzlich die gemeinsame Arbeit niederlegte und lieber eigene Ziele verfolgte. Bei einer unabsichtlichen Hinderung am Lösen der Aufgabe regten sich die im Stich gelassenen Kinder hingegen weniger auf.
"Drückeberger" bei Teamaufgaben werden schon von Dreijährigen nicht toleriert.

"Drückeberger" bei Teamaufgaben werden schon von Dreijährigen nicht toleriert.

Die sozialen Fähigkeiten von Kleinkindern werden oft unterschätzt. Dabei können bereits Dreijährige nicht nur Lügen erkennen, sondern haben vor allem einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und setzen sich in Versuchen für das Wohl von unfair Behandelten ein, wie Studien belegen.

Ein Spielexperiment von Ulrike Kachel vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und ihren Kollegen hat nun aufgedeckt, dass Kleinkinder auch die Verpflichtungen innerhalb einer Gruppenarbeit sehr gut verstehen können.

Einer spielt falsch


Die Forscher gaben 72 Paaren von Dreijährigen eine Aufgabe, die sie gemeinsam lösen sollten: Zusammen an einem Seil ziehen, um einen Block zu bewegen und dann eine Belohnung zu erhalten. Die Kinder einigten sich vor Beginn der Aufgabe darauf, sich gemeinsam daran zu versuchen. Was die Kleinen nicht ahnten: Eines der Kinder in jedem Team hatte von den Studienleitern zuvor heimlich Anweisungen erhalten, die Aufgabe auf eine von drei verschiedenen Arten zu sabotieren.


Entweder legte es die Arbeit aus egoistischen Gründen nieder und verfolgte stattdessen ein neues Ziel, um eine eigene Belohnung zu bekommen, oder es gab vor, mit dem Lösen der Aufgabe überfordert zu sein und arbeitete ineffizient. Die dritte Möglichkeit war, dass es unabsichtlich die Versuchsvorrichtung kaputt machte.

Reaktionen unterschiedlich


"In dieser Studie wollten wir untersuchen, was Kinder von den spezifischen Rollen verstehen, die sie für den gemeinsamen Erfolg einer Teamaufgabe annehmen müssen", erklärt Koautorin Margarita Svetlova von der Duke University in North Carolina. "Uns hat besonders interessiert, wie sie darauf reagieren, wenn ihr Partner aus verschiedenen Gründen seinen Teil der Arbeit nicht erledigt."

Das Ergebnis: "Die Folgen einer fehlgeschlagenen Zusammenarbeit war in allen drei Szenarien gleich", berichtet Svetlova. Die Kinder seien natürlich frustriert gewesen, egal aus welchem Grund die Aufgabe letztlich scheiterte. "Aber die Reaktionen der Kinder unterschieden sich drastisch voneinander", stellt die Forscherin heraus.

Groll gegen absichtliche "Drückeberger"


Wenn ein Partner die Arbeit wissentlich und aus egoistischen Gründen niederlegte, dann führte dies zu heftigen Beschwerden und Protesten der im Stich gelassenen Teampartner. Wenn das andere Kind hingegen unabsichtlich nicht zu der zuvor abgesprochenen Arbeit beitrug, weil es unbeholfen war oder etwas kaputt gemacht hatte, reagierte dessen Kompagnon weniger erbost. Den unbeholfenen Kindern halfen die Partner oft sogar und zeigten ihnen, wie sie zur erfolgreichen Bewältigung der Aufgabe beitragen konnten.

"Die Kinder in unserer Studie haben die verborgenen Absichten ihrer Partner völlig richtig erkannt und angesprochen", erklärt Svetlova. "Das zeigt anschaulich das wachsende Verständnis der Kinder von Normen des kooperativen Miteinanders und den damit einhergehenden Verpflichtungen."

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass bereits Dreijährige ein tieferes Verständnis von Teamwork und der Verpflichtung zur Verantwortungsübernahme der einzelnen Teampartner besitzen, schlussfolgern die Forscher. "Jeder, der mit Kindern arbeitet, kann auf dieser Grundlage aufbauen, indem er Gruppenaktivitäten wie kooperative unabhängige Aufgaben mit einfließen lässt.", schließt Kachel. (Child Development, 2017; doi: 10.1111/cdev.12816)
(Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig, 17.05.2017 - CLU)
 
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