Höchste Plastikmülldichte verhilft entlegenem Strand zu traurigem Rekord Tonnenweise Plastik auf unbewohnter Insel - scinexx | Das Wissensmagazin
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Höchste Plastikmülldichte verhilft entlegenem Strand zu traurigem Rekord

Tonnenweise Plastik auf unbewohnter Insel

Ähnlich vermüllt wie hier am Strand von Hawaii sieht es auch auf der unbewohnten Insel Henderson Island im Pazifik aus. © NOAA Marine Debris Program

Müllberge im Inselparadies: Selbst die entlegensten Strände bleiben von der Verschmutzung durch Plastikmüll nicht verschont. Fast 4.500 Plastikteile fanden Forscher auf nur einem Quadratmeter Strand der abgelegenen und unbewohnten Pazifikinsel Henderson Island. Ihre ausführliche Analyse der verschiedenen Müllteile soll dabei helfen, die Verteilung und die Quellen des Plastikmülls besser zu verstehen – und die Augen für den Ernst der Lage öffnen.

Lange Zeit galt die Devise, der Mensch müsse sich von den letzten unbefleckten Inseln der Erde einfach fernhalten, um die Unberührtheit dieser isolierten Naturparadiese zu erhalten. Doch das ist längst überholt: Plastikmüll gelangt über den Seeweg an jeden noch so weit entfernten Strand.

Selbst in der antarktischen Tiefsee hat die Vermüllung durch Plastik in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Und das Problem wächst immer weiter: Schätzungen zufolge wird sich die Plastikmenge allein in Deutschland bis 2030 um ein Drittel erhöhen, wenn nichts unternommen wird.

Ein Strand aus Plastikmüll

Um mit gesicherten Zahlen auf die gewaltigen Ausmaße der Verschmutzung mit Plastikmüll aufmerksam zu machen, haben Jennifer Laversa und Alexander Bond von der Royal Society for the Protection of Birds in Großbritannien nun den Strand der Pazifik-Insel Henderson Island genau inspiziert.

Die neun mal fünf Kilometer große Südseeinsel ist Teil der Pitcairn Gruppe im Südpazifik. Sie ist unbewohnt und liegt fernab von größeren Fabriken oder Siedlungen. Damit sei jeglicher, dort angeschwemmter Müll auf die weltweite Abfallerzeugung zurückzuführen, erklären die Forscher.

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Und das ist eine enorme Menge, wie Laversa und Bond herausfanden: Zwischen 21 und 672 Teile Müll sammelten sie bei ihren Stichproben von je einem Quadratmeter Strand auf. Aber damit kratzten die Wissenschaftler im wahrsten Sinne des Wortes nur an der Oberfläche. Denn als sie zusätzlich die obersten zehn Zentimeter des Sandes durchsiebten, belief sich die Menge der Müllteile pro Quadratmeter auf 53 bis 4.497 Stück.

Trauriger Rekord

Insgesamt waren 99,8 Prozent des untersuchten Mülls Plastik, heißt es in dem Bericht der Forscher. Über 60 Prozent davon gehörte zu Mikroplastik von höchstens fünf Millimetern Größe. Ausgehend von ihren Stichproben schätzen die beiden Wissenschaftler, dass gut 17,5 Tonnen Plastikmüll in Form von über 37 Millionen Einzelteilen auf der kleinen Insel verteilt sind – und täglich kämen bis zu 27 neue Teile pro Meter Strandlinie dazu.

Mit der extrem hohen Dichte an Plastikmüll erreicht Henderson Island dem Duo zufolge einen traurigen Rekord. Besonders alarmierend: Mit ihren Stichproben haben die Forscher längst nicht das volle Ausmaß der Vermüllung erfasst, wie sie berichten: „Unsere Ergebnisse unterschätzen die tatsächliche Menge an Müll. Denn Teile in einer Tiefe unter zehn Zentimeter und Partikel, die kleiner als zwei Millimeter sind, konnten bei unserer Probennahme nicht berücksichtigt werden.“

Ein Problem unvorstellbaren Ausmaßes

Laversa und Bond setzen mit ihrer detaillierten Auswertung der Plastikmüllbelastung von Henderson Island in jedem Fall ein Zeichen gegen den sorglosen Umgang mit unseren Abfällen. Sie hoffen, dass solche ausführlichen Untersuchungen wertvolle Informationen über die Verbreitung und vor allem die Quellen des Plastikmülls liefern.

Henderson Island sei schließlich nur die Spitze des Eisbergs, betonen die Forscher. „Die geschätzt 17,6 Tonnen menschengemachter Müll dort entsprechen lediglich 1,98 Sekunden der weltweiten Jahresproduktion von Plastik“, schließen sie ihren Bericht. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2017; doi: 10.1073/pnas.1619818114)

(Royal Society for the Protection of Birds, Großbritannien, 16.05.2017 – CLU)

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