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Dienstag, 17.10.2017
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Einsame Kranke leiden stärker

Wer sich einsam fühlt, empfindet Erkältungssymptome als schlimmer

Doppeltes Leid: Wer sich häufig einsam und ausgeschlossen fühlt, leidet auch im Krankheitsfall stärker. Das zeigt nun ein Experiment: Demnach bestimmt die subjektiv empfundene Einsamkeit maßgeblich die gefühlte Schwere einer Erkältung mit. Denn Probanden, die sich generell einsamer fühlten, klagten im Schnitt über schlimmere Symptome als Menschen mit einem guten sozialen Netzwerk.
Wer sich einsam fühlt, empfindet auch eine Erkältung als stärker.

Wer sich einsam fühlt, empfindet auch eine Erkältung als stärker.

Wer sich einsam fühlt, dem geht es selten gut. Die soziale Isolation drückt nicht nur auf die Stimmung, sie schadet auch der körperlichen Gesundheit. Einsame Menschen schlafen schlechter, sind häufiger gestresst, werden eher krank und altern womöglich auch schneller als Menschen mit einem stabilen Sozialleben.

Dass Einsamkeit anfällig für Krankheiten macht, ist inzwischen gut untersucht. Kaum erforscht war bisher jedoch, wie sich die soziale Isolation auf das subjektive Erleben des Krankseins auswirkt. Empfinden Menschen, die sich einsam fühlen, die Symptome einer Krankheit anders? Diese Frage haben sich nun Wissenschaftler um Chris Fagundes von der Rice University in Houston gestellt.

Die Größe des sozialen Netzwerkes hat keinen Einfluss auf das Empfinden der Erkältung, wohl aber die Qualität der Beziehungen.

Die Größe des sozialen Netzwerkes hat keinen Einfluss auf das Empfinden der Erkältung, wohl aber die Qualität der Beziehungen.

Angesteckt und unter Arrest


Um das subjektive Wahrnehmen von Krankheitssymptomen zu erforschen, luden die Forscher über 200 gesunde Freiwillige ein. Diese mussten sich zunächst psychologischen Vortests stellen. Dabei interessierte die Forscher vor allem, wie groß das soziale Netzwerk der Teilnehmer war, ob diese die Qualität ihrer Beziehungen als gut einschätzten oder sich womöglich öfter einsam fühlten. Anschließend steckten die Wissenschaftler alle Probanden mit einem harmlosen Erkältungsvirus an. Die 160 Menschen, bei denen die Erkältung ausbrach, kamen in die nächste Runde.


Für den Versuch wurden die erkrankten Teilnehmer fünf Tage unter Quarantäne gestellt. Dabei mussten sie die meiste Zeit alleine im Hotelzimmer bleiben und hatten allenfalls im Vorbeilaufen auf dem Flur die Möglichkeit eines kurzen Wortwechsels mit anderen Personen. Während des Experiments sollten die Probanden ihren Krankheitsverlauf und die Art und Schwere ihrer Symptome dokumentieren.

Gefühlte Einsamkeit


Die Angaben der Probanden über ihr persönliches Befinden während der Erkältung verglichen die Forscher mit den Faktoren "Einsamkeit" und "soziales Netzwerk" aus den psychologischen Vortests. Dabei rechneten sie Einflüsse von Alter, Geschlecht oder anderen Faktoren heraus. Das Ergebnis: Wer sich einsam fühlte, hatte auch stärkere Erkältungserscheinungen dokumentiert.

Das Interessante dabei: Für die gefühlte Schwere der Erkältung war es egal, ob ein Teilnehmer eine große Anzahl an sozialen Kontakten in seinem Umfeld pflegte oder nur wenige Freunde hatte. Wie schwer die Probanden ihre Erkältung bewerteten, hing einzig von ihrem subjektivem Einsamkeitsempfinden ab. "Man kann mit vielen Menschen im selben Raum sein, und sich trotzdem einsam fühlen. Diese Wahrnehmung ist es, die wichtig zu sein scheint", sagt Mitautorin Angie LeRoy.

Einsame fühlen sich schlechter


"Einfach ausgedrückt: Wer sich einsam fühlt und erkältet ist, fühlt sich schlechter als weniger einsame Kranke", schreiben die Forscher in ihrem Bericht. Empfänglicher für eine Erkältung sind Menschen, die sich einsam fühlen, den Daten der Forscher zufolge aber nicht.

Die Ergebnisse aus ihrer Studie könnten nun helfen, das Verständnis von Ärzten für das Empfinden ihrer Patienten zu verbessern, schreibt das Team. Und sie zeigen einmal mehr, dass ein intaktes Sozialleben eine große Bedeutung für unsere Gesundheit spielt: "Auch wenn es nur damit zu tun hat, wie wir uns fühlen, und nicht unbedingt, wie stark wir unsere Nase wirklich schnäuzen", schließt LeRoy. (American Psychological Association, 2017; doi: 10.1037/hea0000467)
(American Psychological Association, 31.03.2017 - CLU)
 
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