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Mittwoch, 16.08.2017
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Ägypten: Schamanistische Felsbilder entdeckt

Rund 6.000 Jahre alte Gravuren könnten von Vorgängerkultur der Ägypter stammen

Spannender Fund: In Ägypten haben Archäologen rund 6.000 Jahre alte Felsbilder mit sehr ungewöhnlichen Motiven entdeckt. In den Stein geritzt sind drei Figuren, darunter ein mit einem Vogelkopf maskierter Tänzer und ein Jäger. Solche schamanistischen Motive sind für die ägyptische Kultur äußerst ungewöhnlich, wie die Forscher berichten. Die Felsbilder könnten daher ein Bindeglied zu jungsteinzeitlichen Vorgängerkulturen darstellen.
Die rund 6.000 Jahre alten Felsgravuren aus Qubet el Hawa sind heute nur noch schwer zu erkennen

Die rund 6.000 Jahre alten Felsgravuren aus Qubet el Hawa sind heute nur noch schwer zu erkennen

Die altägyptische Totenstadt Qubet el Hawa - zu deutsch Hügel des Windes – war einst eine bedeutende Ruhestätte für die ägyptische Elite. Denn ganz in der Nähe lag die Provinzhauptstadt Elephantine, die etwa von 2200 bis 400 vor Christus ein bedeutender Handelsstützpunkt der Ägypter in Nubien war. Mehr als 80 Felsengräber haben Archäologen in dieser Nekropole nahe Assuan bereits freigelegt.

Gut 6.000 Jahre alte Felsbilder


Doch ein neuer Fund in Qubet el Hawa wirft nun ein völlig neues Licht auf die einstige Totenstadt. Denn Archäologen unter Leitung von Ludwig Morenz von der Universität Bonn haben dort nun Felsbilder entdeckt, die sehr älter sind als die ältesten ägyptischen Gräber der Nekropole: Sie stammen bereits aus dem vierten Jahrtausend vor Christus.

"Für diese Datierung liefern Stil und Ikonographie solide Indizien", sagt Morenz. Wie er und seine Kollegen feststellten, sind einige der Gravuren im Stil eindeutig ägyptisch, während andere in aus der Zeit vor Beginn der ägyptischen Kultur stammen müssen. Die Felsbilder entstanden demnach lange vor der Nekropole. Möglicherweise lagen sie einst am Rand eines prähistorischen Wegesystems, das durch Qubet el Hawa hindurchführte.


Das Felsbild zeigt drei Gestalten: einen Jäger mit Bogen (rechts), einen tänzelnden Mann mit Vogelmaske (links) und in der Mitte den Strauß.

Das Felsbild zeigt drei Gestalten: einen Jäger mit Bogen (rechts), einen tänzelnden Mann mit Vogelmaske (links) und in der Mitte den Strauß.

Maskierter Tänzer und Jäger mit Bogen


Die Felsbilder wurden durch Schläge mit einer harten Spitze in das Gestein eingraviert und sind bereits stark verwittert. Die zunächst verwirrende Anordnung der Punkte lässt jedoch bei genauerer Betrachtung drei Gestalten erkennen: einen Jäger mit Bogen, einen tänzelnden Mann mit erhobenen Armen und zwischen ihnen einen Afrikanischen Strauß.

"Dabei zeigt der Bogenschütze deutlich die Jagd auf den großen Laufvogel, während der Mann mit den erhobenen Armen als ein Jagd-Tänzer gedeutet werden kann", berichtet Morenz. Der Tänzer trägt dabei offenbar eine Vogelmaske. Nach Angaben der Archäologen erinnert diese Szene damit an die Vorstellungswelt von Jagd, Masken und Schamanismus, wie sie aus vielen Erdteilen bekannt ist – unter anderem vom Volk der San in Afrika.

Bindeglied zwischen Steinzeit und Hochkultur?


Das Besonders daran: Solche schamanistischen Darstellungen sind für die ägyptische Kultur eher untypisch. Weitaus häufiger dagegen kommen solche Jagd- und Tanzszenen in Felsbildern jungsteinzeitlicher Kulturen Europas und des Nahen Ostens vor. Die Forscher vermuten daher, dass die Felsbilder ein Bindeglied zwischen der vorderorientalischen Jungsteinzeit und der altägyptischen Kultur sein könnten.

Dafür spricht, dass aus der gleichen Zeit auch schon kleine bemalte Frauenfiguren mit tanzend erhobenen Armen und Vogelgesicht, und einige Tonmasken in Oberägypten entdeckt wurden. "Damit eröffnen sich neue Horizonte für die Forschung“, sagt Morenz. Er und seine Kollegen wollen die Fundstücke nun noch genauer untersuchen.

Für ihre Entdeckung wurden die Wissenschaftler vor Kurzem vom ägyptischen Antikenminister Khaled El Enany ausgezeichnet. Sein Ministerium stufte die Felsbilder als eine der aktuell zehn bedeutendsten archäologischen Entdeckungen in Ägypten ein.
(Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 23.03.2017 - NPO)
 
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