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Freitag, 21.07.2017
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Musik: Geheimnis der Ohrwürmer gelüftet

Forscher finden heraus, welche Melodiestrukturen ohrwurmträchtig sind

Musikalische Endlosschleife: Warum bestimmte Musikstücke eher ein Ohrwurm werden als andere, haben Forscher nun aufgeklärt. Demnach spielen neben der Vertrautheit und dem erst kürzlichen Hören auch bestimmte Merkmale der Melodie eine wichtige Rolle. Besonders gut bleiben Songs mit einer auf- und absteigenden Tonfolge im Ohr, aber auch ungewöhnliche, wiederholte Tonsprünge.
Warum werden manche Musikstücke zum Ohrwurm, andere dagegen nicht?

Warum werden manche Musikstücke zum Ohrwurm, andere dagegen nicht?

Das Phänomen ist so nervig wie bekannt: Man hört ein Lied im Radio oder unterwegs – und schon wird man es nicht wieder los. Wie eine Endlosschleife geht einem die Melodie im Kopf herum. Sie wird zum Ohrwurm. Warum aber bestimmte Musikstücke besonders "klebrig" sind, andere dagegen nicht, ist bis heute nur in Teilen geklärt.

Ohrwürmer im Test


Klar scheint bisher, dass bekannte, oft gehörte Stücke häufiger zum Ohrwurm werden und das es oft die Songs sind, die wir zuletzt gehört haben. Auch ein "Leerlauf" des Gehirns, weil wir beispielsweise gerade Abwaschen, zur Arbeit fahren oder mit ähnlichen Routineaufgaben beschäftigt sind, scheint das Entstehen dieser unwillkürlichen Endlosschleifen im Kopf zu fördern.

Welche Rolle die musikalischen Eigenschaften eines Stücks für seine Ohrwurmgefahr spielen, haben nun Kelly Jakubowski von der University of London und ihre Kollegen näher untersucht. Für ihre Studie fragten sie 3.000 Teilnehmer nach ihren häufigsten Ohrwürmern. Die Top Drei waren dabei "Bad Romance" von Lady Gaga, "Can't Get You Out Of My Head" von Kylie Minogue und "Don't Stop Believing" von Journey.


Für die 100 meistgenannten Stücke verglichen die Forscher dann musikalische Parameter wie Melodieverlauf, Tempo oder Intervalle mit denen von Songs, die nie als Ohrwürmer genannt wurden.

Zwischen Kinderlied und Kult-Riff


Das Ergebnis: Tatsächlich scheinen ohrwurmträchtige Musikstücke einige typische Merkmale zu besitzen. "Diese 'klebrigen' Songs haben meist ein eher schnelles Tempo und eine häufig vorkommende melodische Form", erklärt Jakubowski. So verläuft der Melodiebogen beispielsweise oft erst aufwärts, dann wieder abwärts – eine Struktur, die sich auch in vielen Kinderliedern findet.

Der Einstieg zum Song "Smoke on the Water" von Deep Purple ist ein Beispiel für einprägsame - und ohrwurmverdächtige - Intervalle.

Der Einstieg zum Song "Smoke on the Water" von Deep Purple ist ein Beispiel für einprägsame - und ohrwurmverdächtige - Intervalle.

Es gibt aber noch einen anderen Ohrwurm-Faktor, wie die Forscher herausfanden: Hat eine Melodie ungewöhnliche Tonsprünge und wiederholt diese womöglich noch, dann bleibt auch das eher bei uns hängen. Beispiele dafür sind beispielsweise der charakteristische Einstieg bei "Smoke on the Water" von Deep Purple oder der Refrain des Songs "Bad Romance" von Lady Gaga.

Ein todsicheres Rezept gibt es nicht


Bedeutet dies nun, dass Ohrwürmer und Hits nach diesem ganz einfachen Rezept reproduzierbar sind? "Unsere Ergebnisse zeigen, dass man bis zu einem gewissen Grad tatsächlich anhand der Melodiestruktur vorhersagen kann, welche Songs in den Köpfen hängenbleiben", sagt Jakubowski. Für Musikproduzenten oder Komponisten von Werbe-Jingles sei das sicher hilfreich.

Aber: Für unsere Reaktion auf Musik spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass es das todsichere Rezept für einen Hit oder Ohrwurm schlicht nicht gibt, wie auch die Forscher einräumen. Denn auch unsere persönlichen Erfahrungen, die allgemeine Stimmungslage, Modeströmungen, der Songtext oder die Stimme der Sänger spielen eine Rolle.

Kaugummikauen als Gegenmittel


Übrigens: Wer seinen Ohrwurm schnell wieder loswerden will, der sollte ein Kaugummi kauen. Eine Studie ergab vor Kurzem, dass die Mundbewegungen eine Rückkopplung zum auditiven Cortex erzeugt, die das akustische Gedächtnis hemmt. Das verhindert, dass unser Gehirn spontan die unwillkommenen Musikschnipsel hervorholt. (Psychology of Aesthetics, Creativity and the Art, 2016; doi: 10.1037/aca0000090)
(American Psychological Association, 04.11.2016 - NPO)
 
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