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Donnerstag, 30.03.2017
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Kurios: Achterbahn-Fahren gegen Nierensteine

Schaffen Fahrten Abhilfe bei kleinen Ablagerungen?

Rasante Therapie: Wer sich mit kleinen Nierensteinen herumplagt, sollte öfter in den Vergnügungspark gehen und dort in eine Achterbahn steigen. Solche Fahrten können offenbar den Abgang von kleineren Ablagerungen fördern, wie Forscher nun berichten. Auf den kuriosen Behandlungsansatz hatten sie Patienten gebracht – ihr volles Potenzial entfaltet die Therapie aber nur bei der richtigen Sitzposition.
Achterbahnfahren: Macht Spaß und könnte nebenbei Nierensteine beseitigen.

Achterbahnfahren: Macht Spaß und könnte nebenbei Nierensteine beseitigen.

Nierensteine können ziemlich unangenehm werden. Die Ablagerungen aus Bestandteilen des Urins bestehen meist aus Kalziumsalzen und wachsen mitunter auf Durchmesser von mehreren Zentimetern an. Ruhende Steine in der Niere bleiben häufig unentdeckt – problematisch wird es, wenn die Nierensteine in den Harnleiter gelangen und dort stecken bleiben: Sie lösen dann heftige, kolikartige Schmerzen aus, begleitet von Übelkeit und Erbrechen.

Allein in den USA kommen wegen eines Nierensteins jedes Jahr 300.000 Patienten als Notfall in die Klinik. Oftmals müssen die schmerzbringenden Übeltäter in solchen Extremfällen operativ entfernt werden. Kleinere Steine, die rechtzeitig entdeckt werden, können hingegen mithilfe von Medikamenten aus dem Körper hinausbefördert werden. Auch viel Trinken hilft, sie den Harnleiter hinunter zu spülen.

Spontane Genesung im Vergnügungspark


Wem das zu langweilig ist, der könnte es alternativ mit einer eher unkonventionellen Behandlungsmethode versuchen. Die einzige Bedingung: Einen empfindlichen Magen sollte man nicht haben. Denn die Therapie, die Mediziner um den Urologen David Wartinger von der Michigan State University nun proklamieren, spielt sich in einer Achterbahn ab. Sich in einem solchen Fahrgeschäft zu vergnügen, kann demnach dazu führen, dass kleine Nierensteine spontan abgehen.


Das mag zunächst verrückt klingen, ist aber ernst gemeint – und hat offenbar bereits einigen Patienten geholfen. Diese waren es auch, die die Forscher überhaupt auf die Idee brachten, das therapeutische Potenzial von Achterbahnen zu untersuchen. Wartinger und seinen Kollegen zufolge hatten ihnen mehrere Patienten davon berichtet, dass Nierensteine nach einer Fahrt mit der Big Thunder Mountain-Achterbahn in Walt Disney World in Orlando auf einmal ausgeschieden wurden.

In diesem Fahrgeschäft stellten die Mediziner die Berichte ihrer Patienten auf die Probe.

In diesem Fahrgeschäft stellten die Mediziner die Berichte ihrer Patienten auf die Probe.

Auf den Sitzplatz kommt es an


Das Team machte sich deshalb daran, die anekdotischen Erzählungen mithilfe eines Experiments zu überprüfen. Dafür bauten die Wissenschaftler ein anatomisch korrektes 3D-Modell von der Niere eines ihrer Patienten. Dieses befüllten sie mit Urin, positionierten drei kleinere Nierensteine unterschiedlicher Größen darin, verstauten das Modell in einem Rucksack und machten sich auf in den Vergnügungspark.

Nach insgesamt zwanzig Fahrten in der besagten Achterbahn kommen sie zu dem Schluss: Unabhängig von Größe und Position des Steins scheint eine rasante Fahrt den Abgang tatsächlich beschleunigen zu können. Dabei kommt es jedoch offenbar darauf an, wo man sitzt. Während Fahrten im hinteren Teil der Achterbahn immerhin mit einer Abgang-Rate von 63,9 Prozent aufwarten konnten, betrug die Ausscheidungsrate bei Fahrten in den vorderen Sitzen lediglich 16,7 Prozent.

Unterhaltsam und nicht-invasiv


"Unsere Erkenntnisse unterstützen die Hypothese, dass Fahrten in bestimmten Achterbahnen moderater Intensität manchen Patienten mit kleinen Nierensteinen helfen können", sagt Wartinger. Man könne so verhindern, dass die Steine größer werden und operativ entfernt werden müssen. Und das Beste: "Es ist eine relativ kostengünstige, nicht-invasive Methode."

Ob die Behandlung allerdings effektiver ist als die herkömmlichen Mittel, mit denen Betroffene kleinen Nierensteinen den Garaus machen können, bleibt fraglich. Auch die Forscher betonen: Ihre Ergebnisse seien vorläufig. Wer jedoch ohnehin gerne rasante Fahrten im Freizeitpark unternimmt, kann es ja mal mit dieser unterhaltsamen Therapiemaßnahme versuchen. (American Osteopathic Association, 2016)
(American Osteopathic Association, 27.09.2016 - DAL)
 
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