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Samstag, 01.10.2016
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Ebay: Frauen bekommen schlechtere Preise

Waren von weiblichen Anbietern werden unbewusst als weniger wertvoll eingestuft

Von wegen gleichberechtigt: Wenn Frauen etwas bei Ebay verkaufen, bekommen sie im Durchschnitt 20 Prozent weniger Geld dafür als männliche Verkäufer. Das stellten Forscher bei der Auswertung von mehr als einer Million Auktionen fest. Verkäuferinnen bekamen dabei auf die gleiche Ware weniger und niedrigere Gebote, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science Advances". Das spreche für hartnäckige geschlechtsspezifische Vorurteile.
Waren von weiblichen Anbietern werden unbewusst als weniger wertvoll eingestuft

Waren von weiblichen Anbietern werden unbewusst als weniger wertvoll eingestuft

Offiziell leben wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft, aber das ändert nichts daran, dass geschlechtsspezifische Vorurteile quicklebendig sind. So gelten Frauen gerne mal als weniger durchsetzungsfähig, mathematisch minderbegabt oder emotionaler. Auch im Berufsleben müssen Frauen häufig gegen Stereotypen kämpfen.

Mehr als eine Million Transaktionen


Welche Rolle das Geschlecht für vermeintlich neutrale Auktionen bei Ebay spielt, haben Tamar Kricheli-Katz und Tali Regev von der Universität Tel Aviv nun näher untersucht. Für ihre Studie werteten sie gut 1,1 Millionen Transaktionen des Auktionsportals aus der Zeit von 2009 bis 2014 aus. Sie analysierten dabei, wie viel Geld männliche oder weibliche Privatanbieter für 420 beliebte Produkte aus allen großen Kategorien der Plattform erhielten.

"Über die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen in Produktmärkten ist bisher nur wenig bekannt", erklären die Forscherinnen. Auktionen wie bei Ebay bieten eine gute Möglichkeit, diese zu untersuchen, weil zumindest bei den Neuwaren identische Produkte verkauft werden – und daher eigentlich den gleichen Erlös erzielen müssten. Zudem interagieren bei Auktionen Käufer und Verkäufer nicht miteinander, so dass das Verhandlungsgeschickt keine Rolle spielt.


Frauen bekommen für die gleiche Ware 20 Prozent weniger

Frauen bekommen für die gleiche Ware 20 Prozent weniger

Frauen bekommen nur 80 Cent für den Dollar


Doch die Auswertung zeichnete ein anderes Bild: "Weibliche Verkäufer bekamen im Schnitt weniger Angebote und erzielten geringere Erlöse als Männer, die genau das gleiche Produkt anboten", berichten die Forscherinnen. Bei Neuwaren betrug der Unterschied im erzielten Preis knapp 20 Prozent. "Das bedeutet, dass eine Frau beim Verkauf eines neuen Produkts nur 80 Cent für jeden US-Dollar erhält, den ein Mann kassiert", so Kricheli-Katz und Regev.

Diese Unterschiede blieben auch dann erhalten, als die Forscherinnen den Einfluss von Gestaltung und textlichen Inhalten der Angebotsseiten berücksichtigten und herausrechneten. "Da es sich jeweils um miteinander identische Neuwaren handelte, kann die Preisdiskrepanz nicht auf einen Unterschied in der Qualität des Produktes zurückgehen", betonen die Wissenschaftlerinnen. "Es muss mit geschlechtsspezifischen Vorurteilen zu tun haben."

Ware von Frauen wird anders bewertet


Aber worin bestehen diese Vorurteile? Dies prüften die Forscherinnen mit einem weiteren Experiment: In einem Online-Test fragten sie Freiwillige, wie viel sie für einen Amazon-Einkaufsgutschein im Wert von 100 US-Dollar zahlen würden. Dieser Gutschein wurde dabei entweder von einer "Alison" oder von einem "Brad" zum Verkauf angeboten.

Das Ergebnis: "Alison" bekam für ihren 100-Dollar Gutschein 83,34 Dollar, "Brad" hingegen erhielt für den gleiche Gutschein 87,42 Dollar. "Das spricht dafür, dass Käufer dazu neigen, von Frauen verkauften Produkten grundsätzlich einen geringeren Wert zuzuordnen – unabhängig von deren tatsächlichen Wert", sagen Kricheli-Katz und Regev. Diese Ungleichgewichtung sei wahrscheinlich auch für die Unterschiede bei Ebay verantwortlich.

Klischees trotz vermeintlich neutraler Präsentation


Bei Ebay ist es allerdings gar nicht so einfach herauszufinden, ob ein Anbieter eine Frau oder ein Mann ist. Denn die Plattform gibt bewusst das Geschlecht der Verkäufer nicht an. Doch ein zusätzliches Online-Experiment mit 400 Teilnehmern zeigte, dass Nutzer dennoch meist raten können, ob sich hinter einem Anbieter eine Frau oder ein Mann verbirgt.

"Das Geschlecht eines Privatverkäufers kann beispielsweise aus der angebotenen Produktpalette geschlossen werden: Wird vorwiegend Frauenkleidung angeboten, ist der Anbieter wahrscheinlich eine Frau", erklären die Forscherinnen. "Auch der Nutzername verrät oft die Geschlechtszugehörigkeit." Als Folge werden Ebay-Verkäuferinnen meist als weiblich erkannt – und damit Opfer der gängigen Vorurteile.

Nach Ansicht der Forscherinnen wirft dies kein sehr gutes Licht auf die Gleichberechtigung bei offenen Verkäufen, bei denen das Geschlecht sehr viel offensichtlicher ist. "Wir vermuten, dass die Geschlechts-Unterschiede in anderen Produktmärkten sogar noch deutlich größer sind", konstatieren sie. (Science Advances, 2016; doi: 10.1126/sciadv.1500599)
(AAAS, 22.02.2016 - NPO)
 
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