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Mittwoch, 27.07.2016
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Wie groß ist unser Stickstoff-Fußabdruck?

Deutschland liegt bei den Emissionen von Stickoxiden und Ammoniak unter den Top-Ten

Großer Stickstoff-Fußabdruck: Jeder Bewohner Deutschlands ist für die Emission von rund 45 Kilogramm umweltschädliche Stickoxide und Ammoniak pro Jahr verantwortlich, wie Forscher ermittelt haben. Damit gehören wir zu den Top-Ten der Stickstoff-Emittenten. Einen Großteil dieser Emissionen produzieren wir aber nicht bei uns, sondern wir lagern sie aus – beispielsweise indem wir Fleisch und Lebensmittel aus anderen Ländern importieren, wie die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience" berichten.
Fußabdruck: Jeder Bewohner Deutschlands ist für Emnissionen von rund 45 Kilogramm Stickstoff pro Jahr verantwortlich.

Fußabdruck: Jeder Bewohner Deutschlands ist für Emnissionen von rund 45 Kilogramm Stickstoff pro Jahr verantwortlich.

Stickstoff ist einerseits ein wichtiger Pflanzennährstoff, andererseits aber sorgt ein Übermaß an Stickoxiden und Ammoniak für die Überdüngung von Gewässern und Böden und begünstigt die Bildung von bodennahem Ozon in der Luft. So sind in Deutschland heute schon fast die Hälfte der natürlichen Ökosysteme mit Stickstoff überdüngt, wie erst im letzten Jahr der Sachverständigenrat der Bundesregierung feststellte.

Die größten Stickstoffquellen sind neben den Emissionen von Verkehr und Industrie vor allem die Massentierhaltung und die Düngung von landwirtschaftlichen Flächen. Unser Konsum an Fleisch, aber auch an Gemüsen, Getreide, Textilien und anderen Produkten des täglichen Lebens ist daher eng mit der Emission von Stickoxiden und Co verknüpft.

Je reicher, desto größer der Fußabdruck


Quantifizieren lässt sich dies durch den Stickstoff-Fußabdruck eines Produkts, aber auch ganzer Länder. Manfred Lenzen von der University of Sydney und seine Kollegen haben nun den Stickstoff-Fußabdruck für 188 Länder weltweit bestimmt. Erstmals verfolgten sie dabei auch, welche Stickstoff-Emissionen mit den im globalen Handel importierten und exportieren Gütern verbunden sind.


Bei uns wird Gülle oft im Übermaß ausgebracht - Überdüngung ist die Folge

Bei uns wird Gülle oft im Übermaß ausgebracht - Überdüngung ist die Folge

Das Ergebnis: Im Durchschnitt ist jeder Mensch der Erde für die Emission von rund 27 Kilogramm Stickoxiden und Ammoniak pro Jahr verantwortlich. Je wohlhabender ein Land ist, desto höher liegt jedoch der Stickstoff-Fußabdruck, wie die Forscher berichten. So emittieren reiche Länder wie Hongkong und Luxemburg mehr als 100 Kilogramm pro Kopf jährlich, während in armen Ländern wie Liberia, Elfenbeinküste oder Papua-Neuguinea gerade einmal sieben Kilogramm Stickstoff pro Kopf und Jahr zu Buche schlagen.

Deutschland: 45 Kilogramm pro Kopf und Jahr


Deutschland gehört mit rund 45 Kilogramm pro Kopf und Jahr zu den Top Ten der reichen Länder mit großem Stickstoff-Fußabdruck. Es wird allerdings noch übertroffen von China, Indien, den USA und Brasilien. Diese vier Länder sind zusammen für 46 Prozent aller weltweiten Emissionen von Stickoxiden und Ammoniak verantwortlich, wie die Wissenschaftler berichten. Insgesamt sind die Emissionen der reichen Länder zehnmal höher als die der ärmsten Staaten.

"Diese Unterschiede reflektieren die Vorliebe der wohlhabenden Konsumenten für Tierprodukte und verarbeitete Lebensmittel", erklären Lenzen und seine Kollegen. "Aber sie zeigen auch die Abhängigkeit dieser Länder von energie-intensiven Gütern und Dienstleistungen." So sind in China vor allem die Kohlekraftwerke für die hohen Emissionen von Stickoxiden verantwortlich.

Handelswege von Stickstoff über Lebensmittel und andere Güter

Handelswege von Stickstoff über Lebensmittel und andere Güter

Ausgelagert nach anderswo


Aber das ist noch nicht die ganze Wahrheit. Denn wie die Studie enthüllt, findet ein Großteil dieser Stickstoff-Emissionen nicht in dem Land statt, das für die verantwortlich ist. Der Grund dafür ist der Welthandel: Heute werden gerade landwirtschaftliche Produkte oft in ärmeren Ländern erzeugt, aber von den reicheren importiert. Wenn wir daher Fleisch, Soja oder Mais aus anderen Regionen importieren, gehen die mit ihrer Produktion verbundenen Stickstoff-Emissionen letztlich auf unser Konto, wie die Forscher erklären.

Das aber hat Folgen: "Rund ein Viertel des globalen Stickstoff-Fußabdrucks wird von Gütern verursacht, die über Grenzen hinaus gehandelt werden", berichten Lenzen und seine Kollegen. Zu den Top Importeuren solcher Waren gehören nach Japan auch Deutschland, Großbritannien und Hongkong. "Diese Länder verursachen mehr Stickstoff-Emissionen im Ausland als sie selbst durch Export für andere übernehmen", so die Forscher.

"Es geht nur mit globalen Regelungen"


Genau das macht es jedoch schwer, diese umweltschädlichen Emissionen einzudämmen: Im eigenen Land kann man mit Gesetzen und Richtlinien versuchen, beispielsweise den Stickoxid-Ausstoß von Kraftwerken oder dem Verkehr zu reduzieren. Aber die ohnehin schwer zu kontrollierende Landwirtschaft lässt sich im Ausland noch schwerer beeinflussen.

"Hier helfen nur Maßnahmen und Regelungen mit globaler Gültigkeit", konstatieren Lenzen und seine Kollegen. Ein wichtiger Schritt dorthin ist es, die verflochtenen Zusammenhänge bei den Stickstoff-Emissionen aufzudecken und zu quantifizieren. Ihre Studie sei hier ein erster Beitrag, so die Forscher. (Nature Geoscience, 2016; doi: 10.1038/ngeo2635)
(Nature/ University of Sydney, 26.01.2016 - NPO)