Scinexx-Logo
Scinexx mobil
Mobil
Jetzt neu: Nutzen Sie unser Smartphone optimiertes Angebot.
Erfahren Sie mehr
Scinexx auf Facebook
Werden Sie Scinexx-Fan und kommentieren Sie unsere Artikel auf Facebook!
Scinexx auf Facebook
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Weitere Titel bei Amazon
Unser Partner
Logo Bild der Wissenschaft
Wissen erleben
Science Center
Naturkundemuseen
Sternwarten
Planetarien
Zoos
Nationalparks
Naturparks
Geoparks
Besucherbergwerke
Botanische Gärten
Schülerlabore
Lernwelten
Lernwelten

Erleben, Lernen, Wissen
Antworten auf viele Fragen zu Alltagsphänomenen, kniffelige Quizze, spannende Tipps für Entdeckernaturen und vieles mehr...

Spinnen passen ihre Netze an die Beute an
Unterschiedliche Befestigungssysteme lassen sowohl fliegende als auch laufende Insekten in die Falle gehen
Haubennetzspinnen passen ihre Netze mit einfachen Mitteln an die verfügbare Beute an: Sie variieren das Design des Befestigungssystems, mit dem sie die Fäden an eine Oberfläche heften. Das haben US-Forscher jetzt entdeckt. Auf diese Weise entstehen einerseits extrem stabile Netze, mit denen sich fliegende Insekten fangen lassen und bei denen eher der Faden reißt als dass sich die Befestigung löst. Andererseits ermöglicht das System den Bau locker gebundene Fangleinen, die wie eine Feder hochschnellen, sobald ein auf dem Boden laufendes Beutetier darauf tritt. Das berichtet das Team um Vasav Sahni von der University of Akron im Fachmagazin "Nature Communications".
Gewächshausspinne (Parasteatoda tepidariorum; Synonym Achaearanea tepidariorum)
Gewächshausspinne (Parasteatoda tepidariorum; Synonym Achaearanea tepidariorum)
© Patrick Edwin Moran / CC BY-SA 3.0 Gewächshausspinne (Parasteatoda tepidariorum; Synonym Achaearanea tepidariorum)
Architektur des Befestigungssystem ist entscheidend
Testobjekte der Forscher waren Gewächshausspinnen, eine in Europa weit verbreitete Untergruppe der Haubennetzspinnen. Diese Spinnenart baut typischerweise locker gewebte Netze in Bodennähe, von denen einzelne Fangfäden nach unten reichen. Im Versuch bekamen die Spinnen saubere Glasoberflächen vorgelegt, an denen sie ihre Netze befestigen sollten. Auf diese Weise wollten die Wissenschaftler klären, was genau der Unterschied zwischen den extrem fest haftenden Fäden des eigentlichen Netzes und den leicht ablösbaren Fangleinen ausmacht. Sie konzentrierten sich daher vor allem die Befestigungspunkte der beiden Leinenvarianten.

Beide Fäden werden mit der gleichen Spinnenseide an die Oberfläche angeheftet, zeigte die Auswertung. Es handelt sich dabei um den sogenannten Anheftezement, auch pyriforme Seide genannt, die aus birnenförmigen Drüsen am Hinterleib der Spinne ausgeschieden wird. Chemisch gebe es also keinen Unterschied zwischen den beiden Befestigungssystemen, schlussfolgert das Team. Im Elektronenmikroskop zeigte sich jedoch: Die feinen Fäden der pyriformen Seide sind bei den beiden Haftsystemen unterschiedlich angeordnet. Am Ende der Tragfäden sind sie wie Heftklammern parallel zueinander angeordnet, während sie am Ende der Fangleinen eher sternförmig von einem Mittelpunkt auseinanderdriften. Auch ist jeder Tragfaden mit über 1.500 einzelnen Haftfäden befestigt, die Fangleinen nur mit knapp 200.

Nachbau mit Tesafilm
Welchen Einfluss diese Unterschiede auf die Verankerung der Fäden an der Oberfläche haben, merkten die Wissenschaftler beim Versuch, die Fäden abzulösen: Der Tragfaden riss jedesmal, bevor sich die Heftklammer-Architektur vom Boden löste - und das, obwohl er aus der festesten Spinnenseidenform ist, die man kennt. Die Fangleine dagegen leistete kaum Widerstand und ließ sich leicht ablösen. Die Forscher schätzen, dass zum Ablösen der Tragfäden mindestens sechsmal, möglicherweise sogar zehnmal so viel Kraft nötig ist wie bei den Fangleinen.

Sie konnten den Effekt sogar mit einfachen Mitteln nachbauen: Um die Tragfaden-Befestigung zu simulieren, klebten sie einen Nylonfaden mit mehreren parallel angeordneten, langen Tesafilmstreifen auf dem Tisch fest. Als Fangleinenmodell diente sternförmig übereinander gelegtes Klebeband, in dessen Mitte der Nylonfaden befestigt war. Versuche man nun, beides vom Tisch zu abzuziehen, lösten sich die parallelen Streifen langsam und widerwillig einer nach dem anderen, erläutert das Team. Exakt dieses Verhalten habe man auch bei der Spinnenseide beobachtet. Bei der sternförmigen Anordnung dagegen lösen sich bei sehr viel weniger Kraftaufwand alle Klebebänder gleichzeitig ab. Die beiden Systeme könnten in Zukunft als Vorbild für die Entwicklung maßgeschneiderter Befestigungssysteme dienen, glauben die Forscher. (doi: 10.1038/ncomms2099)
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Natur, Spinnen, Haubennetzspinnen, Gewächshausspinnen, Spinnennetze, Befestigung, Klebstoff
Weitere News zum Thema
GPS macht Tsunamiwarnung schneller und präziser (21.05.2013)
Japan- Tsunami vom März 2011 hätte besser vorgesagt werden können
Forscher züchten Atome mit Nano-Schnurrbart (17.05.2013)
Experiment erzeugt skurrile Nanostrukturen mit zwei Spiegelachsen
Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen (17.05.2013)
Komplexe Formen durch gezielte Manipulation der Wachstumsbedingungen
Ältestes Wasser der Erde entdeckt (16.05.2013)
In 2,4 Kilometern Tiefe hat ein gut 1,5 Milliarden Jahre altes Wasserreservoir überdauert
Zucker macht Goldgewinnung "grün" (15.05.2013)
Ein simpler ringförmiger Zucker erweist sich als hochselektive und effektive Goldfalle
Suche
Erweiterte Suche
Offizieller Partner
Wissenschaftsjahr 2013
DOSSIER: Sieht Deutschland bald alt aus?
Diaschauen zum Thema
Spinnen
Muster der Natur
Lernen von der Natur
Bionik
Dossiers zum Thema
Die Gecko-„Kopierer“
Den Haft- und Klebetricks der Natur auf der Spur
Pfui Spinne!
Warum wir uns ekeln
Wie klug sind Tiere?
Zwischen Instinkt und Intelligenz
Bionik
Lernen von der Natur
News des Tages
Gift der Schwarzen Mamba enthält natürliche Schmerzmittel
Prachtfinken finden nur mit dem rechten Auge die richtige Partnerin
Spinnen passen ihre Netze an die Beute an
Bücher zum Thema
Biologie für Einsteiger
Prinzipien des Lebens verstehen von Olaf Fritsche
Die Entdeckung der Intelligenz oder können Ameisen denken?
von Holk Cruse, Jeffrey Dean und Helge Ritter
Wilde Intelligenz
Was Tiere wirklich denken von Marc D. Hauser
Wilde Tiere in der Großstadt
von Cord Riechelmann
Top-Clicks der Woche
1. Ingenieur plant Stromspeicher am Meeresgrund
2. Ältestes Wasser der Erde entdeckt
3. Verblüffend naturgetreue Nanoblüten aus Kristallen
4. Eingeschleppter Käfer kämpft mit raffinierter Biowaffe
5. Neuer Weltrekord bei der Datenübertragung per Funk