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Forscher finden Gene für unsere Gesichtsform
Die Erbgutabschnitte prägen - zusammen mit vielen anderen - Position von Nase und Augäpfeln
Ein internationales Forscherteam hat erstmals fünf Gene identifiziert, die maßgeblich die Form unseres Gesichts prägen. Sie beeinflussen unter anderem die Form und Position der Nase und den Augenabstand. Da insgesamt vermutlich sehr viele Gene für das Gesicht zuständig sind, sehen die Forscher ihren Fund als eine Art Startpunkt für die weitere Suche. Wichtig könnten solche Analysen beispielsweise für die Forensik sein: "Vielleicht wird es eines Tages möglich sein, ein Phantom-Bild eines Menschen ausschließlich auf Basis seiner DNA zu zeichnen, die er irgendwo hinterlassen hat", sagt Studienleiter Manfred Kayser von der Erasmus-Universität in Rotterdam.. Er und seine Kollegen stellen ihre Arbeit im Fachmagazin "PLoS Genetics" vor.
DNA
DNA
© MMCD
Das Team hatte die Daten von insgesamt fast 10.000 Menschen aus verschiedenen Ländern erfasst, die alle europäischer Abstammung waren. Als Basis dienten dreidimensionale Magnetresonanztomograpie-Aufnahmen sowie Porträtfotos des Gesichts. Die Forscher definierten verschiedene Schlüsselpunkte im Gesicht sowie deren Abstände voneinander. Dazu gehörten die Augäpfel, die Wangenknochen, die Nasenwurzel, Nasenspitze sowie die Nasenflügel und die Nasenscheidewand. Der untere Teil des Gesichts habe dagegen nicht ganz so intensiv untersucht werden können, weil sich die Scans auf den oberen Schädelbereich konzentriert hätten, erläutern die Wissenschaftler.

Drei bekannte und zwei neue Gene
Mit Hilfe einer Computeranalyse prüften die Genetiker anschließend, ob es eine statistische Verbindung zwischen bestimmten Genen oder Genvarianten und den Gesichtsmerkmalen gab. Fündig wurden sie in fünf Bereichen auf unterschiedlichen Chromosomen, wobei drei der Kandidatengene sozusagen alte Bekannte waren. Eines der Gene, das in einer früheren Studie bereits mit der Entwicklung des Gewebes rund um den Mund in Verbindung gebracht worden war, scheint beispielsweise die Höhe und die Breite der Nase zu beeinflussen. Ein anderes bestimmt zumindest zum Teil die Position der Nasenwurzel, ein drittes den Abstand der Augäpfel voneinander. Fehler in diesen beiden Genen stehen im Zusammenhang mit der Ausbildung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, hatten früheren Untersuchungen gezeigt. Die anderen beiden Genkandidaten waren dagegen bislang nicht mit der Ausbildung des Gesichts in Verbindung gebracht worden.

Neben diesen fünf Gene muss es noch eine große Menge weiterer Erbgutabschnitte geben, die die Gesichtsform prägen, betont das Team. Denn das Gesicht zu formen, sei eines der komplexesten Ereignisse während der Entwicklung eines Embryos. Es müsse ja unter anderem dafür gesorgt werden, dass sich die noch unspezialisierten Zellen korrekt in die verschiedenen Gewebetypen umwandeln, an die richtige Stelle wandern und sich entsprechend vermehren. Wie kompliziert dieser Prozess sei, sehe man auch an den vielen Anomalien, die immer wieder auftreten.

Wenn besser verstanden sei, welche Gene bei der Gesichtsbildung eine Rolle spielten, ließen sich möglicherweise bestimmte Fehlbildungen vermeiden oder behandeln, hoffen die Forscher. Außerdem wäre eine Art Gentest auf die Gesichtsform ein hilfreiches forensisches Werkzeug, mit dem man das Gesicht eines Täters rekonstruieren könnte - ähnlich wie es heute unter bestimmten Bedingungen bereits mit Augen- und Haarfarbe möglich ist. (doi: 10.1371/journal.pgen.1002932)
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Genetik, Genforschung, Gesichtsformen, Gene, DNA, Forensik
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