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Dienstag, 25.07.2017
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Warme Meeresströmung bedroht zweitgrößtes Schelfeis der Antarktis

Unterseite der Gletscherausläufer könnte bis 2100 rapide schmelzen

Das zweitgrößte Schelfeis der Antarktis droht bis zum Ende dieses Jahrhunderts instabil zu werden. Denn der Klimawandel lenkt eine warme Meeresströmung im Südpolarmeer so um, dass sie die Unterseite dieser Eisdecke unterspült. Das hat ein deutsch-britisches Forscherteam bei Modellsimulationen herausgefunden. Das wärmere Wasser unter dem Filchner-Ronne-Schelfeis könnte innerhalb der nächsten sechs Jahrzehnte eine Kettenreaktion auslösen, an deren Ende vermutlich große Inlandeis-Massen in den Ozean abrutschen. An der Unterseite dieser Eisdecke würden dann 1.600 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr abschmelzen - das 20-fache der heutigen Menge von 82 Milliarden Tonnen jährlich, wie die Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten.
Schelfeiskante

Schelfeiskante

"Bisher erreichen nur Spuren des relativ warmen Wassers die Vorderseite des Filchner-Ronne-Eisschelfs", schreiben Hartmut Hellmer vom Alfred-Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und seine Kollegen. Das Schelfeis in dieser Bucht des Weddellmeeres und auch die dahinterliegenden Gletscher gelten deshalb bisher als relativ stabil. "Schelfeise sind für das nachgelagerte Inlandeis wie ein Korken in der Flasche", erklärt Hellmer. Sie bremsen die Eisströme, weil sie auf dem Meersboden oder auf Inseln aufliegen.

Vorausgesagte Verteilung der Wassertemperaturen

Vorausgesagte Verteilung der Wassertemperaturen

Doch das soll sich nach den Prognosen der Wissenschaftler ändern. Sie haben die Entwicklung der Meeresströmungen und Eismassen im Weddellmeer von heute bis zum Jahr 2100 bei verschiedenen Klimaszenarien simuliert. Etwa ab dem Jahr 2036, so ihr Ergebnis, strömt bereits ab und zu warmes Wasser über die Schwelle des Filchner-Trogs, einer Meeressenke, die bis unter das Eisschelf reicht. Das verstärke sich in den folgenden Jahrzehnten. Etwa ab 2095 werde sich dann das Wasser unter dem Filchner-Ronne-Schelfeis fast überall um zwei Grad Celsius erwärmt haben, sagen die Forscher. Als Folge taue die Unterseite des Eises rapide ab. Dadurch verringere sich die Bremswirkung des Schelfeises und auch die dahinterliegenden Gletscher könnten sich in Bewegung setzen.

Riesiges Becken unter zuführenden Gletschern entdeckt


Verschärft werden könnte diese Entwicklung noch durch ein Phänomen, von dem eine zweite Forschergruppe parallel im Fachmagazin "Nature Geoscience" berichtet. Bei einer Radarkartierung des Untergrunds in dieser Region entdeckten sie ein tiefes Becken unter dem Eis der Gletscher, die das Filchner-Ronne-Schelfeis speisen.


Das zweigeteilte Becken ist 20.000 Quadratkilometer groß und damit fast halb so groß wie die Niederlande. Es erreicht eine Tiefe von bis zu 1,700 Meter unter dem Meeresspiegel, wie Neil Ross von der University of Edinburgh und seine Kollegen berichten. Es habe zudem steile, relativ glatte Wände, die der Gletscherunterseite wenig Halt geben.

"Die Karten zeigen, dass der Übergang von den auf Grund liegenden Gletschern zum Schelfeis zurzeit genau an der Kante dieses Beckens liegt", sagen die Forscher. Das Eis in dieser Region sei daher instabiler als bisher angenommen. "Dieses Gebiet steht an der Schwelle zu einer substanziellen Veränderung", warnen Ross und seine Kollegen.
(doi:10.1038/nature11064; doi:10.1038/ngeo1468)
(Nature; Nature Geoscience - dapd, 10.05.2012 - NPO)
 
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