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Mittwoch, 18.01.2017
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Angst verbessert den Geruchssinn

Wahrnehmungsschwelle für potenziell bedrohliche Gerüche steigt

Das Gefühl der Angst verbessert unseren Geruchssinn. Wir nehmen dann Gerüche, die negatives signalisieren, wie der Geruch eines Gifts oder eines Kranken, deutlicher war. Das haben US-amerikanische Forscher in einem Experiment mit 14 Freiwilligen herausgefunden. Präsentierten sie ängstlichen Probanden verschiedene Gerüche in extrem geringer Konzentration, bemerkten diese die Anwesenheit eines negativen Geruchs schneller und besser als die weniger ängstlichen Teilnehmer. Gleichzeitig habe sich im Gehirn der ängstlichen Probanden auch die Kommunikation zwischen den Zentren der Wahrnehmung und der Gefühl erhöht, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Chemosensory Perception".
Nase - Sitz der Riechsinneszellen

Nase - Sitz der Riechsinneszellen

"Die Ergebnisse zeigen, dass Geruchssignale, die Gefahren anzeigen könnten, bei Angst verstärkt verarbeitet werden", schreiben Elizabeth Krusemark und Wen Li von der University of Wisconsin-Madison. Sowohl in der Gehirnaktivität als auch in anderen physiologischen Signalen habe man Hinweise auf diese verstärkte Reaktion gefunden. Nach Ansicht der Forscher könnte diese Reaktion ein Teil jenes Mechanismus sein, der bei Angst die Sinneseindrücke steigert. Gefühls- und Geruchszentren im Gehirn seien dann besonders eng verbunden und erhöhten so die Wachsamkeit des Gehirns für mögliche Gefahren.

Fauliger Geruch gegen neutrale Düfte


In ihrer Studie setzten die Wissenschaftler 14 junge Erwachsene drei unterschiedlichen Gerüchen aus: einer negativen Geruchsmischung, sowie zwei normalerweise als neutral empfundenen Duftstoffen. Als neutrale Gerüche dienten dabei unter anderem Anis- und Nelkenduft, als negativen Geruch wählten die Forscher Valeriansäure, die ähnlich wie Buttersäure unangenehm faulig riecht. Die Probanden sollten jeweils angeben, ob sie etwas rochen oder nicht.

Die Teilnehmer lagen während des Versuchs in einem funktionellen Magnetresonanztomografen (MRI), mit dem die Forscher ihre Gehirnaktivität aufzeichneten. Während des Scannings wurde auch der Atemrhythmus und die elektrische Leitfähigkeit der Haut gemessen, an beidem lässt sich ablesen, ob ein Mensch emotional erregt ist, also beispielsweise Angst empfindet. Außerdem batem die Forscher die Teilnehmer, ihr Angstlevel einzuschätzen.


Deutliche Unterschiede bei ängstlichen Probanden


"Die Genauigkeit, mit der die Teilnehmer negative Gerüche wahrnahmen, stieg systematisch mit ihrer Angst", berichten Krusemark und Li. Auch die Leitfähigkeit der Haut habe sich bei ängstlichen Probanden in Gegenwart der negativen Gerüche stärker verändert als ohne Duft oder mit neutralen Gerüchen. "Das zeigt auch eine stärkere emotionale Reaktion auf die potenziell bedrohlichen Geruchsreize an", sagen die Forscher. Auch die Gehirnaktivität im primären Zentrum für die Geruchswahrnehmung sei bei Angst erhöht.

Krusemark und Li gehen davon aus, dass die Wahrnehmung eines schlechten Geruchs dem Menschen die Gefahr einer giftigen Substanz in der Luft oder eines Krankheitserregers in einem verwesenden Objekt signalisieren kann. Die jetzt festgestellten Veränderungen in der Wahrnehmung könnten im Zustand der Angst dazu beitragen, solche Gefahrensignale besser zu erkennen als im ruhigen Zustand, meinen die Forscher. (doi: 10.1007/s12078-011-9111-7)
(University of Wisconsin-Madison, 23.03.2012 - NPO)
 
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