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Montag, 27.06.2016
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Lösungsmittel fördern Autismusrisiko beim Kind

Chemikalien-Belastung der Eltern am Arbeitsplatz schädigt möglicherweise Ungeborenes

Lacke, Farben und andere lösungsmittelhaltige Chemikalien könnten Autismus auslösen - nicht bei denen, die den Chemikalien in Kontakt kommen, aber bei deren Nachwuchs. Darauf deutet eine Pilotstudie US-amerikanischer Forscher hin. Eltern autistischer Kinder waren demnach häufiger hohen Lösungsmittelbelastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt als Eltern gesunder Kinder. Für mehrere chemische Verbindungen, darunter Lacken, Lackfarben und dem Lösungsmittel Xylol habe man Hinweise auf einen Zusammenhang mit vermehrten autistischen Störungen der Kinder gefunden. Diese Ergebnisse seien zwar erst vorläufig, aber eine nähere Untersuchung dieser möglichen Risikofaktoren sei ratsam, berichten die Forscher im Fachmagazin „Journal of Autism and Developmental Disorders“.
Warnzeichen für Chemikalien

Warnzeichen für Chemikalien

Die genauen Ursachen autistischer Störungen bei Kindern sind noch immer unklar. Zwar gibt es eine genetische Veranlagung für diese Entwicklungsstörung, aber schon seit längerem stehen auch Umweltschadstoffe im Verdacht, auslösend zu wirken. Nach Angaben der Forscher haben frühere Studien bereits erste Hinweise erbracht, dass Kinder mit Autismus häufig in Gegenden mit erhöhten Werten für leicht flüchtige Chlorverbindungen und Luftschadstoffe geboren wurden. Auch Pestizide könnten eine Rolle bei der Entstehung von autistischen Störungen spielen.

Lösungsmittelbelastung bei werdenden Müttern untersucht


Ob der Kontakt werdender Mütter mit Lösungsmitteln das Risiko für autistischen Nachwuchs erhöhe, habe man nun erstmals näher untersucht, sagen die Forscher. Dieser Kontakt könne sowohl durch die eigene berufliche Tätigkeit entstehen, aber auch durch Schadstoffe, die vom Partner an Kleidung, Schuhen oder Arbeitsmaterialien mit nach Hause getragen würden.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler 174 Familien untersucht, bei denen 93 Kinder autistische Störungen entwickelt hatten und 81 nicht. Die Eltern aus beiden Gruppen nahmen an Telefoninterviews teil, bei denen die Forscher die Belastung während der drei Monate vor der Schwangerschaft, sowie während der Schwangerschaft und bis zur Entwöhnung erfassten. Zusätzlich untersuchten Industrie-Hygieniker direkt die Belastungsniveaus der Eltern an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz.


Stärkere Belastung mit Lösungsmitteln am Arbeitsplatz


25 bis 30 Prozent der Eltern von Kindern mit Autismus berichteten, sie seien beruflich Lösungsmitteln, Farben oder Schmiermitteln ausgesetzt. Die Messungen der Industrie-Hygieniker ergaben für 10 bis 25 Prozent dieser Eltern Belastungen mit Farben, Desinfektionsmitteln und Xylol. Nach Angaben der Forscher gehörten viele dieser Chemikalien zu den Lösungsmitteln oder enthielten größere Mengen davon.

„Insgesamt ergänzen diese Ergebnisse die sich verdichtenden Hinweise, dass einzelne Belastungen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von autistischen Störungen spielen können“, sagt Erstautorin Erin McCanlies vom National Institute for Occupational Safety and Health in Morgantown. Allerdings sei die Studie nur mit einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Teilnehmern durchgeführt worden und daher nur bedingt beweiskräftig. „Zusätzliche Forschung ist erforderlich, um diese ersten Ergebnisse zu bestätigen und zu erweitern“, sagt McCanlies. (Journal of Autism and Developmental Disorders, 2012; doi: 10.1007/s10803-012-1468-1)
(Journal of Autism and Developmental Disorders / dapd, 14.03.2012 - NPO)