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Freitag, 26.08.2016
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Schichtarbeit erhöht Diabetesrisiko

Wahrscheinlichkeit steigt um fünf Prozent pro fünf Jahren Wechselschicht

Längere Phasen der Schichtarbeit erhöhen das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Das haben US-amerikanische Forscher in der bisher größten Langzeitstudie zu diesem Thema an insgesamt 180.000 Krankenschwestern festgestellt. Je länger die Frauen in Wechselschichten arbeiteten, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie Diabetes Typ 2 entwickelten. Je fünf Jahre Schichtarbeit entsprachen dabei jeweils einem Anstieg des Risikos um fünf Prozent, wie die Forscher im Fachmagazin „PloS Medicine“ berichten.
Blutzuckerspiegel-Messgerät mit Zubehör

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Viele der Frauen nahmen während der Schichtarbeitsphasen deutlich zu. Doch das ebenfalls als Risikofaktor geltende Übergewicht sei bei den fünf Prozent bereits herausgerechnet. „Nachdem wir das Gewicht in den Berechnungen berücksichtigt hatten, gab es bei Frauen mit 20 und mehr Jahren Schichtarbeit noch immer ein um 44 Prozent erhöhtes Risiko für Diabetes“, schreiben An Pan von der Harvard School of Public Health in Boston und seine Kollegen. Das deute darauf hin, dass sich die Schichtarbeit auch unabhängig von der Gewichtzunahme negativ auf das Erkrankungsrisiko auswirke.

Ergebnisse mit großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit


„Weil ein großer Teil der Bevölkerung in verschiedenen Schicht- und Wechselschichtsystemen arbeitet, haben diese Ergebnisse große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit“, meinen die Forscher. Es sei nun wichtig zu erforschen, wie man dem erhöhten Krankheitsrisiko dieser Berufstätigen am besten vorbeugen könne.

„Wir leben zunehmend in einer Gesellschaft, in der 24-Stunden-Tage und Sieben-Tage-Wochen die Regel sind. Es ist daher wenig realistisch, Schichtarbeit komplett abschaffen zu wollen“, schreiben Mika Kivimäki vom University College London und Kollegen in einem begleitenden Kommentar. Umso wichtiger sei es daher, Schichtarbeitern bei der gesundheitlichen Vorbeugung zu helfen, beispielsweise indem man sie über gesunde Lebensweise, Gewichtskontrolle und Frühwarnzeichen von Diabetes aufkläre.


Biologische Rhythmen geraten durcheinander


Nach Ansicht der Forscher könnten mehrere Mechanismen den Zusammenhang von Schichtarbeit und Diabetes erklären. Zahlreiche biologische Prozesse, von der Körpertemperatur über den Energiehaushalt bis zur Hormonproduktion, seien durch den Schlaf-Wach-Rhythmus und die innere Uhr gesteuert. „Das Arbeiten in Wechselschicht führt zu chronischen Abweichungen zwischen diesen inneren Rhythmen und dem tatsächlichen Schlaf-Wach-Verhalten“, schreiben Pan und seine Kollegen.

Langfristig führt diese chronische Verschiebung der Rhythmen unter anderem zu höheren Blutzucker- und Insulinwerten, sie hemmt die Ausschüttung des Fettabbauhormons Leptin und erhöht den Blutdruck, wie die Forscher berichten. Diese Faktoren könnten ihrer Ansicht nach die Entstehung von Diabetes begünstigen. Auch Schlafentzug und Schlafstörungen hätten sich in anderen Studien bereits als Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 erwiesen, sagen die Wissenschaftler.

Langzeitstudie an 180.000 Krankenschwestern


Für ihre Analyse hatten die Wissenschaftler die alle zwei bis vier Jahre erhobenen Daten zweier Langzeitstudien an US-amerikanischen Krankenschwestern, die sogenannten Nurses Health Studien, ausgewertet. Dadurch konnten sie die gesundheitliche Entwicklung von rund 180.000 Frauen über 18 bis 20 Jahre nachverfolgen. Die Frauen waren zum Zeitpunkt des Studienbeginns zwischen 25 und 42 Jahren alt und litten weder an Diabetes noch an Herz-Kreislauferkrankungen.

Im Laufe der Studienzeit entwickelten 10.126 Frauen Diabetes Typ 2. Dabei seien überproportional stärker diejenigen betroffen, die längere Zeit in Wechselschichten gearbeitet hätten, schreiben die Forscher. Um Verfälschungen durch Übergewicht, Ernährung, Zigarettenkonsum und andere Risikofaktoren für Diabetes auszuschließen, hatten die Wissenschaftler diese Faktoren bei ihrer Auswertung herausgerechnet. Das Diabetesrisiko erhöhte sich dadurch pro fünf Jahren Schichtarbeit nicht mehr um bis zu 18 Prozent, sondern nur noch um fünf Prozent. (PloS Medicine, 2011; doi:10.1371/journal.pmed.1001141)
(PloS Medicine / dapd, 08.12.2011 - NPO)
 
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