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Montag, 18.12.2017
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Gehirn verrät Größe des Facebook-Freundeskreises

Forscher ermitteln erstmals neuronalen Hintergrund von virtuellen Beziehungen

An unserer Gehirnstruktur lässt sich ablesen, wie groß unser Online-Freundeskreis bei Facebook und anderen sozialen Online-Netzwerken ist. Bei Menschen mit einem großen virtuellen Freundeskreis habe man mehr graue Substanz in drei Gehirnbereichen gefunden als bei Menschen mit nur wenigen Online-Freunden, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“. Die drei Gehirnregionen seien eng mit der sozialen Wahrnehmung und dem Personengedächtnis verknüpft. Sie unterschieden sich zudem von den Hinrarealen, die bei realen Bekanntschaften besonders stark aktiviert werden, sagen die Wissenschaftler.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

In vorhergehenden Studien hatten Forscher bereits Hinweise darauf gefunden, dass sich die Größe des Freundeskreises in der realen Welt in der Gehirnstruktur eines Menschen widerspiegelt. „Man nimmt an, dass das Volumen der Hirnrinde bestimmt, wie viele Beziehungen zu anderen Menschen ein Individuum simultan bewältigen und im Auge behalten kann“, erklären Erstautor Ryota Kanai vom University College London und seine Kollegen.

125 Testpersonen analysiert


Ob dies aber auch für virtuelle, über Facebook und andere Online-Medien gepflegte Netzwerke gelte, sei bisher unklar gewesen, berichten die Forscher. Jetzt habe man diese Frage an 125 Testpersonen mittels bildgebender Verfahren und Befragungen erstmals untersucht. „Unsere Ergebnisse demonstrieren, dass auch die Größe des sozialen Online-Netzwerks einer Person eng mit der Gehirnstruktur verbunden ist“, sagen Kanai und seine Kollegen.

Für die jetzt festgestellten Zusammenhänge seien theoretisch zwei Erklärungen möglich, sagen die Forscher. Zum einen könnten sich die Gehirnbereiche allmählich den Anforderungen eines größeren Freundeskreises angepasst haben. Zum anderen aber sei es möglich, dass Menschen mit dieser Gehirnstruktur von vornherein dazu neigten, einen größeren Bekanntenkreis zu bilden. Welche dieser Varianten zur beobachteten Korrelation geführt hätten, müsse nun noch weiter untersucht werden.


Untersuchung an Facebook-erfahrenen Studenten


Für ihre Studie führten die Forscher vier verschiedene Untersuchungen mit 125 Studenten des University College London durch. „Wir haben absichtlich vorwiegend studentische Teilnehmer ausgewählt, weil diese häufig auf den Webseiten sozialer Netzwerke aktiv sind“, erklären die Forscher. Die virtuellen und realen Freundeskreise dieser Studenten seien aber durchaus unterschiedlich groß.

Im Rahmen der Tests befragten die Wissenschaftler die Studenten unter anderem über die Anzahl ihrer Facebook-Freunde. Außerdem stellten sie Fragen nach Freuden und Bekannten im „echten“ Leben. Alle Teilnehmer unterzogen sich zudem einer Magnetresonanztomografie. Aus deren hochauflösenden Aufnahmen ermittelten die Forscher das Volumen und die Dichte verschiedener Bereiche der Hirnrinde.

Andere Gehirnbereiche für reale und virtuelle Freundeskreise


Die Studie habe auch Unterschiede zwischen realen und virtuellen Bekanntenkreisen ergeben, sagen die Forscher. Während bei Menschen mit großen Online-Netzwerken drei Gehirnbereiche im Schläfenlappen besonders ausgeprägt waren, sei bei Personen mit großen realen Netzwerken vor allem die rechte Amygdala vergrößert. Dieses Gehirnareal spielt eine wichtige Rolle unter anderem bei der emotionalen Bewertung von Situationen.

Einer der im Zusammenhang mit großen Facebook-Freundeskreisen besonders ausgeprägten Gehirnbereiche, der sogenannte rechte entorhinale Cortex, ist für das Zuordnen und Merken von Namen und Gesichtern verantwortlich. „Eine solches Personengedächtnis wäre eine wichtige Voraussetzung, um ein großes soziales Netzwerk aufrechterhalten zu können“, sagen die Forscher.

Die Unterschiede deuteten darauf hin, dass der Mensch reale und virtuelle Freundeskreise auf leicht unterschiedliche Weise verarbeite, sagen die Forscher. (Proceedings of the Royal Society B, 2011; DOI:10.1098/rspb.2011.1959)
(Proceedings of the Royal Society B / dapd, 19.10.2011 - NPO)
 
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