Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Scinexx-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 18.12.2014
Facebook-Leiste

Rätsel um Maya-Gelb gelöst

Indigo-Verbindungen verleihen Maya-Kunstwerken ihre gelbe Farbe

Bei den Maya galt Blau als Farbe der Götter. Maya-Blau besteht aus Indigo, das in Palygorskit, ein spezielles Tonmineral, eingebettet ist. Ein spanisches Forscherteam hat nun herausgefunden, dass auch eine Reihe gelber Farbtöne der Maya auf vergleichbaren Bestandteilen basiert.
Viele gelbe Pigmente in Maya-Kunstwerken bestehen aus Indigo-Verbindungen

Viele gelbe Pigmente in Maya-Kunstwerken bestehen aus Indigo-Verbindungen

Wie die Wissenschaftler um Antonio Doménech von der Universität Valencia in der Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten, scheinen die Maya eine Präparationsmethode entwickelt zu haben, die nicht auf Maya-Blau beschränkt war und heutige Synthesen organisch-anorganischer Hybridmaterialien vorweggenommen hat.

Besonderer Glanz und eigentümlicher Farbton


Maya-Blau ist so faszinierend, weil es einen besonderen Glanz und einen eigentümlichen Farbton zeigt, der von einem leuchtenden Türkis bis zu einem dunklen grünlichen Blau reicht. Die Maya verwendeten den Farbton für rituelle Zwecke, Kunstgegenstände und Wandmalereien – auch weil er nicht nur so kräftig und schön, sondern auch haltbar ist. Doch basiert die Farbe auf einer einzigartigen organischen Komponente, einer einzigartigen Weise der Verknüpfung der Moleküle oder gibt es eine einzigartige Prozedur zu ihrer Herstellung?

Doménech und sein Team stellen diese Hypothese in Frage. Sie vermuten, dass der Farbton vom Verhältnis zwischen Indigo und Dehydroindigo, dessen oxidierter Form, bestimmt wird. Dieses hängt davon ab, wie und wie lange die Maya ihre „Rezeptur“ erhitzten. Dabei könnten sich verschiedene Varianten der Anlagerungsverbindungen von Indigo-Verbindungen an das Mineral bilden. Die Forscher vermuten weiter, dass die Maya in der Lage waren, auch gelbe und grüne Farbstoffe auf der Basis von Indigo-Pigmenten herzustellen.

Gelbe Proben aus Maya-Wandmalereien untersucht


Mit spektroskopischen und mikroskopischen Methoden sowie der Voltammetrie, einem speziellen elektrochemischen Verfahren, das die Identifikation von Farbstoffen in Mikro- und Nanoproben von Kunstwerken erlaubt, untersuchten die Wissenschaftler eine Reihe gelber Proben aus Wandmalereien der Maya von verschiedenen archäologischen Stätten in Yucatán, Mexiko. Die Ergebnisse sprechen den Chemikern zufolge dafür, dass zumindest eine ganze Reihe gelber Pigmente in Wandmalereien der Maya aus Indigoiden bestehen, die an Palygorskit gebunden sind. Außerdem fanden sie Ocker.

Doménech und seine Kollegen halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Präparation solcher „Maya-Gelb“-Pigmente ein Zwischenschritt bei der Präparation von Indigo und Maya-Blau gewesen sind: Vermutlich wurden Blätter und Zweige von Indigo-Pflanzen in einer Suspension aus gelöschtem Kalk in Wasser eingeweicht und das grobe Material durch Filtrieren entfernt. Eine Portion der gelben Suspension könnte dann abgetrennt und Palygorskit zugegeben worden sein, um Maya-Gelb herzustellen.

Rühren und belüften


Die restliche Suspension wurde nach Ansicht der Forscher intensiv gerührt und belüftet, bis sie eine blaue Farbe angenommen hatte. Danach filtrierten und trockneten die Maya sie weiter, um Indigo abzutrennen, das zum Färben benutzt wurde. Durch Mahlen mit Palygorskit und Erhitzen wurde sie schließlich zu Maya-Blau verarbeitet. (Angewandte Chemie, 2011; http://dx.doi.org/10.1002/ange.201100921)
(Gesellschaft Deutscher Chemiker, 25.05.2011 - DLO)

Weitere News zum Thema

Video: Tierische Stars der Forschung 2014 (17.12.2014)
"Nature"-Video zeigt die zehn niedlichsten und skurrilsten Tiere des Jahres

Schmetterling des Jahres 2015 gekürt (28.11.2014)
Rotes Ordensband leidet unter dem Verschwinden der Auwälder

Verwehte CO2-Emissionen sichtbar gemacht (19.11.2014)
Hochaufgelöste Visualisierung zeigt, wie Emissionen von Luftströmungen verweht werden

Chemie-Nobelpreis für deutschen Mikroskopie-Pionier (08.10.2014)
Stefan Hell wird gemeinsam mit zwei US-Forschen für neue Fluoreszenz-Mikroskopie ausgezeichnet

Verschränkte Photonen im Dreierpack (15.09.2014)
Erste Tripletts mit verschränkter Polarisation eröffnen neue Anwendungsmöglichkeiten