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Dienstag, 06.12.2016
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Mensch trug erste Kleider schon vor 170.000 Jahren

Analysen von Kleiderlaus-Evolution versetzt Beginn der Kleidung um fast 70.0000 früher

Unsere Vorfahren trugen bereits Kleidung, lange bevor sie aus Afrika auswanderten: Die Abspaltung der Kleiderlaus von der Kopflaus zeigt, dass der moderne Mensch schon vor 170.000 Jahren die Vorteile der Kleidung für sich entdeckte. Das ist fast 70.000 Jahre früher als bisherige Schätzungen und als der Beginn der Besiedelung anderer Erdteile durch den Homo sapiens.
Männliche Kleiderlaus Pediculus humanus var. corporis

Männliche Kleiderlaus Pediculus humanus var. corporis

Wann begann der moderne Mensch zum ersten Mal Kleidung zu tragen? Wann lernte er, Pelze erlegter Tiere als wärmenden Umhang oder Gewebe aus Pflanzenfasern als schützende Hülle zu nutzen? Um das herauszufinden, müssen Anthropologen indirekte Methoden nutzen, denn Reste von Kleidung sind über die zehntausende von Jahren längst zersetzt. Wissenschaftler nutzen daher einen auf den Menschen spezialisierten Parasiten, die Kleider- und die Kopflaus, Kleiderlaus, um das Alter der ersten Kleider abzuschätzen.

Evolution der Kleiderläuse als Indiz


Bereits 2003 nutzten Forscher des Max-Planck Instituts für Anthropologie in Leipzig genetische Untersuchungen an Läusen, um den Zeitpunkt der ersten Kleidung auf etwa 107.000 Jahre zu schätzen. Jetzt jedoch haben Wissenschaftler der Universität von Florida basierend auf neuen Daten und Kalkulationsmethoden eine neue, davon abweichende Schätzung vorgelegt. Die Studie ist im Fachmagazin „Molecular Biology and Evolution” erschienen.

Sie ermittelten anhand von DNA-Analysen, wann sich die Linien der Kopf- und Kleiderläuse voneinander trennten. Da die Abspaltung der Kleiderlaus von der Kopflaus direkt mit der Entwicklung der menschlichen Kleidung verknüpft ist, spiegeln genetische Veränderungen des Insekts Veränderungen an ihrem Wirt wieder. „Wir wollten eine andere Methode finden um festzustellen, wann Menschen zum ersten Mal angefangen haben Kleidung zu tragen”, erklärt David Reed, Säugetierkurator am Florida Museum of Natural History. „Wir wissen, dass Kopfläuse oder Kleiderläuse fast mit Sicherheit nicht existierten, bevor Menschen die Kleider erfanden, weil sie so gut an Kleidung angepasst sind.“


Kleidung schon vor 170.000 Jahren


Die neuen Daten deuten darauf hin, dass der Mensch bereits 70.000 Jahre vor seinem Auszug aus Afrika begann, Kleidung zu tragen. Das aber bedeutet nicht nur, dass die ersten Kleider bereits 170.000 Jahre alt sind, es zeigt auch, dass diese Errungenschaft unabhängig von dem Besiedeln kälterer Klimaregionen und höherer Breiten vonstatten ging.

„Das Ergebnis dieser Studie gibt uns ein unerwartet frühes Datum für den Beginn der Bekleidung – viel älter als die frühesten archäologischen Belege dafür. Aber dies macht durchaus Sinn“, erklärt Ian Gilligan von der Australian National University. „Es deutet darauf hin, dass der modernen Mensch wahrscheinlich begann, regelmäßig Kleidung zu tragen, als er mit den Bedingungen der Eiszeit konfrontiert war.“ In diesem Falle wäre allerdings nicht die letzte Eiszeit gemeint, die erst vor 120.000 Jahren begann, sondern die vorletzte, die Saale- oder Riss-Kaltzeit. Sie begann vor rund 230.000 Jahren und dauerte bis vor etwa 130.000 Jahren an.

Hundertausende von Jahren ohne Fell und ohne Kleidung


Die neuen Erkenntnisse bedeuten auch, dass der Trend zur Bekleidung lange nach dem Verlust einer dichten Körperbehaarung erfolgte. Genetischen Analysen zufolge entwickelte sich der „nackte“ Mensch bereits vor rund einer Million Jahren. „Es interessant sich vorzustellen, dass der Mensch in Afrika Hunderttausende von Jahren ohne Fell und ohne Kleidung überlebte“, so Reed. „Erst als sie bereits Kleidung hatten, begannen die modernen Menschen aus Afrika in andere Teile der Erde auszuwandern.“
(University of Florida, 11.01.2011 - NPO)
 
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