Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 24.05.2012
Artenvielfalt: Klimawandel bedroht Spezialisten
Entstehung neuer Lebensgemeinschaften wirkt sich unterschiedlich aus
Der Klimawandel trifft nicht alle Arten gleich: Während sich die positiven Effekte auf Generalisten beschränken, könnte die Kombination aus Klimawandel und fremden Arten zu einer Gefahr für spezialisierte einheimische Arten werden, berichtet jetzt ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Biological Reviews“.

Honigbiene auf Blüte
Honigbiene auf Blüte
© André Künzelmann/ UFZ Honigbiene auf Blüte
Die Bestäubung von Pflanzen durch Insekten ist eine Schlüsselfunktion im Ökosystem und damit Basis für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Etwa 60 bis 80 Prozent der Wildpflanzen und 35 Prozent der weltweiten Agrarproduktion hängen davon ab. Insekten erbringen so durch die Bestäubung von Agrarpflanzen einen geschätzten ökonomischen Nutzen von etwa 150 Milliarden Euro pro Jahr. Doch wie wird sich dies im Zuge des Klimawandels verändern? Das haben jetzt Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) untersucht.

Bestäuber entscheidend
Für ihre Überblicksstudie werteten sie mehr als 200 wissenschaftliche Publikation aus, in denen die Veränderungen von Ökosystemen, insbesondere aber der Populationen von bestäubenden Insekten untersucht worden waren. Die Haupterkenntnis dabei: Die einzelnen Tier- und Pflanzenarten unterscheiden sich in ihren Ansprüchen an die Umwelt, selbst wenn sie gemeinsam vorkommen. Deshalb werden sie auch individuell auf den Klimawandel reagieren. Es kommt daher nicht zu einer synchronen Reaktion ganzer Lebensgemeinschaften, sondern zur Entstehung neuer Kombinationen von Arten.

So wird der Klimawandel das Zusammenspiel zwischen einheimischen Pflanzen und Tieren wahrscheinlich stören, indem es zu zeitlichen und räumlichen Verschiebungen zwischen Blütenpflanzen und deren Bestäubern kommt. Fremde Arten können zwar teilweise die verloren gegangenen Beziehungen ersetzen, Arten können sich anpassen oder andere Arten die Funktion übernehmen. Dennoch sind solche Puffer begrenzt und können die Verluste nur zum Teil ausgleichen.

Unterschiedliche Reaktion auf fremde Arten
Solche neue Lebensgemeinschaften werden sich dadurch auszeichnen, dass bereits etablierte Beziehungen zwischen Blütenpflanzen und deren Bestäubern auf vielfältige Weise verloren gehen aber auch vollkommen neue entstehen können. Hier können gebietsfremde Arten eine bedeutende Rolle spielen, da sie verlorengegangene Bestäuberfunktionen ersetzen können oder Resourcen in kritischen Zeiten für die Bestäuber bereitstellen können.

„Wie sich solche neue Lebensgemeinschaften aber generell auf die Bestäubung von Blütenpflanzen auswirken werden ist noch schwer zu sagen“, erklärt Oliver Schweiger vom UFZ. „Fest steht jedenfalls, dass generalistische Arten, wie zum Beispiel Pflanzen die von vielen relativ unspezifischen Insekten bestäubt werden oder Bestäuber die eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen nutzen können, weniger vom Klimawandel bedroht sind als spezialisierte Arten, die nur mit wenigen, besonders angepassten Arten interagieren können. Die oft negativen direkten Einflüsse des Klimawandels auf einzelne Arten können somit in vielen Fällen von weiteren indirekten Effekten über deren Interaktionspartner verstärkt werden.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Klimawandel, Artenvielefalt, Ökosystem, Spezialisten, Lebensgemeinschaft, Invasion, Biodiversität, globale Erwärmung, Biologie, Bestäuber, Insekten, Pflanzen, Landwirtschaft
Weitere News zum Thema
Klimawandel bedroht Seegraswiesen im Mittelmeer (22.05.2012)
Einzigartige Lebensgemeinschaft könnte bis 2050 aussterben
Mensch trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei (21.05.2012)
Veränderte Grundwassernutzung ist Hauptgrund für den Effekt
Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen (18.05.2012)
Luftschadstoffe haben einen stärkeren Effekt als die Treibhausgase
Klimawandel ist zu schnell für viele Säugetiere (15.05.2012)
Jede zehnte Art kann der Verlagerung ihres Lebensraums nicht folgen
Warme Meeresströmung bedroht zweitgrößtes Schelfeis der Antarktis (10.05.2012)
Unterseite der Gletscherausläufer könnte bis 2100 rapide schmelzen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Klimafolge Artensterben
Verlierer Mensch?
Klimawandel in Deutschland
Dossiers zum Thema
Das große Sterben
Wie reagiert die Natur auf den Klimawandel?
Klimawandel in Deutschland
Wie verändert sich unser Klima bis 2100?
Verlierer Mensch?
Folgen des Klimawandels für die menschliche Gesellschaft
Geo-Engineering
Klima-Manipulation im Großlabor Erde
„Climategate“
Ein Super-GAU der Klimaforschung und die Folgen
Gebirge als Lebensraum
Bedeutung und Bedrohung
News des Tages
Geminiden liefern Schauspiel am Nachthimmel
„Unmögliches” Planetensystem gibt Rätsel auf
Kinderspielzeug zu hoch belastet
Artenvielfalt: Klimawandel bedroht Spezialisten
Entdeckung wirft neues Licht auf Strahlenschäden
Überleben bei Sauerstoffmangel: Geheimnis der Mulle geknackt
Klimawandel: Weniger Lawinen in tieferen Hanglagen
Bücher zum Thema
Wetter, Klima und Klimawandel
Wissen für eine Welt im Umbruch von Nadja Podbregar, Harald Frater und Karsten Schwanke
Warum der Eisbär einen Kühlschrank braucht
... und andere Geheimnisse der Klima- und Wetterforschung von Mojib Latif
Eine unbequeme Wahrheit
von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer
Ende der Artenvielfalt?
Gefährdung und Vernichtung der Biodiversität von Josef Reichholf
Top-Clicks der Woche
1. Risiko für nuklearen GAU größer als gedacht
2. Stress macht Männer sozialer
3. Feste Essenszeiten wirken Übergewicht und Diabetes entgegen
4. Gelähmte steuert Roboterarm mit ihren Gedanken
5. Ruß und Ozonsmog verstärken die Wanderung der Klimazonen