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Donnerstag, 08.12.2016
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Meer: Volkszählung enthüllt 20.000 neue Arten

Census of Marine Life legt Ergebnisse aus zehn Jahren Arbeit vor

Heute stellen Wissenschaftler nach zehn Jahren Arbeit die Ergebnisse einer „Volkszählung“ in den Meeren weltweit vor. Von ölschluckenden Würmern über blinde Hummer bis hin zu wimmelndem Leben in der vermeintlichen Ödnis der Tiefsee: Die 2.000 Forscher aus 82 Ländern haben im so genannten Census of Marine Life rund 20.000 neue Arten entdeckt. Ziel des Projektes war es, die Artenvielfalt des bis dahin zu 95 Prozent unerforschten Lebensraums Ozean so vollständig wie möglich zu erfassen.
Leben im Meer

Leben im Meer

„Wir wissen auch nach zehn Jahren Forschung zum Census immer noch verschwindend wenig. Die Tiefsee ist das größte Ökosystem der Welt. Von den 512 Millionen Quadratkilometern Erdoberfläche sind rund 350 Millionen Tiefseegebiete. Das alles genau zu erforschen, ist schlicht unmöglich. Denn die Bedingungen sind ja enorm erschwert. Die Gesamtfläche unserer Untersuchungen beträgt in etwa die Fläche von ein paar Fußballfeldern. Doch allein dieser kleine Einblick zeigt schon, dass die Tiefen der Ozeane eine enorme Artenvielfalt beherbergen“, sagt Professorin Angelika Brandt, Meeresforscherin vom Zoologischen Museum der Universität Hamburg, im Interview mit dem Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung. Sie hat mehrere wissenschaftliche Untersuchungen in der Antarktis im Rahmen des Census geleitet.

25 repräsentative Meeresregionen untersucht


Insgesamt 25 repräsentative Meeresregionen haben die Forscher in ihrer Volkszählung in den Meeren Meere für die Berechnungen herangezogen. Die Daten, auf denen die Studie fußt, stammen aus spärlichen, ungleich verteilten Stichproben. Die Ozeane sind riesig. Sie nehmen 71 Prozent der Erdoberfläche ein. Die Daten der oberen Schichten sind relativ zahlreich. Je tiefer, desto rapider sinkt jedoch die Datenmenge.

Laut Census kennen wir nicht einmal ein Viertel der Meeresbewohner. Doch so wenig man auch weiß, soviel steht fest: Je tiefer desto höher die Artenvielfalt, weiß Brandt. Gemeinsam mit einem internationalen Team holte sie 2007 bei einer Forschungsexpedition 674 verschiedene Arten allein von Isopoden, asselartigen Krebstieren, aus der Antarktischen Tiefsee. 585 davon waren der Wissenschaft neu.


Artenreichtum der Meere in Gefahr


Doch dieser Artenreichtum der Meere wird nach Angaben der Meeresforscher tagtäglich durch Grundschleppnetze, Abbau von Bodenschätzen, Überdüngung und Klimawandel zerstört. Die Ergebnisse des Census zeigen auch, wie dringend notwendig Schutzmaßnahmen weltweit sind. Dazu gehören laut der Forschung zum einen nachhaltigere Wirtschaftsweisen wie Fischfang, also geringere Fangquoten, Regelungen, die den Beifang verringern, aber auch die Einrichtung von Meeresschutzgebieten.

Letzterem wollen sich Ende Oktober 2010 in Nagoya die UN-Vertragsstaaten der Convention on Biological Diversity (CBD) widmen. Doch hier eine Regelung zu finden ist gar nicht so einfach, denn 64 Prozent der Ozeanfläche befinden sich außerhalb der Wirtschaftszonen von Staaten und gehören somit allen und niemandem. Genutzt werden solche Regionen deshalb gern von allen Seiten.

„X Prozent“ als Ziel


Doch wer soll den Schutz, sprich die Kontrolle künftiger Schutzgebiete übernehmen, wenn Kosten und Verantwortung anfallen? Außerdem hat die CBD bisher keine Befugnis für Regelungen außerhalb der Mitgliedsstaaten. Diese müssten also, meinten sie es ernst, die Satzung der CBD ändern.

Doch Vorbehalte werden schon aus dem bei der COP diskutierten Ziel im Strategischen Plan deutlich. Bis 2020 sollen „X Prozent“ der Meeresoberfläche Schutzgebiete sein. Zu einer konkreten Zahl konnte man sich im Gegensatz zu terrestrischen Schutzgebieten im Vorfeld nicht durchringen. Aus den Verhandlungen früherer Jahre steht jedoch eine Zahl von sechs Prozent im Raum.

Erste Hochseeschutzgebiete kommen


Am 24. September hat das Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks OSPAR die Einrichtung der weltweit ersten sechs Hochseeschutzgebiete mit der Gesamtfläche von 285.000 Quadratkilometer bekannt gegeben.

Sie sollen im Bereich der Charlie Gibbs-Bruchzone eingerichtet werden. Diese befindet sich nördlich der Azoren, einem Teil des Mittelatlantischen Rückens, der West- und Ostatlantik trennt. Die Region ist ein beliebtes Wale-Watch-Gebiet für Touristen. Es finden sich dort bedrohte Fischarten wie beispielsweise der Kaiserbarsch.

Geht man weiter in die Tiefe, stößt man auf Tiefseekorallen, Anglerfisch und weitere seltene Arten, die durch starke Sand- und Kiesförderung, Tiefseeschleppnetze, Seekabelverlegung und militärische Aktivitäten bedroht sind.
(idw - Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung, 04.10.2010 - DLO)
 
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