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Samstag, 11.02.2012
Kernkraftwerke laufen länger – bis zu 14 Jahre
Regierungskoalition beendet Atomstreit
Die schwarz-gelbe Regierungskoalition hat sich gestern Abend beim so genannten Atomgipfel im Kanzleramt auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke geeinigt. Danach dürfen ältere Anlagen acht Jahre länger am Netz bleiben als bislang vorgesehen, jüngere sogar 14 Jahre.

Atomkraftwerk Brunsbüttel
Atomkraftwerk Brunsbüttel
© Alois Staudacher / GFDL Atomkraftwerk Brunsbüttel
Wie Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle in einem Pressestatement bekannt gaben, müssen die Energiekonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall jedoch eine jährliche Atomsteuer in Höhe von 2,3 Milliarden Euro entrichten. Diese gilt für die Jahre 2011 bis 2016. Hinzu kommen zudem Sonderzahlungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien, die sich auf mehrere hundert Millionen Euro jährlich belaufen sollen.

Während sich die Regierungsparteien zufrieden mit der nun gefundenen Lösung im monatelangen Streit zeigten, kündigten Opposition und Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace energischen Widerstand gegen die Pläne an.

Greenpeace: Atommüllmenge würde sich verdreifachen
Zuvor hatte Greenpeace bereits neue Berechnungen vorgelegt, wie sich Laufzeitverlängerungen von zehn oder 15 Jahren auf das Jahr der Abschaltung, die Gesamtlaufzeit der einzelnen AKWs und die anfallenden Müllmengen auswirken würden.

„10 oder 15 Jahre Laufzeitverlängerung - das klingt harmlos, ist es aber nicht. Das moderat zu nennen, ist Betrug“, sagt Tobias Riedl, Atomexperte von Greenpeace. „Noch unsere Urenkel werden mit den Risiken uralter Atommeiler leben müssen, vom ungeklärten Problem mit den enormen Atommüllbergen ganz zu schweigen. Bundeskanzlerin Merkel hat bei ihrer Vereidigung geschworen, Schaden von Deutschen Volke abzuwehren. Mit der Laufzeitverlängerung bricht sie ihren Schwur und schadet Deutschland. Eine Laufzeitverlängerung ist ein reines Geldgeschenk an die Konzerne."

650 Castoren mit über 6.000 Tonnen hochradioaktivem Müll
Nach Angaben von Greenpeace würden bei einer Laufzeitverlängerung von zehn Jahren ab jetzt noch über 6.000 Tonnen hochradioaktiver Atommüll anfallen, das entspräche 650 Castoren. Beim jetzt gültigen Atomausstieg würde es nur noch zu 2.000 Tonnen Atommüll kommen, zwei Drittel weniger.

Eine Laufzeitverlängerung von 15 Jahren würde der Umweltschutzorganisation zufolge sogar zu mehr als 8.000 Tonnen Atommüll führen. Der letzte Atommeiler würde dann erst im Jahr 2064 vom Netz gehen, er wäre dann 78 Jahre alt. Damit würde er doppelt so lange laufen, wie nach dem jetzigen Atomausstieg vorgesehen. Eigentlich sollte voraussichtlich 2027 der letzte Meiler abgeschaltet werden, im Alter von 39 Jahren.

Szenario: Älteste Atomkraftwerke schnell vom Netz
Der Berechnung hat Greenpeace ein Szenario zu Grunde gelegt, wonach die sieben ältesten Atomkraftwerke plus dem „Pannenmeiler“ Krümmel schnell vom Netz genommen werden, weil sie nicht rentabel gegen einen möglichen Flugzeugabsturz abgesichert werden können. Ihre entsprechend größeren Reststrommengen könnten dann auf andere AKWs übertragen werden.

„Anhand dieser Zahlen kann man wohl kaum behaupten, dass es sich hierbei um eine moderate Laufzeitverlängerung handelt, bei der die Bundesländer nicht zustimmungspflichtig wären“, so Riedl. Greenpeace fordert, schon bis 2015 aus der riskanten Atomkraft auszusteigen. „Wir brauchen einen gemeinsamen Kraftakt von Industrie, Politik und Bevölkerung, damit Deutschland so schnell wie möglich ins regenerative Zeitalter gelangen kann. Das würde dem weltweiten Klima und der deutschen Wirtschaft helfen, und damit uns allen zu Gute kommen.“
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