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Dienstag, 07.02.2012
Stimmtest verrät Parkinson schon im Frühstadium
Neue Software könnte Diagnose um Jahre nach vorne verschieben
Ein von israelischen Forschern neu entwickelter Stimmtest erkennt schon kleinste krankhafte Veränderungen in der Sprache. Er könnte daher die Früherkennung von Parkinson und damit auch die Therapiechancen der Betroffenen entscheidend verbessern. Schon ein paar gesprochene Sätze reichen dem Programm, um die verräterischen Veränderungen zu identifizieren.

Visualisierung eines Sprachmusters
Visualisierung eines Sprachmusters
© Universität Haifa Visualisierung eines Sprachmusters
Typische Symptome für eine Parkinson-Erkrankung sind Muskelsteifigkeit, Zittern, eine Verlangsamung der Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen. Genau diese Symptome sind es daher auch, die Ärzte und Patienten erst auf die mögliche Diagnose Parkinson aufmerksam machen. Als Folge werden viele Betroffene erst relativ spät diagnostiziert – oft zu spät, um die bereits zerstörten Gehirnbereiche noch zu retten. Meist sind dann schon 60 Prozent der Nervenzellen für die motorische Kontrolle bereits zerstört, die Therapie kann solche Schäden nicht mehr rückgängig machen.

Sprachveränderungen als frühes Warnsignal
Doch es gibt noch einen Bereich, in dem sich eine beginnende Parkinsonerkrankung äußert: die Sprache. Denn auch die Muskeln, die Stimme und Artikulation kontrollieren, sind vom Abbau der Gehirnzellen betroffen. Es gibt inzwischen Hinweise darauf, dass sich Veränderungen an der Sprache schon in einem sehr viel früheren Stadium zeigen und möglicherweise messen lassen, als die „klassischen“ Bewegungsstörungen. Bisher allerdings existierten keine akustischen Tests, die ausgereift genug sind, um diese Veränderungen zu identifizieren.

Individuelle Unterschiede verwirrten bisherigen Tests
„Die existierenden akustischen Tests konnten die signifikanten Unterschiede in der Sprachartikulation zwischen Individuen mit frühem Parkinson und gesunden Personen nicht erkennen, selbst wenn diese Unterschiede sogar schon für normale Zuhörer deutlich herausstachen“, erklärt Shimon Sapir, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Haifa. „Diese Unfähigkeit hängt mit der relativ großen Variation zwischen den Sprachsignalen verschiedener Sprecher zusammen.“ Die individuellen Sprachunterschiede schon bei gesunden Menschen machen es für bisherige Programme quasi unmöglich, aus dieser Bandbreite gezielt die krankhaften Signale herauszufiltern und zu erkennen.

Ein paar Sätze reichen
Jetzt aber haben die Forscher der Universität Haifa gemeinsam mit amerikanischen Kollegen ein Programm entwickelt, das genau dies leisten kann. „Für diese nicht-invasive, verlässliche und akkurate Technik muss der Patient nur ein paar einfache Sätze laut vorlesen“, erklärt Sapir. Eine Software übernimmt dann die Auswertung. Die Leistungsfähigkeit des Stimmtests untersuchten die Forscher an zwei Gruppen von Probanden, gesunden Personen und Personen mit Parkinson im Frühstadium. Beide mussten jeweils eine Reihe von Sätzen laut vorlesen, die dann der akustischen Analyse unterzogen wurden.

Krankhafte Veränderungen identifiziert
Die Auswertung zeigte klare Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Auch ein weiterer Test mit Parkinsonpatienten in unterschiedlichen Krankheitsstadien und einer gesunden Kontrollgruppe verlief erfolgreich: Die Software schaffte es auch hier, die Parkinson-Erkrankten zuverlässig von den Gesunden zu unterscheiden. In einem zusätzlichen Test in einer deutschen Klinik nutzten Mediziner das System bereits erfolgreich, um Personen mit diagnostiziertem Parkinson im Frühstadium zu identifizieren.

Frühe Diagnose wichtig
„Ärzte und Wissenschaftler sind sich einig, dass die frühe Diagnose von Parkinson wichtig ist um den degenerativen Prozess der Krankheit zu verlangsamen oder sogar zu verhindern“, erklärt Sapir. „Es gibt heute noch keine Behandlung, die dies leisten kann, wenn sie aber verfügbar wird, ist eine frühe Diagnose entscheidend. Es gibt zwar mehrere bildgebende Verfahren um frühe Anzeichen für Parkinson im Gehirn aufzuspüren, aber diese Methoden sind teuer, vor allem wenn eine große Population gescreent werden soll.“

Der Forscher hält hier einfache, billige Methode wie den Stimmtest für eine sehr vielversprechende Ergänzung. Er betont jedoch, dass noch weitere Studien durchgeführt werden müssen, um die neuen Methode gründlich zu testen. Auch müsse dieser Stimmtest immer Teil einer ganzen Reihe weiteren diagnostischen Kriterien und Tests sein.
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