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Sonntag, 22.10.2017
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Männer mit wenig Testosteron sterben früher

Hormonmangel bei Männern fördert Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen

Wissenschafter haben einen Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon Testosteron und der Sterblichkeit von Männern nachgewiesen: Männer mit einem niedrigeren Testosteronspiegel werden weniger alt und leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das zeigt die Auswertung einer Langzeitstudie an 2.000 Probanden. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Fachzeitschrift „European Heart Journal" erschienen.
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Testosteron

Testosteron

Testosteron ist als wichtigstes männliches Sexualhormon für viele körperliche und psychische Vorgänge beim Mann verantwortlich. Es wird in den Hoden produziert und fördert nicht nur Libido und Muskelaufbau, sondern auch den Bartwuchs und aggressive Vehraltensweisen. Aber welche Rolle spielt es für die Gesundheit? Mit Hormon- und Stoffwechselerkrankungen und den Zusammenhang zwischen dem männlichen Sexualhormon Testosteron und Fragen der Gesundheit des Mannes haben sich jetzt Mediziner der Universität Greifswald um Professor Matthias Nauck und Kollegen aus der Kardiologie und Gesundheitsforschung befasst, gemeinsam mit weiteren Forschern der Universität Erlangen-Nürnberg.

Hormone und Gesundheit von 2.000 Probanden ausgewertet


Als Basis für die Studie dienten die Untersuchungsdaten und Blutproben der seit über zehn Jahren laufenden Greifswalder Bevölkerungsstudie "Gesundheit in Vorpommern" (SHIP) mit über 4.000 Probanden und mittlerweile drei Untersuchungswellen. Wissenschaftler aus aller Welt nutzen den Datenschatz, um tiefere Einblicke in medizinische Probleme zu bekommen und Antworten auf brennende Gesundheitsfragen zu finden. Für die Testosteron-Studie wurden die Untersuchungsergebnisse von den rund 2.000 männlichen Teilnehmern von SHIP analysiert.

Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Labormedizinern, Hormonexperten und Epidemiologen, setzte für die Auswertungen auch modernste analytische Verfahren ein. Mittels der NMR-Spektroskopie kann beispielsweise die gesamte Stoffwechselsituation eines Probanden eingeschätzt werden. „Die Magnetische Resonanzspektroskopie in der Labormedizin ermöglicht ein molekulares Abbild aus entnommenen Körperflüssigkeiten", erläutert Institutsdirektor Nauck. „Damit können neuartige Einblicke in den menschlichen Stoffwechsel und auftretende Störungen gewonnen sowie individualisierte Therapieansätze erschlossen werden."


Kränker mit weniger Testosteron


Die Ergebnisse zeigen, dass eine erniedrigte Testosteronkonzentration häufig mit Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen und einer Leberverfettung verknüpft sind. Niedrige Testosteronspiegel führen daher zu einer vermehrten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und erhöhten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich. Zudem zeigte sich, dass ein niedriger Testosteronspiegel für die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes mit verantwortlich ist. "Diese hormonbedingten Stoffwechselstörungen sind bei Männern zu einem frühen Tod verknüpft", erklärt Professor Henri Wallaschofski. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben.

Testosteronmangel meist altersbedingt


„Da der demographische Wandel und die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft auch vor dem 'starken' Geschlecht nicht Halt machen, sind altersbedingte Erkrankungen beim Mann auf dem Vormarsch", erklärte der Endokrinologe. „So ist bekannt, dass die Testosteronkonzentration mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich sinkt."

Bei 15 bis 20 Prozent der untersuchten Männer über dem 50. Lebensjahr wurde im Rahmen von SHIP eine erniedrigte Testosteronkonzentration nachgewiesen. „In Zukunft wird die hormonelle Vorsorge beim reifen Mann genauso selbstverständlich werden wie bei der Frau", ist Wallaschofski überzeugt. "Die Einstellung des Hormonspiegels ist bei medizinisch gesichertem Bedarf medikamentös möglich."

Nauck kündigte an, die Untersuchungen im Rahmen des zentralen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 15,4 Mio. Euro geförderten Greifswalder Forschungsprojektes der "Individualisierten Medizin" fortzusetzen. „Die Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Kardiologen, Gynäkologen und Fachärzten der Klinik für Psychiatrie wird den Einfluss von Sexualhormonen auf Stoffwechselerkrankungen weiter im komplexen Zusammenhang untersuchen. Ziel ist es, eine individuelle Diagnostik mit Risikoanalyse, Lebensstilberatung und Therapie zu etablieren und einen wissenschaftlichen Schwerpunkt für Andrologie am Universitätsklinikum zu entwickeln." Die Andrologie (Männerkunde) widmet sich den gesundheitlichen Fortpflanzungsfunktionen des Mannes.
(Universität Greifswald, 07.04.2010 - NPO)
 
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