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Montag, 16.01.2017
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Europäische Männer stammen von eingewanderten Steinzeit-Bauern ab

Bauern aus dem Nahen Osten brachten vor 10.000 Jahren die Landwirtschaft nach Europa

80 Prozent der europäischen Männer stammen von steinzeitlichen Bauern ab, die vor rund 10.000 Jahren aus dem Nahen Osten nach Europa einwanderten. Das zeigt eine jetzt in der Fachzeitschrift „PloS Biology“ veröffentlichte Genstudie am Y-Chromosom. Sie belegt, dass sich die Bauernkultur nicht durch reinen Ideentransfer, sondern durch Einwanderer ausbreitete.
Ackerbau breitete sich in Europa vor rund 10.000 Jahren aus

Ackerbau breitete sich in Europa vor rund 10.000 Jahren aus

Die Erfindung der Landwirtschaft ist die vielleicht wichtigste kulturelle Errungenschaft in der Geschichte des modernen Menschen. Erst die dadurch steigende Nahrungssicherheit führte zur Entwicklung von sesshaften Gesellschaften und Hochkulturen. In Europa breitete sich die Landwirtschaft ausgehend vom fruchtbaren Halbmond entlang der Ostküste des Mittelmeeres nach Norden hin aus. Aber geschah diese Ausbreitung nur durch Mitteilung von Ideen und Fertigkeiten, oder waren es die Bauern selbst, die aus dem Nahen Osten einwanderten und ihr Wissen mitbrachten?

Genlinie auf dem Y-Chromosom verglichen


Eine neue Studie wirft nun Licht auf diese bisher strittige Frage. Um herauszufinden, ob wirklich einwandernde Bauern Träger der Farmerkultur waren, analysierten Forscher der Universität von Leicester gezielt das Genom des Y-Chromosoms. Sie verglichen die Zusammensetzung dieses nur über die männliche Linie weitervererbten Erbguts in 840 Männern aus ganz Europa, um anhand der Unterschiede Rückschlüsse auf die Verwandtschaftsverhältnisse der regionalen Populationen ziehen zu können.

„Wir konzentrierten uns dabei auf die häufigste Y-Chromosomen-Linie in Europa, die von rund 110 Millionen Männern getragen wird“, erklärt Professor Mark Jobling von der Universität von Leicester. Diese so genannte Haplogruppe R1b1b2 galt bisher als in der Altsteinzeit entstanden. „Sie folgt einem Gradienten von Südosten nach Nordwesten und erreicht in Irland eine Häufigkeit von nahezu 100 Prozent. Wir untersuchten, wie diese Genlinie verbreitet ist, wie sie sich in verschiedenen Teilen Europas unterscheidet und wie alt sie ist.“


Ausbreitung von Ackerbau, der Haplogruppe R1b1b2, und Übereinstimmungsrate in den Sequenzen (Varianz der Mikrosatelliten)

Ausbreitung von Ackerbau, der Haplogruppe R1b1b2, und Übereinstimmungsrate in den Sequenzen (Varianz der Mikrosatelliten)

Ausbreitung zeitgleich mit Landwirtschaft


Entgegen bisherigen Annahmen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich diese Genlinie nicht in der Altsteinzeit ausbreitete, sondern erst in der Jungsteinzeit, vor rund 10.000 Jahren. Die Richtung der Ausbreitung lässt sich dabei aus den schrittweisen Mutationen herauslesen, sie folgt ziemlich genau dem Muster der Ausbreitung der Landwirtschaft aus dem Nahen Osten nach Nordwesten. Für die Wissenschaftler belegt dies, dass der Transfer der Bauernkultur nicht rein durch Kommunikation, sondern durch die Bauern selbst erfolgt sein muss.

80 Prozent der Männer stammen von steinzeitlichen Bauern ab


„Insgesamt bedeutet dies, dass mehr als 80 Prozent der europäischen Y-Chromosomen von einwandernden Bauern stammen“, so Patricia Balaresque, Erstautorin der Studie. „Im Gegensatz dazu scheinen die meisten mütterlichen Genlinien von Jägern und Sammlern abzustammen.“ Gene, die nur über die mütterliche Linie weitervererbt werden, finden sich beispielsweise in der mitochondrialen DNA, in ihr können Genetiker, ähnlich wie beim Y-Chromosom, geschlechtsspezifische Stammbaumuntersuchungen durchführen.

Die Forscher schließen aus der Diskrepanz der mütterlichen und väterlichen Linien, dass in der Umbruchszeit viele Frauen aus den alteingesessenen Jäger-und-Sammler-Kulturen eingewanderte Bauern als Partner wählten. „Für uns deutet dies darauf hin, dass die Landwirtschaft betreibenden Männer damals einen reproduktiven Vorteil gegenüber den Jägern und Sammlern besaßen“, erklärt Balaresque. „Vielleicht war es damals einfach sexier, ein Bauer zu sein.“

Die Studie ist im Journal PloS Biology abrufbar.
(University of Leicester, 20.01.2010 - NPO)
 
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