Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Feinstaub-„Fingerabdruck“ sofort und vor Ort
Neue Methode ermittelt Feinstaub-Zusammensetzung in Echtzeit
Feinstaub ist gesundheitsschädlich, besonders wenn seine Partikel sehr klein sind. Aber bisher gab es kaum Verfahren, die die Zusammensetzung von Staubemissionen schnell und genau bestimmen können. Jetzt haben Wissenschaftler eine Methode entwickelt, die in Echtzeit und direkt am Ort der Entstehung die Partikel nach Größe trennt und ihre Zusammensetzung bestimmt.

Mikroskop-Aufnahme von Staub-Partikeln, die auf einem Filter gesammelt wurden.
Mikroskop-Aufnahme von Staub-Partikeln, die auf einem Filter gesammelt wurden.
© Fraunhofer Gesellschaft Mikroskop-Aufnahme von Staub-Partikeln, die auf einem Filter gesammelt wurden.
Die Debatte um Feinstaubemissionen erhitzt seit Jahren die Gemüter. Vor allem Anwohner von Industrieanlagen fragen sich häufig: Wie schädlich ist das, was dort aus dem Schornstein aufsteigt? Anlass zur größten Sorge ist jedoch nicht immer das, was man sieht. Vielmehr bergen besonders die kleinen Feinstaubpartikel ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, da sie leicht in den menschlichen Organismus eindringen. Die ultrafeinen Partikel sind jedoch nur schwer messbar, da sie lediglich einen Durchmesser von weniger als 100 Nanometern haben.

Forscher am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen haben ein Verfahren etabliert, mit dem sie die Zusammensetzung solcher Partikel genau analysieren können. "Bisher richten sich die gesetzlichen Grenzwerte für Feinstaubemissionen nach dem Gesamtgewicht der Partikel", sagt Dr. Cord Fricke-Begemann, Projektleiter am ILT. "Doch große Partikel sind viel schwerer als kleine. Mit Gewichtsmessungen kann man keinerlei Aussage darüber treffen, welche Menge an ultrafeinen Partikeln sich im Feinstaub befinden. Dabei sind diese oft gesundheitsschädlicher als die großen."

Chemischer Fingerabdruck in Echtzeit
Das Messverfahren der Forscher besteht aus zwei Schritten: Zunächst trennen sie die Partikel mit Hilfe eines Gasstroms nach Größenklassen und sammeln sie auf Filtern. Anschließend untersuchen sie deren Zusammensetzung mit der Laser-Emissionsspektroskopie. "So können wir bestimmen, welche schädlichen Schwer- und Übergangsmetalle sich im Feinstaub befinden, etwa Zink, und in welcher
Partikelgröße sie sich besonders anreichern", sagt Fricke-Begemann.

Die Besonderheit der Methode: Sie liefert die Ergebnisse in weniger als 20 Minuten. Zudem erlaubt sie einen hohen Durchsatz und eine direkte Messung vor Ort - etwa in Stahlwerken. Dort lassen sich die Emissionswerte während der Produktion mit einer Weiterentwicklung des Verfahrens sogar "online", also in Echtzeit, messen und überwachen. Dazu werden die Partikel ständig über ein Luftrohr eingesogen und analysiert.

Hilfe bei Emissionsreduktion
Jede Industrieanlage produziert Feinstaubemissionen. Dabei hinterlässt jedes Verfahren einen charakteristischen "Fingerabdruck", der etwas über die Zusammensetzung und Größenverteilung der Partikel verrät. Dank ihrer Messmethode können die Wissenschaftler die Luft in angrenzenden Wohnbereichen überprüfen und feststellen, woher die Partikel kommen. Und sie können helfen, Strategien zur Emissionsreduzierung für die untersuchten Anlagen zu erstellen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Feinstaub, Umwelt, Technik, Messung, Messmethode, Partikel, Gesundheit, Umweltschutz, Emission, Luftschadstoff, Analyse
Weitere News zum Thema
2011: „Dicke Luft“ in Deutschland (07.02.2012)
Hohe Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid ermittelt
Schimmelpilze erleichtern Sanierung bleiverseuchter Böden (16.01.2012)
Organismus baut Schwermetall in stabiles, unschädliches Mineral ein
Luftverschmutzung fördert Dürren und Starkregen (14.11.2011)
Schwebstoffe in der Atmosphäre beeinflussen Verteilung und Art der Niederschläge
Autoabgase fördern Frühgeburten (07.10.2011)
Organische Komponenten des Feinstaubs erhöhen Risiko um bis zu 30 Prozent
Umweltzonen haben einen positiven Gesundheitseffekt (30.09.2011)
Reduktion vor allem von Partikelmenge des Feinstaubs bringt Entlastung
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Intelligente Kleidung
Hightech-Textilien auf dem Vormarsch
Verkehrsinfarkt
Mobilität in der Krise
Aerosole
Würzstoffe in der Klimaküche
Globale Zirkulationen
Alles im Fluss...
News des Tages
Medizin-Nobelpreis für Schutzpaket der Chromosomen
Alte Regenwälder trotzten Klimawandel
Graphit als Magnet
Tetris im Zwergenreich
Sind 80 Prozent weniger CO2 bis 2050 möglich?
Kombination aus alt und neu verbessert Taxonomie
Feinstaub-„Fingerabdruck“ sofort und vor Ort
Schluss mit der „Datenwüste Ozean“
Bücher zum Thema
50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten...
von Andreas Schlumberger
Öko
Al Gore, der neue Kühlschrank und ich von Peter Unfried
Irrwitziges aus der Wissenschaft
Von Dunkelbirnen und Leuchtkaninchen von Heinrich Zankl
Was macht das Licht, wenn's dunkel ist?
Experten beantworten weltbewegende Fragen von Olivia Meyer
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes