Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Biomarker beeinflusst Herzinfarktrisiko
Kausaler Zusammenhang bietet Möglichkeit für neue Therapieansätze
Ein ins Blut abgegebenes Leberprotein, Fetuin A, zeigt an, ob ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht. Jetzt hat eine Auswertung genetischer Daten enthüllt, dass dieser erst kürzlich entdeckte Biomarker nicht nur „Bote“ ist, sondern das Herzinfarktrisiko direkt beeinflusst. Er erlaubt somit nicht nur Vorhersagen, sondern könnte sogar einen neuen Ansatzpunkt für Therapien darstellen.

Herzkatheter-Untersuchung
Herzkatheter-Untersuchung
© AiF
Herz-Kreislauf- Krankheiten sind in den Industrienationen noch immer die häufigste Todesursache im Erwachsenenalter. Eine Früherkennung des Risikos könnte helfen, die schweren Folgen deutlich zu reduzieren. Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) haben kürzlich zusammen mit Ärzten der Universität Tübingen einen neuen Biomarker identifiziert, mit dem sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorhersagen lässt. Bei dem Biomarker handelt es sich um Fetuin-A, ein ins Blut abgegebenes Leberprotein.

Jetzt haben die Forscher um Cornelia Weikert vom DIfE eine Folgestudie abgeschlossen, in der sie klären wollten, ob Fetuin-A "lediglich" als ein Marker für den Herzinfarkt zu verstehen ist oder das Risiko sogar ursächlich mit beeinflusst. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, führten die Wissenschaftler genetische Untersuchungen basierend auf Daten der Potsdamer „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“ (EPIC) -Studie durch. Diese Langzeitstudie untersucht seit 1992 die Zusammenhänge zwischen Ernährung und dem Auftreten von Erkrankungen an 27.500 Studienteilnehmern.

Genvergleiche an 2.520 Studienteilnehmern
Die Forscher werteten für ihre Markertests die Daten von insgesamt 2.520 Studienteilnehmern aus. Während der Beobachtungszeit von durchschnittlich acht Jahren trat bei 214 der Teilnehmer erstmals ein Herzinfarkt auf. Die Wissenschaftler untersuchten bei diesen und anderen Probanden gezielt fünf natürliche Varianten des Fetuin-A-Gens hinsichtlich ihrer Effekte auf die Fetuin-A-Konzentration im Blut und auf das Infarktrisiko.

Es zeigte sich, dass diese Varianten die Höhe des Fetuin-A-Spiegels beeinflussen, wobei die C-Variante-rs4917 den stärksten Effekt aufwies. Je nachdem, ob ein Studienteilnehmer nur eine oder zwei Kopien dieser Genvariante von seinen Eltern geerbt hatte, erhöhte sich allein hierdurch sein Fetuin-A-Wert um zusätzliche 35,5 beziehungsweise 71 Mikrogramm pro Milliliter.

Kausaler Zusammenhang bietet Ansatz für neue Therapien
Spannend dabei: Diese Genveränderung wirkte sich auch direkt auf das Herzinfarktrisiko aus. Statistisch betrachtet, stieg mit jeder Kopie dieser Variante das Risiko um 34 Prozent an. „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Fetuin-A-Gen, der Fetuin-A-Menge im Blut und dem Risiko für einen Herzinfarkt besteht. Ein erhöhter Fetuin-A-Spiegel könnte daher ähnlich wie ein zu hoher Cholesterinspiegel das Herzinfarktrisiko direkt steigern. Damit wäre es auch denkbar, das Herzinfarktrisiko zu senken, indem man die Fetuin-A-Werte im Blut vermindert", erklärt Weikert.

„Wie dies erreicht werden kann und ob eine solche Maßnahme therapeutisch sinnvoll sein wird, wissen wir nicht“, so die Forscherin weiter. „Angesichts der großen Zahl von Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, erscheint es aber wichtig, die Forschung in diese Richtung zu verstärken".
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Herzinfarkt, Biomarker, Risiko, Gene, Früherkennung, Infarktrisiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Medizin, Krankheit
Weitere News zum Thema
Light-Limonaden erhöhen Schlaganfall-Risiko (01.02.2012)
Zusammenhang zwischen regelmäßigem Genuss von Diätgetränken und Gefäßerkrankungen
Omega-3-Fettsäuren schützen Gehirn vor dem Schrumpfen (30.12.2011)
Gesunde Ernährung wirkt dem geistigen Abbau entgegen
Neuer Labortest beschleunigt Herzinfarkt-Diagnose (28.12.2011)
96 prozentige Sicherheit schon innerhalb von drei Stunden
Stammzellen im Herzen entdeckt (02.12.2011)
Zellen tragen zur Reparatur von Herzschäden bei
Gendefekt treibt Blutdruck in die Höhe (22.11.2011)
Veränderung sorgt für Störung des Salzhaushalts
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Functional Food
Fitmacher oder Mogelpackung?
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Lebenselixier Blut
„Ein ganz besondrer Saft“
Apoptose – der programmierte Zelltod
Die Lizenz zum Töten
News des Tages
Erster nachweislicher Gesteinsplanet außerhalb des Sonnensystems
Musik: Mehr Emotionen mit geschlossenen Augen
Listeria: Fangen- und Versteckspiel in der Zelle
Erste Radarkarte des Titan enthüllt Nord-Südunterschiede
Biomarker beeinflusst Herzinfarktrisiko
Vor 40 Jahren kam der Mond nach Deutschland
Erster Nano-3D-Blick in polymere Solarzelle
Bücher zum Thema
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Leben
Bilder aus dem Inneren des menschlichen Körpers von Lennart Nilsson
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Schmerz
Eine Kulturgeschichte von David Le Breton
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes